In der ausverkauften Klosterkirche Fahr wartete an diesem prächtigen Pfingstsonntagnachmittag ein ganz spezielles Highlight. Das Schweizer Oktett und das Vokalensemble Zürich - geleitet von Peter Siegwart - spielten und sangen Ausschnitte aus den drei Gedichten «September», «Tänzerin» sowie «Der Seidelbast» von Silja Walter.

Der armenische Komponist und Dirigent David Halajian schrieb dazu die Musik. So heisst es da beim zweiten Lied: «Ich wollte Schnee sein, mitten im August. Und langsam von den Rändern her vergehn. Langsam mich selbst vergessen, ich hätt' Lust, dabei mir singend zuzusehn.»

Und beim Gedicht «Seidelbast» lautet der Schluss: «Seit du mich vergessen hast, träum ich so tief und schwer, im Walde wiegt der Seidelbast sich leise hin und her.»

Einheit von Text und Musik förmlich gespürt

Es war in der Tat ein mystisch-musikalisches Erlebnis ersten Ranges, das hier zum ersten Mal in dieser herrlichen Barockkirche erklang. «Diese Musik und die Texte haben mich tief berührt», sagte Priorin Irene Gassmann nach der Aufführung auf dem Friedhof, wo auch das mit gelben Rosen geschmückte Grab der im Januar 2011 verstorbenen Schwester Hedwig liegt. Dies seien auch die Lieblingstexte von Schwester Hedwig gewesen.

Der Komponist sei ihren Texten total gerecht geworden. «Man habe diese Einheit förmlich gespürt - das ist wirklich Silja Walter», ergänzte die Klostervorsteherin. Für Anita Faure aus Binz war das Werk sehr schwierig zu verstehen, dennoch sei sie davon total beeindruckt.

Und Alois Zimmermann aus Zürich-Höngg sagte beim Musical Dîner im Restaurant «Zu den zwei Raben»: «Zu Beginn der Aufführung war ich dieser neuzeitlichen Musik gegenüber recht skeptisch eingestellt. Doch am Schluss bin ich von diesen Tönen und Texten regelrecht begeistert.» Beeindruckt und bewundert habe er die Technik und die präzisen Einsätze der Sängerinnen und Sänger sowie der Musiker vom Schweizer Oktett, das übrigens zum Abschluss mit dem Oktett in F-Dur von Franz Schubert brillierte.

Als Luzerner das Kloster Fahr kennengelernt

«Dieses eigenwillige Werk des armenischen Komponisten mit Texten einer dichtenden Klosterfrau hat mich fasziniert», sagte Dirigent Peter Siegwart nach der Uraufführung. Die verschiedenen Tonalitäten für acht Stimmen und acht Instrumente seien mit diesen wunderschönen Klängen sehr gut gesetzt gewesen. Dann bekennt der mit einer Ehrengabe der UBS Kulturstiftung ausgezeichnete Peter Siegwart: «Durch dieses Dirigat lernte ich als Luzerner das Kloster Fahr kennen, denn ich kannte es nur vom Namen her, doch ich war nicht nie hier.»