Gesundheitsvorstand Andreas Herren stand vor rund 250 Gästen in der Urdorfer Zentrumshalle und stellte klar: «Wir sind nicht gegen das Spital Limmattal.» Damit griff er gestern Abend den grössten Vorwurf auf, der in den vergangenen Wochen laut geworden war, unter anderem an einer Informationsveranstaltung der Kritiker vor einer Woche. Und, so Herren weiter, auch wenn Urdorf aus dem Zweckverband Spital Limmattal austrete, wie es der Gemeinderat vorschlage, könnten sich die Urdorferinnen und Urdorfer dort weiterhin behandeln lassen. Für Patienten ändere sich nichts. Dann präsentierte Herren die Überlegungen des Gemeinderats (Kontext), bevor er sich zusammen mit Finanzvorstand Thomas Hächler und Gemeindepräsidentin Sandra Rottensteiner den Fragen stellte – und diese kamen zahlreich. Die Diskussion wurde von Moderatorin Marina Villa geleitet.

Das Publikum fragte kritisch nach, Rottensteiner, Hächler und Herren antworteten differenziert. Deutlich machten die Drei noch einmal, dass der Gemeinderat den Spitalaustritt und das Nein zum Zweckverband auch als Warnung verstanden haben will. Als Hinweis auf ein bestehendes finanzielles Risiko, das nicht zuletzt der geplante Spitalneubau darstelle. Oder wie es Herren ausdrückte: «Das Medikament hat einzelne Risiken und Nebenwirkungen. Sie können wählen, ob sie das Medikament wollen oder nicht.»

Vielfältige Fragen

Die Fragen aus dem Publikum waren vielfältig, die Antworten zu detailreich, um sie an dieser Stelle vollumfänglich wiedergeben zu können. Nachfolgend deshalb ein Auszug.

Finanzielles Risiko : Der Businessplan, der für den Spitalneubau vorliegt, ist laut Thomas Hächler und Sandra Rottensteiner seriös erstellt, und das Spital stehe derzeit wirtschaftlich sehr gut da. Jedoch gibt es viele Parameter, die sich ändern können, und die Gemeinde habe keinen Einfluss auf diese Parameter. Bei einer negativen Entwicklung trage die bereits hoch verschuldete Gemeinde das finanzielle Risiko und nicht der Kanton.

Statuten : Für Finanzvorstand Thomas Hächler ist klar: Die aktuelle Rechtsform des Zweckverbands birgt ein grosses Risiko, nämlich das der finanziellen Haftung der Gemeinde Urdorf. Laut Sandra Rottensteiner sind andere Rechtsformen wie eine AG oder eine Stiftung möglich, aber diese stellten eben nicht Thema der vom Spital vorgelegten Statuten dar, die nun in 17 Verbandsgemeinden zur Abstimmung kommen sollen. An der Gemeindeversammlung vom 19.September sei nur ein Ja oder Nein möglich. Der Gemeinderat könne nicht beauftragt werden, dem Spital eine andere Rechtsform vorzuschlagen.

Vor spannendem Entscheid

Entgegnung von Spitaldirektor Thomas Brack: Er glaubt, dass ein Nein zu den Statuten das Spital um (zwei) Jahre zurückwerfe. Solange über neue Statuten diskutiert werde, könne die Neubaufinanzierung nicht geregelt werden. Eine Rechtsformänderung sei für den Spitalverwaltungsrat nach dem gescheiterten Versuch von vor zwei Jahren nicht mehr infrage gekommen. Der Zweckverband sei zudem nicht so unflexibel, wie er immer dargestellt werde.

Pflegezentrum: Am Pflegezentrum des Spitals Limmattal hat Urdorf derzeit ein Kontingent von 17 Betten. Diese möchte der Gemeinderat gerne behalten. Das ginge jedoch nur über einen Anschlussvertrag nach erfolgtem Austritt. Ob Urdorf die Betten dann noch bekommt, ist offen. Laut Andreas Herren will der Gemeinderat die Pflegeplätze behalten, muss aber mit dem Spital neu verhandeln.

Austritt: Bei einem Austritt aus dem Zweckverband hat Urdorf keinen Einfluss mehr auf die Zukunft des Spitals, erklärte Sandra Rottensteiner. Doch der Einfluss sei auch derzeit relativ gering. Urdorf stelle 2 von 25 Delegierten. Für die Spitäler sei der Kanton zuständig, so Rottensteiner, Urdorf sei neu für die Langzeitpflege und Spitex zuständig. Diese Aufgabe wolle Urdorf vollumfänglich wahrnehmen. Laut Thomas Hächler kostet der Austritt die Gemeinde 1,5 Millionen Franken an Anteilen, die verloren gehen.

Nach gut zweistündiger Diskussion ging das Publikum mit der Erkenntnis nach Hause, am übernächsten Mittwoch vor einem äusserst schwierigen Entscheid zu stehen.