Warum ist ein waschechter Entlebucher, der seit 35 Jahren wahlweise im Baselbiet wohnt, der geeignete Präsident für die Stadtjodler Dietikon? Diese Frage hat sich Franz Vogel selbst auch gestellt, als er vom bisherigen Präsidenten Hansruedi Weibel angefragt wurde, ob er nicht sein Amt übernehmen wolle.

Lange hat Vogel hin und her überlegt, bevor er zugesagt hat. «Kann ich als nicht hier geborener und hier lebender Mensch den Erwartungen, welche an den Präsidenten eines volksverbunden Vereins gestellt werden, gerecht werden», fragte sich der 58-Jährige. Er kann.

Im Jodelklub singt der gelernte Käsermeister erst seit dem Jahre 2012 mit und pendelt seither für die wöchentliche Probe von Aesch im Baselbiet ins Limmattal. Dass er überhaupt zu den Dietiker Jodlern gestossen ist, verdankt er Ruth Matter Riedi. Die Dirigentin der Stadtjodler Dietikon leitete damals vor drei Jahren noch einen zweiten Jodelklub im Schwarzbubenland, wo Vogel als Sänger Mitglied war. Als dann im Dietiker Team kurzfristig eine Stimme ausfiel, übernahm Vogel die Stellvertretung für acht Wochen.

Weil es ihm bei den Stadtjodlern auf Anhieb so gut gefallen hat, ist er geblieben. Die lange Anreise, werde jedoch durch schönen und gepflegten Jodelgesang, sowie eine tolle Kameradschaft wieder wettgemacht, so Vogel.

Das sehr gute Verhältnis zu den anderen Sängerinnen und Sängern, sowie das gesangliche Niveau des Klubs war dann auch der ausschlaggebende Grund, weshalb Vogel schliesslich für den Posten als Präsident zugesagt hat. Anfang Februar hat er sein neues Amt angetreten. Am kommenden Samstag steht ihm mit dem Jodlerabend die Feuerprobe bevor. Vogel hofft, dass sich auch bei diesem Jodlerauftritt die Stadthalle wieder füllt wie die Jahre davor.

Gesundheitlich angeschlagen

Weibel ist sich sicher, dass Vogel diese Aufgabe problemlos meistern wird. Mit ihm habe er den idealen Ersatz gefunden, sagt der ehemalige Präsident. Durch seine langjährige Erfahrung als Kommunalpolitiker und seiner jetzigen Aufgabe als Geschäftsführer eines Integrationskompetenzzentrums sei Vogel genau der richtige Mann, um den Verein weiterzuleiten.

Das Amt als Präsident gab Weibel nur schweren Herzens auf, nachdem er im vergangenen Jahr immer wieder mit gesundheitlichen Beschwerden zu kämpfen hatte und ihm das Engagement im Vorstand zu viel wurde. Tatsächlich war das vorangehende Jahr ein turbulentes für die Dietiker Stadtjodler.

Fast hätte der Verein der Stadthalle nach 42 Jahren den Rücken gekehrt, weil die Miete für den Anlass mit rund 7'000 Franken zu viel wurde. Schliesslich konnte man sich aber doch einigen mit der Stadt (die Limmattaler Zeitung berichtete). Weibel bleibt dem Verein weiterhin als Sänger erhalten. «Ich bi zu hundert Prozent ein Stadtjodler», sagt er.

Vogel sieht dem bevorstehenden Jodlerabend eher gelassen entgegen. Klar sei er ein wenig nervös, aber Sorgen bereite ihm derzeit etwas ganz anderes. Als Präsident sei es eine seiner Hauptaufgaben dafür zu sorgen, dass das Gedankengut und die Tradition des Jodelns an jüngere Generationen weitergetragen werde. Es sei heute in eher städtischen Gebieten sehr schwierig, neue Sängerinnen und Sänger für den Heimat- und Jodelgesang anzuwerben. Mit öffentlichen Auftritten und Jodlermessen versuche man stets auf sich aufmerksam zu machen.

Von Kindsbeinen an gejodelt

Vogel selbst hat die Begeisterung für den traditionellen Gesang von Kindsbeinen an miterlebt. Bereits sein Vater war Mitglied in einem Jodelklub. Singen sei total befreiend und beschwingend. Der Jodelgesang handle von einer noch heilen Welt, besinge Alpenblumen und Sonnenaufgänge. «Das Herz singen zu lassen ist für mich der ideale Ausgleich zum Berufsalltag», so Vogel.

Für die Zukunft der Stadtjodler Dietikon wünscht sich Vogel, dass durch den Gewinn neuer Sänger und Sängerinnen das hochstehende gesangliche Niveau noch lange beibehalten werden kann und der Jodlerklub im Jahre 2017 stolz sein 90 jähriges Bestehen feiern kann.

Bis Vogel vertrauter mit der Umgebung und dem Leben in Dietikon ist, sei ihm die Unterstützung Ernst Berwegers, Ehrenpräsident der Stadtjodler, sicher. Mit ihm habe er ein echtes Dietiker Urgestein an seiner Seite. «Ich brauche ein Herz von hier, das mich unterstützt», sagt Vogel.

Der Jodlerabend findet am kommenden Samstag um 19.30 Uhr in der Stadthalle Dietikon statt.