Vergärwerk Werdhölzli

Ein Energieträger stösst auf Hindernisse

Im Vergärwerk Werdhölzli wird aus Bioabfall Gas. Dieses soll nun auch als erneuerbare Heizenergie anerkannt werden.a. bütschi

Im Vergärwerk Werdhölzli wird aus Bioabfall Gas. Dieses soll nun auch als erneuerbare Heizenergie anerkannt werden.a. bütschi

Die Gasindustrie macht Druck, dass Biogas als erneuerbare Heizenergie anerkannt wird.

Im Werdhölzli hat die Biogas Zürich AG Mitte 2013 ein Vergärwerk von eindrucksvoller Grösse in Betrieb genommen. Aus Garten- und Küchenabfällen aus der Stadt Zürich und dem Limmattal wird hier Biogas hergestellt. Und im Werdhölzli warb gestern auch der Verband der Schweizerischen Gasindustrie (VSG) dafür, Biogas auch im Bereich Heizung als erneuerbare Energie zu anerkennen.

Den aktuellen Bezug dazu bildet eine Motion mit derselben Stossrichtung der Kantonsrätinnen Gabriela Winkler (FDP) und Esther Hildebrand (Grüne), die der Kantonsrat im November 2013 überwiesen hat. Noch bis Mitte Juli befindet sich ein Vorentwurf in der Vernehmlassung, wie gestern dargelegt wurde.

Was heisst «Ausrüstung»?

Das Zürcher Energiegesetz schreibt vor, dass Neubauten so auszurüsten sind, dass 20 Prozent des erlaubten Energiebedarfs für Heizung und Warmwasser aus erneuerbarer Quelle stammen. Wärmepumpen oder Solaranlagen bieten sich dafür an.

Nicht angerechnet wird, wenn ein Bauherr eine Gasheizung einbaut und zu 20 Prozent Biogas bezieht; bei Energie 360° (früher Erdgas Zürich) zum Beispiel kann der Kunde zwischen einem Biogasanteil von 10 bis 100 Prozent wählen.

Der Knackpunkt liegt darin, dass es die vom Gesetz geforderte «Ausrüstung» beim Gas nicht braucht. Da Erdgas und Biogas die gleichen physikalischen Eigenschaften aufweisen, reicht eine konventionelle Gasheizung. Wer garantiert somit, dass nach einiger Zeit nicht einfach wieder zu 100 Prozent Erdgas bezogen wird? Speziell gilt dies, wenn die Eigentümerschaft wechselt. Der Anreiz dafür wäre vorhanden, da Biogas einiges teurer ist als Erdgas.

Michael Schmid, Leiter PR beim VSG, kritisierte die Vorkehrungen, die der Vorentwurf zu dieser Problematik enthält. Eine Biogas-Verpflichtung in der Baubewilligung und deren Absicherung mittels Grundbucheintrag genügten, sagte er. Die Festlegung eines alternativen Bauprojektes für den Fall der Kündigung des Biogasbezuges und dessen Absicherung per Baurechtspfand schössen über das Ziel hinaus.

Importe als Puffer

Auch Barbara Schaffner (GLP, Otelfingen) verfolgte den Medienanlass. Im Anschluss erklärte sie, warum sie die Motion nicht unterstützt hatte, obwohl sie Biogas eine gute Sache findet: Lasse sich die 20-Prozent-Vorschrift so einfach erfüllen, halte dies womöglich von anderen sinnvollen Massnahmen wie einer guten Dämmung ab. Auch die Energiedirektoren wollten sich 2014 in den Mustervorschriften im Energiebereich nicht auf die Qualifizierung von Biogas als erneuerbare Heizenergie festlegen.

Nationalrat Martin Landolt (BDP) kritisierte das. Er war einer der Referenten gestern. In einem Netz diverser erneuerbarer Energieträger werde Biogas eine wichtige Rolle spielen, sagte er.

Dass importiertes Biogas nicht steuerbefreit ist, weil es sich am Zoll von konventionellem Gas nicht unterscheiden lasse, nannte Landolt Realsatire. Peter Dietiker, Verwaltungsrat bei Energie 360°, betonte, die Gasindustrie verfüge über die Instrumente, um den Herkunftsnachweis zu erbringen. Importe seien sinnvoll, sagte er, da die Nachfrage steige und die Realisierung von Biogas-Anlagen in der Schweiz länger dauere als anderswo. Die meisten Importe stammen aus Deutschland. Man arbeite ausschliesslich mit Anbietern zusammen, so betonte Dietiker, die nur Bioabfälle verwendeten. Er erwähnte dies, weil in Deutschland auch Pflanzen direkt für die Energieproduktion angebaut werden.

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