Alles Müller oder was? Fast, ist man geneigt zu sagen, betrachtet man die häufigsten Familiennamen in den Limmattaler Gemeinden. Gross ist die Überraschung jedenfalls nicht, dass Müller in neun von zwölf Fällen zuoberst auf der Liste steht, wie eine Umfrage bei den Gemeindeverwaltungen in der Region zeigt.

Denn er ist nicht nur in der Schweiz, sondern im gesamten deutschsprachigen Raum der häufigste Familienname. Der Grund dafür ist in seiner Herkunft zu suchen. In fast jedem Dorf stand einst eine Mühle. Betrieben wurde diese vom Müller. Weil also der Beruf häufig vorkam, galt dies auch für den Familiennamen.

Kommt hinzu, dass es für die Berufsbezeichnung des Müllers kaum Namenvarianten gibt, im Gegensatz etwa zu jener des Bauers. Dieser kann ein Achermann oder ein Feldmann sein.

Aufgrund seiner grossen Verbreitung ist Müller kein typischer Limmattaler Familienname. Das zeigt sich auch, wenn man die einzelnen Gemeinden im Bezirk Dietikon genauer betrachtet.

Häufigsten Nachnamen im Limmattal

Dann stellt man fest, dass der Name Müller keinesfalls überall altverbürgert ist. So besassen Müllers vor 1800 nur in den Gemeinden Birmensdorf, Oberengstringen, Schlieren, Uitikon und Weiningen das Bürgerrecht, das in der 1798 gebildeten Helvetischen Republik nach französischem Vorbild neu geordnet wurde. Jene in Birmensdorf stammen gemäss dem Familiennamenbuch der Schweiz aus Zürich. Für die anderen vier Gemeinden ist kein Herkunftsort angegeben.

Anders in Dietikon. Dort wurden die ersten Müllers 1899 eingebürgert. Sie stammten aus Deutschland; 1916 wurden Müllers aus dem zürcherischen Altikon und 1959 solche aus Lengnau im Kanton Aargau eingebürgert.

Meier ist weit verbreitet
Neben Müller sind im Limmattal auch die Familiennamen Meier und Schmid sowie Huber häufig vertreten. Nur in Bergdietikon, Aesch, Uitikon und Weiningen taucht der Familienname Meier nicht in den Top 3 auf. In Unterengstringen steht er gar auf Platz eins.

Seine Wurzeln sind beim lateinischen Wort «maior» oder «maius» zu suchen, das für «grösser», «stärker» oder «bedeutender» steht. Ursprünglich war der «Meier» ein Verwaltungsbeamter. Dementsprechend wurde das Haus oder der Hof, in dem der Verwalter wohnte, Meierhof genannt. Später wurde die Bezeichnung reduziert auf den Pächter eines bäuerlichen Landgutes.

Wie Müller kommt auch dieser Name in der gesamten Deutschschweiz vor. Allerdings nicht in allen Formvarianten, wie aus dem «Kleinen Sprachatlas der deutschen Schweiz» hervorgeht.

Flächendeckend alteingesessen ist die Schreibweise Meier/Meyer. Maier beziehungsweise Mayer findet man jedoch fast nur im Osten der Schweiz. Diese Schreibweise stammt aus dem Schwäbisch-Bayrischen.

Nicht auf den ersten Blick ersichtlich ist die Herkunft des Namens Huber. So nannte man Bauern, die eine ganze Hube Ackerland Grundbesitz besassen. Regional wichen die Masseinheiten für ein so bezeichnetes Land voneinander ab. Oft bezeichnete eine Hube einen Hof und so viel Land, wie nötig war, um eine Familie zu ernähren.

Wenige typische Limmattaler Namen
Auf der Hand liegt hingegen die Herkunft des Nachnamens Schmid. In Aesch ist er der zweithäufigste Familienname, getoppt nur von Hofstetter. Dessen Herkunft bezieht sich auf einen der häufigen Orte Hofstetten, wobei das mittelhochdeutsche Wort hovestat den Grund und Boden bezeichnet, auf dem ein Hof steht.

Neben Unterengstringen und Aesch bildet nur noch Weiningen bezüglich der Spitzenposition bei den Nachnamen eine Ausnahme im Limmattal. Dort lautet der häufigste Familienname Haug. Dabei handelt es sich um eine verhochdeutschte Form von Hug. Wobei dieser wohl die Kurzform eines Rufnamens wie Hugbert ist. Das althochdeutsche Wort hugu bedeutete Sinn, Geist, Mut.

Hofstetter und Haug sind typische, lange verbürgte Namen in ihren jeweiligen Gemeinden. Das gilt etwa auch für Werffeli oder Ehrsam, ebenfalls in Weiningen. Beim ersten Namen dürfte es sich um ein Kosewort von Werfer handeln, eventuell eines Speerwerfers oder eines Würflers. Ehrsam geht auf den Begriff angesehen zurück. Der typischste Dietiker Name ist Wiederkehr. Er bezeichnet eine Person, die wieder an ihren Heimatort zurückkehrt.

Während man für die einzelnen Gemeinden einige typische Nachnamen findet, ist es schwieriger, solche für das gesamte Limmattal auszumachen. Benz oder Bänz ist noch am ehesten einer der Familiennamen, der über die gesamte Region verbreitet ist. Er ist vor 1800 immerhin schon in Birmensdorf, Dietikon, Oberengstringen, Weiningen und Geroldswil verbürgert. Es handelt sich dabei um eine Kurzform von Benedikt oder Bernhard.

Andere Namen tauchen in zwei oder drei geografisch nahe beieinanderliegenden Gemeinden auf. Etwa Hintermann, der vor 1800 in Unterengstringen und Weiningen sowie bald darauf in Oberengstringen verbürgert war. Gleiches gilt für Wismer in Birmensdorf, Schlieren und Uitikon. Der Name entstammt einer Wandlung von Wismann zu Wismer, wobei eine Person gemeint ist, die ihren Wohnort nahe bei einer Wiese hat.