Das kantonale Tiefbauamt ist zur Vollbremsung gezwungen. Das Teilprojekt zur Sanierung und Umgestaltung der Limmattalstrasse zwischen dem Bohnäcker und dem steilen Abzweiger Haldenstrasse in Oetwil verzögert sich definitiv. Die Umleitung über die Dorfstrasse entfällt. Zuletzt war geplant, dass die Bauarbeiten Ende Juni beginnen. Das ist nun endgültig nicht möglich. Wann das Tiefbauamt wieder aufs Gaspedal drücken kann, steht in den Sternen.
Der Hintergrund: Im April wurde bekannt, dass der letzte verbleibende Gegner seine Einsprache gegen die Festsetzung des Projekts durch den Regierungsrat weiterzieht ans Zürcher Verwaltungsgericht.

Bis zuletzt hatte das Tiefbauamt gehofft, dass die Bauarbeiten im grössten Teil der Limmattalstrasse schon mal beginnen können, ausser beim Grundstück des Beschwerdeführers. Um diese Hoffnung Tatsache werden zu lassen, hätte das Verwaltungsgericht aber der Beschwerde die aufschiebende Wirkung entziehen müssen. Einen solchen Entscheid hat das Gericht aber bis heute noch nicht gefällt. Darum wurde nun die Vollbremsung des Kantons nötig, die er gestern mitteilte.

Nun gibt es in Oetwil länger Baulärm

All das wäre nicht der grossen Rede wert, wenn das Strassenprojekt ein einzelnes, isoliertes wäre. Doch der Kanton saniert seine Strassen von Oetwil bis Unterengstringen. Das Problem: Zwischen dem Oetwiler Abzweiger Haldenstrasse und der Geroldswiler Bushaltestelle Schweizäcker laufen die Bauarbeiten bereits seit April, im November sollen sie fertig sein. Auch das nun definitiv verschobene Oetwiler Teilprojekt hätte bis Ende Jahr fertig sein sollen. Der Plan dahinter: In Oetwil eine grosse Baustelle auf einer langen Strecke, dafür nur in einem Jahr. Diese Effizienz ist nun nicht mehr möglich. «Das ist das Ärgerliche an dieser Beschwerde», sagt Thomas Maag, Sprecher der Zürcher Baudirektion.

Stattdessen liegt es nun auf der Hand, dass die Oetwilerinnen und Oetwiler auch noch zu einem späteren Zeitpunkt mit einer Baustelle im Dorf leben müssen, die Lärm verursachen kann. Dem Vernehmen nach schreckt der Beschwerdeführer nicht davor zurück, den Rechtsstreit bis ans Bundesgericht in Lausanne weiterzuziehen. Unter der zusätzlichen Bauzeit werden nicht nur das Dorf, sondern auch die Autofahrer leiden, die die Limmattalstrasse benützen. Sie werden ausgebremst. Es sind Tausende. Allein Oetwil zählt 1550 immatrikulierte Personenwagen, wie die aktuellsten Daten des Zürcher Statistik-Amts zeigen. Dazu kommen über 200 Motorräder.

Die zusätzliche Bauzeit sorgt auch bei Gemeindepräsident Paul Studer (FDP) für Unmut: «Es ist höchst unschön. Wir haben doch gehofft, dass die Bauzeit so schnell wie möglich vorbei ist.»

Die Sache erinnert stark an den Veloweg von Oetwil nach Würenlos, wo es auch eine lange Blockade gab, bis das Bundesgericht diesen Frühling den Rechtsstreit zugunsten des Kantons beendete.

Die provokative Frage liegt auf der Hand: Ist Oetwil ein gallisches Dorf von Einsprechern, das gegen die Zürcher Baudirektion aufbegehrt? Dazu nochmals Gemeindepräsident Studer: «Diesen Eindruck kann man zwar erhalten, aber er stimmt nicht. Die zwei genannten Personen machen nur einen kleinen Anteil der über 2400 Einwohner aus.» Zudem verweist er auf unsere Schweizer Demokratie. «Wem etwas nicht passt, der kann sich wehren. Das gehört zum Rechtsstaat, auch wenn es manchmal negative Auswirkungen hat», so Studer.

Apropos Veloweg: Laut Baudirektionssprecher Maag haben nach dem Bundesgerichtsurteil die Bauplanungen wieder begonnen. Ab Anfang 2018 soll das letzte Zürcher Stück des neuen Radwegs fertiggestellt werden.