Schlieren

Ein Dezibel zu viel: In neun Wohnungen ist es zu laut – jetzt muss der Bauherr über die Bücher

Bei neun der insgesamt 202 geplanten Wohnungen werden die Grenzwerte der Lärmbelastung nicht eingehalten.

Bei neun der insgesamt 202 geplanten Wohnungen werden die Grenzwerte der Lärmbelastung nicht eingehalten.

In neun Wohnungen einer geplanten Siedlung auf dem Geistlich-Areal würden die Lärm-Grenzwerte überschritten – Stadt macht keine Ausnahme.

Eine der zahlreichen Untergattungen der Orchideen leiht der Überbauung aus der Feder von Gmür & Geschwentner Architekten ihren Namen: Das Mehrfamilienhaus «Brassavola» soll bis 2019 mit einem weiteren Wohn- sowie einem Bürobau auf dem Geistlich-Areal in Schlieren erstellt werden. Derzeit befindet es sich noch in der Planungsphase.

Dabei stellten die Architekten jedoch ein Problem fest: Bei neun der insgesamt 202 geplanten Wohnungen werden die Grenzwerte der Lärmbelastung nicht eingehalten. Ein Ersuchen um eine Ausnahmebewilligung lehnte der Stadtrat erst kürzlich ab.

Im Gesuch ist ersichtlich, dass gemäss ursprünglicher Planung gar bei 18 Wohnungen die Lärmemissionsgrenzwerte von 65 Dezibel bei Nacht und 55 bei Tag nicht hätten eingehalten werden können. Diese Zahl konnte durch eine Anpassung des Projekts jedoch halbiert werden, nun wären lediglich Wohnungen in den oberen beiden Geschossen betroffen. Eine Überschreitung der Grenzwerte in diesen Wohnungen würde ein bis zwei Dezibel betragen, jedoch nur in der Nacht.

Lärmriegel wäre möglich

Der Schlieremer Stadtrat kann der Bauherrin Helvetia Versicherungen keine Ausnahmebewilligung ausstellen, wie es im Protokollauszug heisst. Dabei stützt er sich auf die von der Baudirektion verfassten Kriterien für solche Ausnahmen. Diese wären etwa denkbar bei einer Innenverdichtung in städtisch geprägtem Siedlungsgebiet oder bei überwiegendem öffentliche Interesse.

Wie Bauvorstand Markus Bärtschiger (SP) auf Anfrage sagt, gehe die Lärmbelastung auf die Überbauung «Brassavola» vornehmlich von den Bahngleisen aus, doch auch die Bern- und Engstringerstrasse würden einen Teil dazu beitragen. «Bereits bei der Schaffung des Gestaltungsplans war man sich dieses Problems bewusst», so Bärtschiger. Ideal sei dies beim Färbi-Areal, dem westlichen Teil des Quartiers «Am Rietpark», gelöst worden: Dort hätten die Bauherren erst das Bürogebäude am Goldschlägiplatz erstellt, um den dahinterliegenden Wohnungen einen Lärmschutz zu bieten.

Dies wäre auch bei «Brassavola» möglich: Denn das gegen die Bahngleise gelegene Baufeld, wo heute das Sportcenter Vitis steht, soll ab 2024 ebenfalls bebaut werden. Dafür habe die Stadt, so Bärtschiger, jedoch keine Garantie. Mit der Helvetia und Geistlich Immobilia entwickeln unterschiedliche Bauherren diese Gebiete. «Geistlich Immobilia aufgrund von Lärmschutzmassnahmen zu einer schnellstmöglichen Realisierung eines Projektes zu drängen, wäre schlichtweg unverhältnismässig», so Bärtschiger.

Helvetia verzichtet auf Rechtsweg

Nach dem negativen Entscheid der Exekutive bleiben der Helvetia laut Bärtschiger jedoch mehrere Möglichkeiten für ein weiteres Vorgehen. So könnte beispielsweise ein Gesuch für das Aufstellen von Lärmschutzwänden nahe der SBB-Gleise gestellt werden, was aber kaum bewilligungsfähig wäre. «Oder aber man macht aus den geplanten Wohnungen Gemeinschaftsräume beziehungsweise Büros. Schlimmstenfalls verzichtet man auf die Nutzung der Wohnungen und lässt sie vorübergehend leer stehen», sagt Bärtschiger. Am zielführendsten wäre jedoch eine bauliche Anpassung wie die Ausrichtung der Fenster und Balkone.

Bei Helvetia nimmt man den Entscheid des Stadtrates zur Kenntnis. Wie Sprecher Hansjörg Ryser auf Anfrage sagt, werde man auf den Rechtsweg verzichten und den Entscheid nicht anfechten. «Welche Lösung wir für die neun Wohnungen mit zu hohen Lärmwerten finden, ist noch offen», sagt er. Es werde derzeit eine erarbeitet, die den Anforderungen entspreche und die Lärmgrenzwerte der betroffenen Wohnungen einhalten werde. «Das Projekt wird im geplanten Umfang durch den Entscheid nicht infrage gestellt», sagt er.

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