Unterengstringen

«Ein cleverer Bau»: Neues Gemeindehaus verleiht Selbstbewusstsein

Rund 600 Besucher kamen zur Eröffnung des neuen Gemeindehauses.

Bei der Eröffnung des Gebäudes aus der Feder von Tilla Theus wurde gebührend gefeiert.

Die Einweihung des neuen Gemeindehauses in Unterengstringen stiess auf grosses Interesse: Rund 600 Besucher aus der Bevölkerung und Prominenz aus der Lokalpolitik kamen am Samstag, um den Bau zu besichtigen. Das lange Warten habe sich gelohnt, sagte der Unterengstringer Gemeindepräsident René Rey in seiner Rede. Das Gebäude lasse niemanden gleichgültig: Wegen der ovalen Fenster habe ein Kind aus seinem Umfeld gar gemeint, es sei ein «Barbapapa»-Haus. «Das neue Gemeindehaus ist kein 08/15-Bau, weil wir keine 08/15-Gemeinde sind und Tilla Theus keine 08/15-Architektin ist.»

Dieses Kompliment nahm Theus gerne an und nannte Unterengstringen in ihrer Ansprache die «Perle des Limmattals». Sie hoffe, dass der neue Bau als Perle unter den Gemeindehäusern wahrgenommen werde. Erstens erinnere die Form an die alte Gemeindescheune, womit das Historische im Modernen weiterlebt. Zweitens erinnere die Fassade mit Pflugschar und Rebmesser vom Unterengstringer Wappen ans einstige Bauern- und Weindorf, das nun eine prosperierende Gemeinde ist. Die Fassade ehre das Wappen und begrüsse den Besucher, so Theus.

«Atemberaubende Sicht»

Diese Begrüssung gefiel der Politprominenz vor Ort: «Die Fassade hat eine wahnsinnige Präsenz. Ein cleverer Bau», fand der Zürcher Stadtrat André Odermatt. Für den Schlieremer Stadtpräsidenten Toni Brühlmann komme in der Fassade das Selbstbewusstsein der Gemeinde zum Ausdruck. Der Oberengstringer Gemeindepräsident André Bender entdeckte gar mit Freude ein bisschen Oberengstringen in der Fassade. In ihr sehe man von aussen Unter- und von innen Oberengstringen, denn das Rebmesser steht, von innen betrachtet, links von der Pflugschar, wie beim Oberengstringer Wappen.

Lobende Worte wie «mutig» und «einzigartig» entlockte der Bau dem Aescher Gemeindepräsidenten Johann Jahn und dem Geroldswiler Gemeindepräsidenten Michael Deplazes. «Mir kommt das Augenwasser beim Anblick des Gemeinderatszimmers mit seiner atemberaubenden Sicht», sagte der Weininger Gemeindepräsident Hanspeter Haug.

Direkte Fernsicht hat die Unterengstringer Gemeinderätin Doris Muntwyler. Das grosse Fenster im Gemeinderatszimmer biete ihr am Abend schöne Sonnenuntergänge und verleihe den Entscheidungen in den Sitzungen zusätzliche Weitsicht. Auch Gemeinderat Simon Wirth hat sich seit dem Umzug Ende April gut eingelebt: «Das Haus lässt sich sehen und erfüllt eine repräsentative Funktion wie etwa bei der letzten Bauvorständekonferenz.»

Trotzdem war sich Gemeindeschreiber Jürg Engeli bewusst, dass noch einige Kinderkrankheiten zu bewältigen sind. Zudem seien die Umzugs- und Einrichtungsarbeiten noch nicht abgeschlossen. Dennoch konnte der Gemeinderat Marcel Balmer bei seinen Führungen durch den neuen Bau am Tag der Eröffnung einen Stimmungswechsel feststellen: Die kritischen Stimmen seien leiser geworden.

Moderne im Historischen

So sagte die Unterengstringerin Yvonne Grolimund, das neue Gemeindehaus habe viel gekostet und müsse sich nun im Alltag bewähren. Weniger zurückhaltend zeigte sich Walter Rauch-Hoffmann, der neben dem Bau wohnt: Er spricht von «den schönsten Büros, die ich je gesehen habe». Marcel und Sandra Schär waren so angetan, dass sie es schade fanden, dass es nicht noch mehr Freiraum ums neue Gemeindehaus hat. Doch gerade der Standort im alten Dorfkern gefiel dem 86-jährigen Ehrenbürger Jakob Meier.

Auch aus den Nachbardörfern kamen Interessierte. Rita Studer aus Schlieren und Christa Hofmänner aus Geroldswil gefiel der neue Bau ebenfalls. Die Oberengstringerin Ruth Beck lobte: «Es ist innen heller als erwartet. Das Moderne passt sehr gut in den historischen Ortskern.» Der Oberengstringer Kelvin Ceballos hatte bei den Fugendichtungen fürs Gemeindehaus mitgearbeitet und zeigte nicht mit wenig Stolz seinem Bruder aus Zollikon den fertigen Bau.

Tambouren und Marionetten

Um das gelungene Werk würdig zu feiern, wurden einige Programmpunkte geboten: Die Tambourengruppe der Kreismusik Limmattal spielte, während Gemeindepräsident Rey das Band feierlich durchschnitt. Später sorgte die Band «The Four Windows» für die musikalische Unterhaltung und die Festwirtschaft fürs leibliche Wohl. Um die jüngsten Besucher kümmerte sich der Elternverein mit einer vielseitigen Spielecke.

Und passend zur Feier spielte die Unterengstringer Marionettenbühne, die gegenüber vom neuen Gemeindehaus steht, das Stück «Die drü Säuli und de Wolf». In der Geschichte ziehen drei Schweinchen von zuhause aus, um selbst in der weiten Welt ein Haus zu bauen. Auch hier endet die Geschichte zum Glück gut.

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