Interview

Fettverbrennung: «Was den Leuten an meinem Prinzip gefällt: Es ist simpel»

Sindy Dörgeloh rät dazu, alle sieben Tage einen Jokertag einzulegen.

Sindy Dörgeloh rät dazu, alle sieben Tage einen Jokertag einzulegen.

In der Adventszeit wird viel geschlemmt. Zum Abnehmen ist dies sogar gut, sagt die gebürtige Uitikerin Sindy Dörgeloh.

Während der Adventszeit sind Kalorienbomben in Hülle und Fülle vorhanden. Überall werden Guetzli angeboten und an Weihnachten wartet auf viele ein nahrhafter Festschmaus. Genuss steht an oberster Stelle. Für jene, die mit überflüssigen Kilos zu kämpfen haben, lauern während dieser Zeit besonders viele Gefahren. Hilfestellung leistet hier die gebürtige Uitikerin Sindy Dörgeloh. Sie verfasste ein Buch über die Fettverbrennung. Seit zwei Jahren lebt sie nach einigen simplen Regeln, die sie alle sieben Tage über Bord wirft. Am Jokertag nämlich darf sie essen, wonach ihr beliebt. So werden auch die kalorienreichen Weihnachtsfeiern nicht zum Frust.

Haben Sie bei sich zu Hause Weihnachtsguetzli?

Sindy Dörgeloh: Sicher. Mindestens ein Mal jährlich backe ich mit meiner Mutter Guetzli. In Sachen Fettverbrennung liegt dabei der Zeitpunkt im Fokus. Je nachdem, wie strikt ich mich an die Ernährungsregeln halte, die ich in meinem Buch umrissen habe, esse ich die Guetzli erst an einem sogenannten Jokertag oder schaue, dass ich erst an einem Jokertag backe.

In Ihrem Buch «Fett verbrennen – das Rezept» zeigen Sie einen möglichen Weg zu einer schlanken Figur auf. Stark vereinfacht sagen Sie, man solle an sechs Tagen Fleisch, Gemüse und Hülsenfrüchte essen und am siebten, dem Jokertag, darf man alles zu sich nehmen, worauf man nun eine Woche lang Lust hatte.

Genau. In der Adventszeit verhindert dieses Prinzip auch, dass man ständig Guetzli essen will. Isst man an einem Jokertag nämlich gleich zehn, fünfzehn oder noch mehr Zimtsterne oder Mailänderli, wird man die nächsten Tage nicht gleich wieder Lust darauf haben.

Nimmt man das verlorene Gewicht auf diese Weise nicht gleich wieder zu?

Nein. Beim Verzicht von Lebensmitteln, die den Blutzucker- und den Insulinspiegel nach oben treiben, verliert man Fett. Man sollte also wenig sogenannt weisse Kohlehydrate – beispielsweise Reis, Mehl, Mais und Zucker –, Milch und Früchte zu sich nehmen. Ernährt man sich aber die ganze Zeit nach dieser Regel, fährt die Verdauung ihre Aktivität herunter. Das heisst, der Körper gewöhnt sich an die Ernährung und es wird schwieriger, Gewicht zu verlieren. Die Jokertage, an denen man alles essen darf, dienen dazu, die Verdauung auf Trab und somit aktiv zu halten.

Wie kamen Sie auf diesen Trick?

Das Thema Ernährung interessiert mich schon sehr lange, weshalb ich mich nicht nur in viele Methoden eingelesen, sondern auch die eine oder andere ausprobiert habe. So lebte ich eine Weile vegan und vegetarisch. In Bodybuilder- und Fitnesskreisen, wo es primär um den Muskelaufbau geht, stiess ich auf dieses Jokertag- oder Cheatday-Prinzip. Besonders aus den USA gibt es hierzu viel Literatur, in die ich mich vertiefte. Seit nunmehr zwei Jahren lebe ich danach und fühle mich gut. Ich merkte schnell, dass mein Körper gut darauf reagiert – das ist aber natürlich etwas Individuelles.

Jokertage, an denen man alles essen darf, halten die Verdauung auf Trab.

Sindy Dörgeloh Uitiker Sportlehrerin

Jokertage, an denen man alles essen darf, halten die Verdauung auf Trab.

Wie kamen Sie darauf, dieses Buch zu schreiben?

Einerseits fragten mich einige Bekannte immer wieder, worauf ich bei der Ernährung achte. Das kann man nun nachlesen. Andererseits hatte ich aber auch grosse Lust auf ein eigenes Projekt, durch das ich auch meinen Durchhaltewillen und meine Disziplin unter Beweis stellen konnte. Sich hinzusetzen und zu schreiben, bis das Buch fertig ist, erfordert sehr viel davon.

Die Disziplin ist wohl das Wichtigste. Sie schreiben in Ihrem Buch, dass wenn man ein Handlung fünfmal wiederholt hat, sie dann in einem drin ist.

Absolut. Wir sind das, was wir wiederholt tun. Fünf Wiederholungen zeigten sich als magische Anzahl.

Und wie reagierten die ersten Leserinnen und Leser auf das Werk?

Gut. Das Thema interessiert die Menschen. An meiner ersten Lesung in der Uitiker Gemeinde- und Schulbibliothek erschienen rund 50 Personen – viel mehr als ich jemals gedacht hätte. Was den Leuten an meinem Prinzip gefällt: Es ist simpel. Man muss nichts abmessen oder wägen. Zudem verzichtet man nicht konsequent auf Süsses oder Fettiges, sondern konsumiert es halt nur einmal wöchentlich. Das trauen sich die meisten zu.

Aber gerade die Weihnachtszeit muss doch auch für Sie voller Versuchungen stecken.

Es hält sich in Grenzen. An Weihnachten essen wir üblicherweise Fondue Chinoise, was gut in meinen Ernährungsplan passt. Und auch sonst lässt sich aus sämtlichen Menus, die während der Weihnachtszeit konsumiert werden, etwas Gesundes heraussuchen, von dem man dann mehr essen darf.

Der Verzehr von viel Protein, also Fleisch und Fisch, mag zwar gut für die Figur sein, aber nachteilig für die Umwelt, da durch die Produktion Treibhausgase entstehen. Was sagen Sie dazu?

Mit diesem Einwand wurde ich schon mehrfach konfrontiert und ich kann ihn nachvollziehen. Es ist sicher sinnvoll, darauf zu achten, dass man qualitativ hochwertiges Fleisch von Betrieben kauft, denen das Tierwohl wichtig ist, und die aus der Region stammen.

Weniger zu erwarten war, dass Sie vom täglichen Apfel abraten.

Das mag für einige überraschend sein. Äpfel, ja Früchte generell sind nicht per se schlecht. Sie sind unverarbeitete Lebensmittel, die Vitamine und Ballaststoffe enthalten. Der enthaltene Fruchtzucker treibt hingegen den Insulinspiegel in die Höhe, was für einen optimalen Fettabbau nicht gerade förderlich ist. Ich empfehle daher, Früchte eher an den Jokertagen zu konsumieren.

Auf die Waage sollen jene, die Gewicht verlieren wollen, aber nicht.

Genau. In meinem Programm ist vorgesehen, dass man seinen Körperumfang regelmässig ausmisst. Hierbei gilt das Mantra «You get what you measure» (Du bekommst, was du misst). Es reicht, wenn man sich den Oberschenkel-, Bauch- und Hüftumfang notiert. Das Gewicht ist ein trügerischer Messwert, nur schon weil Fettgewebe leichter als Muskelgewebe ist.

Sie plädieren dafür, sich beim Kochen auf einige wenige Menus zu beschränken, die man aber sehr gerne mag. Dies sei eine Wohltat, da man nicht täglich neu aus einer grossen Auswahl an Lebensmitteln auswählen müsse.

Das nehme ich so wahr. Es geht tatsächlich einfacher mit dem Fettverbrennen, wenn man weniger kreativ bei der Auswahl der Mahlzeiten ist. Kocht man immer neue Dinge, muss man sich stets fragen, ob diese Mahlzeit zur Ernährungsweise passt. Kennt man seine Gerichte aus dem Effeff, ist man immer auf der sicheren Seite und hat den Kopf frei für anderes.

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