Limmattal
Ein Buch über das Alter: Das Schreckgespenst jagt ihn nicht mehr

Der Schlieremer Bernhard Weber hat soeben sein fünftes Buch zum Thema «Alter» im Eigenverlag herausgegeben.

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Bernhard Weber hat in seinem Buch «Schreckgespenst Alter» Humoristisches, Interessantes und Nachdenkenswertes zusammengetragen.

Bernhard Weber hat in seinem Buch «Schreckgespenst Alter» Humoristisches, Interessantes und Nachdenkenswertes zusammengetragen.

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Bernhard Weber passt genau ins Bild. Die Haare weiss, wie es sich für einen 79-Jährigen gehört, die Augen wach, das Lächeln verschmitzt. Und voller Pläne. Derzeit stellt der Schlieremer das neue Buch vor, das er unlängst herausgegeben hat: «Schreckgespenst Alter». Klingt nach schwerer Kost. Der Untertitel führt den Leser auf den richtigen Weg: «Schenken Sie ihm ein Lächeln!»

«Das Buch ist keine moralinsaure Fibel, sondern eine Anleitung dafür, wie man dem Lebensabend mit viel Witz, Zuversicht und gutem Mut begegnen kann», so Weber. Den Anstoss zu der Idee, eine Aphorismensammlung über das Älter- und Altwerden zusammenzustellen, gaben aber zunächst ungute Gefühle: «Ich habe vor etwa 20 Jahren ein ziemliches Problem gehabt mit dem Wissen, jetzt in den letzten Lebensabschnitt einzutreten.» Um sich dem Problem zu stellen, hat er angefangen zu recherchieren, hat Texte gesucht, die ihn ansprachen. Konkret an die Arbeit ging er dann vor zwei Jahren.

Vom Maurer zum Verleger

Weber kommt ursprünglich nicht aus der Branche. Er startete sein Arbeitsleben als Sekundarlehrer. Nach zehn Jahren erkannte er, dass das nicht der Beruf ist, mit dem er glücklich werden würde. Er wollte als Entwicklungshelfer nach Afrika. Dazu ging er zunächst zum Französisch-Lernen nach Paris und dann ins westafrikanische Benin. Dort realisierte er aber, dass er seine Entscheidung zu spät gefällt hatte. «Ich traf dort viele einheimische Maturanden, die auf Arbeitssuche waren, auch im schulischen Bereich», so Weber.

Zurück in der Schweiz versuchte er sich als Journalist, arbeitete frei für die «Neue Zürcher Zeitung» und den «Tagesanzeiger». Um sein Leben finanzieren zu können, suchte er sich zusätzlich andere Jobs. Mal arbeitete er auf dem Bau, mal beim Statistikamt, mal fand er im Lager einer Buchhandlung Anstellung oder verdiente sein Geld beim Beizen von Möbeln. «Immer wenn mir das Geld ausgegangen ist, bin ich auf Jobsuche gegangen.» Das Schreiben hat er dabei nie ganz aus dem Blick verloren.

Nun hat er mit dem «Schreckgespenst» bereits sein fünftes Buch verlegt. Nachdem Weber eine stattliche Sammlung von Sprüchen und Texten von Philosophen, Humoristen, Lebenskünstlern, Wissenschaftlern, bekannten und unbekannten Autoren zusammengetragen hatte, packte ihn aber zunächst die Verunsicherung. «Interessiert das überhaupt jemanden?», fragte er sich.

Kurzerhand schickte er das Manuskript an Freunde, die Redaktion der Senectute-«Zeitlupe» und an den Soziologen und Altersforscher Francois Höpflinger. Die Rückmeldungen waren durchweg positiv. Höpflingers Frau antwortete mit einer Mail: «Wir lesen uns gerade gegenseitig aus Ihrem Buch vor und amüsieren uns köstlich. Wir wünschen uns sehr, dass es veröffentlicht wird.»

Historischer Beizenführer

Unter die Herausgeber ist Weber schon im Jahr 2000 gegangen. Sein Erstling «Beginn den Tag mit Poesie!», eine Sammlung von Lyrikwerken Schweizer Autoren, fand zwar gleich bei vier Verlagen Anklang, «aber immer sprach etwas gegen die Drucklegung, vor allem das fehlende Geld», so Weber. Irgendwann wurde es ihm zu bunt und er beschloss, das Buch im Eigenverlag herauszugeben. Sein Intarsien-Verlag liess 500 Bände drucken, und es gelang, die gesamte Auflage zu verkaufen. «Ich habe sogar noch etwas verdient», meint Weber stolz.

Die «Regenwetter-Poesie» (2001) lief nicht ganz so gut. Aber mit dem umfangreichen «Abenteuer Beiz. Aus der Geschichte des Zürcher Gastgewerbes» (2002) fand Weber wieder guten Anklang. Als «grosser Beizengänger» hatte er die Idee, alle Beizen in Zürich aufzusuchen und über sie zu schreiben. Über 1400 waren es Anfang des Jahrtausends.

In Sachen Druck ging er bei seinem aktuellen Buch neue Wege. «Book on Demand», eine Druckerei im deutschen Norderstedt, bot ihm sehr günstige Konditionen. Sie druckt auf Bestellung, das heisst, Weber musste nicht eine feste Auflage vorfinanzieren. Nach der Bestellung ist das Buch innerhalb von vier Tagen beim Kunden. Durch den Sitz in Deutschland entfällt auch der teure Versand von der Schweiz ins Ausland. Allerdings kann man auch bei Weber direkt bestellen.

Weber ist ein disziplinierter Arbeiter. Nach der morgendlichen Lektüre der Tageszeitung geht es an den Schreibtisch. Aber die wenigsten Ideen entstünden am Schreibtisch. «Ich habe immer eine Anzahl Notizzettel, Bleistift und Radiergummi dabei und notiere meine Gedanken, wo immer ich bin, im Bus, in der Beiz, morgens im Bett.» Für sein nächstes Buch hat er sich wirklich schwere Kost ausgewählt. Es soll vom Krieg handeln.

Gute Gefühle in Schlieren

Der in Wil AG geborene Weber ist durch seine Frau, mit der er seit über 30 Jahren verheiratet ist, nach Schlieren gekommen. «Ich wohne gerne hier. Nicht nur, dass die Stadt gut an den öV angeschlossen ist. Immer wenn ich durch Schlieren laufe, habe ich gute Gefühle», sagt Weber. Am späteren Nachmittag zieht es ihn fast täglich nach Zürich, um in einer seiner Lieblingsbeizen am Hauptbahnhof seinen «Beobachtungsposten» zu beziehen. «Ich kann dort sehr gut sinnieren.» Unter anderem auch darüber, wie sich seine Einstellung zum Altwerden geändert hat: «Mein Leben ist wie früher, es gibt nur andere Schwerpunkte. Meine Lebensqualität ist aber nicht gesunken, seit ich pensioniert bin.»

Man merkt, dass es ihm am Herzen liegt, diese entspannte Haltung auch an die Leser weiterzugeben. «Der Zweck des Buches ist erfüllt, wenn man es mit einem Lächeln weglegt», meint er.

Bernhard Weber (Herausgeber): «Schreckgespenst Alter. Schenken Sie ihm ein Lächeln!» Weises und Witziges zum Thema Altwerden, 2016, Book on Demand, Norderstedt. Das Buch kann man für 22 Franken im Buchhandel oder auch bei Bernhard Weber direkt bestellen unter info@intarsienverlag.ch.

Bernhard Weber (Herausgeber): «Schreckgespenst Alter. Schenken Sie ihm ein Lächeln!» Weises und Witziges zum Thema Altwerden, 2016, Book on Demand, Norderstedt. Das Buch kann man für 22 Franken im Buchhandel oder auch bei Bernhard Weber direkt bestellen unter info@intarsienverlag.ch.

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