Monica Hollenweger sitzt mit dem Bleistift in der Hand an einem Tisch und zeichnet. Ihr Blick wechselt ständig hin und her, vom Bildschirm, auf dem die Vorlage zu sehen ist, zum Papier, das sich Sekunde um Sekunde mit unzähligen Bleistiftstrichen füllt. Ab und zu spitzt sie mit einem routinierten Handgriff den Stift, ab und zu fokussiert sie auf dem Laptop einen anderen Bildausschnitt. Aus den vielen Bleistiftstrichen entsteht nach und nach eine Tanne. Es scheint, als ob Hollenweger jede Nadel einzeln zeichnet, und das in einem rasanten Tempo.

Monica Hollenweger sagt, weshalb sie Kantonshauptstädte malt.

Monica Hollenweger sagt, weshalb sie Kantonshauptstädte malt.

«Früher habe ich zwischen Tür und Angel gezeichnet», sagt die 54-jährige Künstlerin aus Unterengstringen. Sie habe nie gedacht, dass sie einmal ein eigenes Atelier eröffnen wird. Heute ist es aber soweit: Hollenweger öffnet im Neubau an der Oberen Hönggerstrasse 7 die weisse Kellertüre und zeigt ihren faszinierenden Fundus an detailreichen Bleistiftzeichnungen, der sich dahinter versteckt. Der in vier Räume geteilte Keller bietet endlich Platz, um ihre Bilder aufzuhängen oder sie im Lager zu verstauen.

Ein Haus mit drei Arten Ziegel

In einem der vier Räume ist von jedem Kantonshauptort je ein Bild aufgehängt, das einen Ausschnitt der Altstadt zeigt. «Ich habe auch schon im nahen Ausland gezeichnet und wollte nun endlich auch die Schweiz besser kennenlernen», sagt die Bleistiftkünstlerin. So besuchte sie jeden Hauptort und schoss in den Altstädten zahlreiche Fotos. Auf die Altstädte hat sie sich konzentriert, weil sie sich nicht für moderne Häuser erwärmen kann.

Monica Hollenweger spricht über ihre Werke, ihren Antrieb und ihr Atelier.

Monica Hollenweger spricht über ihre Werke, ihren Antrieb und ihr Atelier.

Beim Zeichnen ist es Hollenweger wichtig, dass die Details originalgetreu ins Bild übergehen. «Obwohl ich Retuschen vornehmen könnte, halte ich mich strikt an das Original», sagt sie. Sie habe schon ein Haus abgezeichnet, das drei verschiedene Arten Ziegel auf dem Dach hatte. Genau diese Detailtreue sei es, die ein Sujet einzigartig erscheinen lässt. «Oft merke ich erst während dem Zeichnen, wie viele Kleinigkeiten überhaupt zu sehen sind», sagt die Unterengstringerin. Beim Bundeshaus beispielsweise sei ihr nicht bewusst gewesen, dass unter der Kuppel alle Kantonswappen in Stein gemeisselt sind. Die Details würden erst dann auffallen, wenn man sie kopiert.

Neben der Detailtreue ist der Künstlerin auch die Stimmung im Bild wichtig. «Wenn ich vor Ort zeichne, gehe ich erst am Nachmittag dorthin, wenn die Sonne den Charakter des Originals nicht jede Minute ändert», sagt sie. Vor Ort zeichne sie aber eher selten. Meist verwendet sie selbst geschossene Fotos als Vorlage.

Ob der Genauigkeit verblüfft

Im vergangenen November stellte Hollenweger auf Anraten von Freunden ihre Bleistiftzeichnungen im Schulhaus Büel aus. «Das Interesse der Bevölkerung übertraf meine Erwartungen bei Weitem», sagt die 54-Jährige. Künstler aus der Region, die vorbeigeschaut haben, seien verblüfft gewesen ob der Genauigkeit der Bilder. Im Nachgang habe sie einige Anfragen erhalten, bestimmte Gebäude abzuzeichnen. Obwohl es nie ihre Absicht war, Auftragsbilder zu zeichnen, nimmt sie diese Anfragen gerne an: «Es ist der grösste Lohn, wenn jemand viel Freude an meinem Bild hat», sagt sie.

Im Atelier verbringt die Künstlerin täglich einige Stunden. «Das Atelier ist für mich zu einem ruhigen Arbeitsort geworden», sagt Hollenweger. In Zukunft plant sie, auch grössere Bilder zu zeichnen. Dafür sucht sie allerdings noch nach geeignetem Papier.