Doch auch bei seiner neusten Idee, dem «besonderen Sonntagsfilm», ist das Resultat ernüchternd: ein leerer Kinosaal, rote Zahlen und ein ratloses Besitzerpaar. Nun sieht es so aus, als ob die Filmreihe gestorben ist, bevor sie erst richtig begann: «Wenn die Besucherzahlen nicht noch massiv ansteigen, müssen wir das Angebot Anfang Juni leider einstellen», sagt Romer.

«Leider scheint Dietikon definitiv kein kulturelles Einzugsgebiet zu sein», schreibt Romer in einer Mitteilung. Und dies, obwohl es durchaus immer wieder Besucherinnen und Besucher gebe, die Interesse an einem Programm jenseits des Mainstreams bekunden. Bemühen sich die Romers um ein solches, bleiben die Sitze aber trotzdem leer. Mit der neuesten Veranstaltungsreihe versucht das Besitzerpaar seit Anfang Februar, Cineasten mit Retrofilmen und aktuellen Arthousestreifen hinter dem Ofen hervorzulocken. Doch bis jetzt sind im Schnitt nur gerade sechs Besucher pro Film gekommen. «Damit können wir die Kosten natürlich nicht decken», so Romer.

Sonderfilme sind teuer

Eine Goldgrube ist das Kleinkinogeschäft ohnehin nicht, und Romer gehe es bei solchen Reihen auch nicht wirklich ums Geld, sagt er. Vielmehr liege es ihm und seiner Frau, zwei ausgewiesenen Filmfreaks, am Herzen, etwas Abwechslung ins kulturelle Angebot von Dietikon zu bringen. «Es macht mir auch nichts aus, etwas draufzulegen», sagt Romer, mit den Einnahmen der Blockbuster – die im Capitol in der Regel gut laufen – ist die Herzensangelegenheit bis zu einem gewissen Punkt durchaus quersubventionierbar. «Doch für jeden Film 500 Franken hinzublättern, das liegt einfach nicht drin.»

Denn was viele nicht wissen: Für eine einmalige Vorstellung eines etwas spezielleren Films muss ein Kinobesitzer eine anständige Stange Geld in die Hand nehmen. «Die Filmverleiher können die Konditionen diktieren, da sie in ihrem Marktsegment Monopolstellung geniessen», so Romer. Auch bei der aktuellen Reihe sei das Paar deswegen an seine Grenzen gestossen; einige der Filme, die es im sonntäglichen Vorabendprogramm gerne gezeigt hätte, waren schlicht zu teuer. «Doch wir haben aus der Not eine Tugend gemacht und im Bereich des Möglichen ein gutes Programm zusammengestellt.»

Stadtpräsident Otto Müller, der auch der städtischen Kulturkommission vorsteht, versteht Romers Frustration. «Natürlich muss ein privater Veranstalter finanziell mindestens aus dem Schneider kommen.» Trotzdem ist er überzeugt, dass sich die kleinkulturelle Szene in Dietikon weiterhin mit Besonderheiten hervortun muss. «Wir begrüssen die Bestrebungen von Kulturveranstaltern, gezielt Nischen zu besetzen – etwas anzubieten, das nicht nur die grosse Masse anspricht», sagt er. Auch wenn sie damit das Risiko eingehen, sich vor leeren Rängen wiederzufinden.

«Nachfrage ist durchaus vorhanden»

Die Stadt selbst ist nicht untätig: Mit dem «Treffpunkt Kino» fördert sie bereits seit rund 20 Jahren die cineastische Nischenkultur. In diesem Rahmen werden jährlich zehn Filme im Capitol gezeigt, das jährliche Defizit von durchschnittlich rund 3000 Franken übernimmt die Stadt auf Abrechnung. Müller ist überzeugt, dass auch in Dietikon durchaus eine Nachfrage nach speziellen Kulturanlässen vorhanden ist, nur sei schwierig vorauszusehen, welche beim Publikum ziehen und welche nicht. Initianten von kulturellen Anlässen jenseits des Mainstreams hält er an, den Mut nicht zu verlieren. «Da kann man nur ausprobieren, bis man etwas gefunden hat, das funktioniert.»

Was funktioniert, darüber zerbricht sich Martin Romer täglich den Kopf. Denn der Gedanke, ein potenzielles kulturell interessiertes Publikum an die Arthouse-Kinos im nahen Zürich zu verlieren, schmerzt ihn. «Mir liegt viel daran, solche Reihen im Angebot zu behalten», sagt er. «Wir machen das ja nicht für uns, sondern für die Kundschaft.» Jetzt muss diese nur noch kommen.