Oetwil
Ein besonderer Schatz fürs Gemeindearchiv: Zwei Pergamente kehren heim

Die Gemeinde hat vom Staatsarchiv historische Urkunden zur Aufbewahrung in ihrem Archiv erhalten.

Sandro Zimmerli
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Die Pergamente sind neu im Gemeindearchiv in Oetwil zu finden

Die Pergamente sind neu im Gemeindearchiv in Oetwil zu finden

Zur Verfügung gestellt
Schuldverschreibung (1666) Der Leibfall war in früheren Zeiten eine Art Erbschaftssteuer. Er war eine beim Tod eines Hörigen – eines Bauern, der sich in Abhängigkeit zu einem Grundherren befand – fällige Abgabe in Form von Naturalien oder Geld. Vom Leibfall konnte man sich aber auch loskaufen. Genau das taten die Oetwiler. Denn dort lebten damals Personen, die als Leibeigene in einem Abhängigkeitsverhältnis zum eidgenössischen Landvogt in der Grafschaft Baden standen. Beim vorliegenden Dokument handelt es sich um eine Schuldverschreibung von Oetwil von 100 Gulden gegenüber den acht regierenden eidgenössischen Orten der Grafschaft Baden im Zusammenhang mit dem Loskauf des Leibfalles. «Wir hienachbenandte Melcher Schmidt und Heinrich Lang, beide von Öttweyl, alss Abgeordnete von wegen einer Gemeindt daselbsten, bekhennen unnd thuend kundt für unss und innamen einer Gemeindt, auch all deroselben Erben und Nachkommen», heisst es dort, «dass wir den hochgeachten, woledlen, gestrengen, ehren-nottvesten, fürsichtigen und weisen, unnsern genedigen Herren und Oberen der acht alten der Grafschafft Baden loblicher regierdender Ortten etc. umb Ausskauff des Leibfahls schuldig worden sindt benandtlichen: einhundert Gulden Haubtguet.» Im Brief ist auch die Verzinsung dieser Summe geregelt, denn die Oetwiler geloben «unseren genedigen Herren zue Handen eines jeweiligen Landtvogts (...) eines jeden Jahrs, je und alwegen uf St. Johann des Tauffers Tag im Summer mit fünff gulden zueverzinssen». Die erste Rate war «uff gemeltes Termin des thaussendtsechshundtertsibenunndsechszigisten Jahrs zu erlegen». (zim)

Schuldverschreibung (1666) Der Leibfall war in früheren Zeiten eine Art Erbschaftssteuer. Er war eine beim Tod eines Hörigen – eines Bauern, der sich in Abhängigkeit zu einem Grundherren befand – fällige Abgabe in Form von Naturalien oder Geld. Vom Leibfall konnte man sich aber auch loskaufen. Genau das taten die Oetwiler. Denn dort lebten damals Personen, die als Leibeigene in einem Abhängigkeitsverhältnis zum eidgenössischen Landvogt in der Grafschaft Baden standen. Beim vorliegenden Dokument handelt es sich um eine Schuldverschreibung von Oetwil von 100 Gulden gegenüber den acht regierenden eidgenössischen Orten der Grafschaft Baden im Zusammenhang mit dem Loskauf des Leibfalles. «Wir hienachbenandte Melcher Schmidt und Heinrich Lang, beide von Öttweyl, alss Abgeordnete von wegen einer Gemeindt daselbsten, bekhennen unnd thuend kundt für unss und innamen einer Gemeindt, auch all deroselben Erben und Nachkommen», heisst es dort, «dass wir den hochgeachten, woledlen, gestrengen, ehren-nottvesten, fürsichtigen und weisen, unnsern genedigen Herren und Oberen der acht alten der Grafschafft Baden loblicher regierdender Ortten etc. umb Ausskauff des Leibfahls schuldig worden sindt benandtlichen: einhundert Gulden Haubtguet.» Im Brief ist auch die Verzinsung dieser Summe geregelt, denn die Oetwiler geloben «unseren genedigen Herren zue Handen eines jeweiligen Landtvogts (...) eines jeden Jahrs, je und alwegen uf St. Johann des Tauffers Tag im Summer mit fünff gulden zueverzinssen». Die erste Rate war «uff gemeltes Termin des thaussendtsechshundtertsibenunndsechszigisten Jahrs zu erlegen». (zim)

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Es ist ein besonderer Schatz, der neuerdings im Oetwiler Gemeindearchiv lagert – ein Erblehenbrief von 1588 und eine Schuldverschreibung von 1666. Die beiden Urkunden auf Pergament wurden der Gemeinde Anfang Jahr vom Staatsarchiv des Kantons Zürich übergeben. Das Spezielle daran: Es sind die beiden ältesten Dokumente, die im Gemeindearchiv aufbewahrt werden.

Die Pergamente sind neu im Gemeindearchiv in Oetwil zu finden

Die Pergamente sind neu im Gemeindearchiv in Oetwil zu finden

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Bis anhin lagerten die beiden Urkunden in einem Depot im Staatsarchiv. Auch andere Gemeinden liessen solche Dokumente dort aufbewahren. «Diese Depots stammen noch aus einer Zeit, als die Gemeindearchive noch keine optimalen Lagerbedingungen aufwiesen, etwa weil sie zu feucht waren», sagt Staatsarchivar Beat Gnädinger.

Das Staatsarchiv ist für die Aufbewahrung von Akten der kantonalen öffentlichen Organe, wie etwa des Kantonsrats oder der Regierung, verantwortlich. Die Gemeinden sind gemäss Zürcher Archivgesetz angehalten, ihre Akten in einem eigenen Archiv aufzubewahren.

«Die Seele einer Gemeinde»

«Es gehört also zu den Pflichten der Gemeinden, ein eigenes Archiv zu führen», so Gnädinger. Zudem sei ein solches auch ein wenig die Seele einer Gemeinde. Das Staatsarchiv habe deshalb begonnen, die Depots sukzessive aufzuheben und die Dokumente den Gemeinden zurückzugeben. Die Arbeiten sollen noch dieses Jahr abgeschlossen werden.

Auf Unterstützung des Staatsarchives können die Gemeinden aber weiterhin zählen. «Wir beraten die Gemeinden bei der Führung ihrer Archive», so Gnädinger. Zudem habe das Staatsarchiv Sicherheitsverfilmungen der Gemeindedokumente aus der Zeit vor 1798 gemacht. «Damit ist gewährleistet, dass die Unterlagen im Falle eines Brandes oder eines anderen Unglücks zumindest auf einem 35-mm-Film immer noch lesbar sind», sagt Gnädinger.

Schuldverschreibung (1666) Der Leibfall war in früheren Zeiten eine Art Erbschaftssteuer. Er war eine beim Tod eines Hörigen – eines Bauern, der sich in Abhängigkeit zu einem Grundherren befand – fällige Abgabe in Form von Naturalien oder Geld. Vom Leibfall konnte man sich aber auch loskaufen. Genau das taten die Oetwiler. Denn dort lebten damals Personen, die als Leibeigene in einem Abhängigkeitsverhältnis zum eidgenössischen Landvogt in der Grafschaft Baden standen. Beim vorliegenden Dokument handelt es sich um eine Schuldverschreibung von Oetwil von 100 Gulden gegenüber den acht regierenden eidgenössischen Orten der Grafschaft Baden im Zusammenhang mit dem Loskauf des Leibfalles. «Wir hienachbenandte Melcher Schmidt und Heinrich Lang, beide von Öttweyl, alss Abgeordnete von wegen einer Gemeindt daselbsten, bekhennen unnd thuend kundt für unss und innamen einer Gemeindt, auch all deroselben Erben und Nachkommen», heisst es dort, «dass wir den hochgeachten, woledlen, gestrengen, ehren-nottvesten, fürsichtigen und weisen, unnsern genedigen Herren und Oberen der acht alten der Grafschafft Baden loblicher regierdender Ortten etc. umb Ausskauff des Leibfahls schuldig worden sindt benandtlichen: einhundert Gulden Haubtguet.» Im Brief ist auch die Verzinsung dieser Summe geregelt, denn die Oetwiler geloben «unseren genedigen Herren zue Handen eines jeweiligen Landtvogts (...) eines jeden Jahrs, je und alwegen uf St. Johann des Tauffers Tag im Summer mit fünff gulden zueverzinssen». Die erste Rate war «uff gemeltes Termin des thaussendtsechshundtertsibenunndsechszigisten Jahrs zu erlegen». (zim)

Schuldverschreibung (1666) Der Leibfall war in früheren Zeiten eine Art Erbschaftssteuer. Er war eine beim Tod eines Hörigen – eines Bauern, der sich in Abhängigkeit zu einem Grundherren befand – fällige Abgabe in Form von Naturalien oder Geld. Vom Leibfall konnte man sich aber auch loskaufen. Genau das taten die Oetwiler. Denn dort lebten damals Personen, die als Leibeigene in einem Abhängigkeitsverhältnis zum eidgenössischen Landvogt in der Grafschaft Baden standen. Beim vorliegenden Dokument handelt es sich um eine Schuldverschreibung von Oetwil von 100 Gulden gegenüber den acht regierenden eidgenössischen Orten der Grafschaft Baden im Zusammenhang mit dem Loskauf des Leibfalles. «Wir hienachbenandte Melcher Schmidt und Heinrich Lang, beide von Öttweyl, alss Abgeordnete von wegen einer Gemeindt daselbsten, bekhennen unnd thuend kundt für unss und innamen einer Gemeindt, auch all deroselben Erben und Nachkommen», heisst es dort, «dass wir den hochgeachten, woledlen, gestrengen, ehren-nottvesten, fürsichtigen und weisen, unnsern genedigen Herren und Oberen der acht alten der Grafschafft Baden loblicher regierdender Ortten etc. umb Ausskauff des Leibfahls schuldig worden sindt benandtlichen: einhundert Gulden Haubtguet.» Im Brief ist auch die Verzinsung dieser Summe geregelt, denn die Oetwiler geloben «unseren genedigen Herren zue Handen eines jeweiligen Landtvogts (...) eines jeden Jahrs, je und alwegen uf St. Johann des Tauffers Tag im Summer mit fünff gulden zueverzinssen». Die erste Rate war «uff gemeltes Termin des thaussendtsechshundtertsibenunndsechszigisten Jahrs zu erlegen». (zim)

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In Oetwil freut man sich über die beiden Urkunden. «Es war ein besonderes Gefühl, solch alte Dokumente in den Händen zu halten», sagt Gemeindeschreiber Pierluigi Chiodini. Bevor es aber so weit war, dass die Pergamente ihren Weg zurück nach Oetwil fanden, habe das Staatsarchiv das gemeindeeigene Archiv einer umfassenden Überprüfung unterzogen. «Unter anderem wurde untersucht, ob die klimatischen Bedingungen in unserem Archiv die Aufbewahrung der beiden Dokumente überhaupt zulassen», so Chiodini.

Vorderhand bleiben die Urkunden im Archiv. Es sei derzeit nicht geplant, die beiden Pergamente permanent öffentlich auszustellen, da viel Aufwand betrieben werden müsste, um dies möglich zu machen, sagt Chiodini. Zudem würden solch alte Dokumente sehr schnell Schaden nehmen «Es ist aber durchaus möglich, dass sie irgendwann im Rahmen einer Ausstellung gezeigt werden», hält er fest.

Erstmals urkundlich erwähnt wurde Oetwil in einem Zinsrodel des Klosters St. Gallen aus der Mitte des 9. Jahrhunderts. Dort ist von «Otenwilare» die Rede. Das undatierte Dokument ist im Besitz des Stiftsarchiv St. Gallen. Im Zinsrodel sind Leute aufgeführt, die dem Kloster verschiedene Zinsleistungen erbringen mussten.