Urdorf
«Ein Atelier wie dieses darf einfach nicht sterben»: Künstlerinnen leben den gläsernen Traum weiter

Anfang letzten Jahres retteten zwei Künstlerinnen das Atelier Glas-Dreams in Urdorf. In Zukunft wollen sie mehr Kurse für Interessierte anbieten.

Liana Soliman
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Eindrücke aus dem Atelier Glas-Dreams in Urdorf
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So arbeitete der frühere Besitzer Ernst "Aschi" Mosimann in seiner Kunstwerkstatt, wo er auch ein internationales Glasperlen-Meeting organisiert hat.
Mit dieser Düse können in der Manufaktur Glasperlen geschmolzen werden.
Mit diesem Ofen wird das Glas gebrannt.
Das aus natürlichen Mineralien gefärbte Glas wird als Rohmaterial für die Kunstwerke genutzt.
Solche Glaskunstwerke entwirft Steiner in ihrem Raum der kreativen Freiheit.
Dieses Herz aus Glas ziert auch das Logo des von Barbara Steiner und Andrea Teufer geführten Ateliers.

Eindrücke aus dem Atelier Glas-Dreams in Urdorf

zvg

Das Atelier existiert bereits seit etwa 20 Jahren. Als der Gründer und ehemalige Besitzer Ernst Mosimann in den Ruhestand ging und deshalb seinen Schaffensort verkaufen wollte, machten die beiden Künstlerinnen Barbara Steiner und Andrea Teufer dort einen Abschiedsbesuch.
«Zu dem Zeitpunkt ging es gar nicht darum, das Atelier zu kaufen. Wir wollten einfach ein letztes Mal vorbeigehen», sagt Steiner. Beide seien dann mit einem Grinsen aus der Kunstwerkstatt rausgekommen. «Ich habe Andrea erst gesagt: ‹Wir kaufen es nicht›», sagt Steiner. Noch in derselben Woche entschieden sie sich, die Glasmanufaktur doch zu übernehmen. «Ein Atelier wie dieses darf einfach nicht sterben», so Steiner weiter.

Die Glasmacherin erklärt, dass man ungefähr eine Million Franken brauche, um eine Manufaktur mit Eventbereich in dieser Grössenordnung aufzubauen. Der Beruf des Glasmachers sei ohnehin vom Aussterben bedroht. Sie glaubt sogar, dass die Menschen denken, der Beruf sei schon ausgestorben. Mit Teufer habe sie das Atelier vor dem Aus bewahrt. «Wir haben es vorerst gerettet, aber wie lange es überleben wird, ist eine andere Geschichte», sagt Steiner.

Es ist heller geworden

Bisher habe das zweiköpfige Team keine Schwierigkeiten gehabt. Im Gegenteil: Es hat sich einiges verändert. Die beiden kunstaffinen Frauen haben nämlich die Räume anders eingerichtet und die Menge an Mobiliar reduziert. Nun sei das Atelier deutlich heller. «Transparenz, Licht und Luft sind wichtig im Zusammenhang mit Glas», sagt Steiner. Das sei auch der Grund, weshalb sie nur noch Glas herstellten, das mit natürlichen Mineralien gefärbt sei. Heute würden viele synthetisch gefärbte Gläser herstellen: «Sie gehen viel weniger in die Seele, wenn man die Farben betrachtet», sagt Steiner.

Den beiden Besitzerinnen des Ateliers ist es wichtig, dass es sich bei der Glasmanufaktur nicht um ein reines Verkaufsgeschäft handelt: «Es soll ein kreatives Begegnungszentrum sein. Wir wollen, dass viel mehr Leute vorbeikommen und sich hier entfalten können», so Steiner. Zurzeit bilde sie zwei Erwachsene zum Glasmacher aus.

Sie wollen in Zukunft mehr Kurse anbieten. Im Moment ginge das nur auf Anfrage. In der kommenden Weihnachtssaison wolle sie Workshops anbieten, in denen man Eiskristalle, Engel und Sterne herstellen und verzieren lernt. «Es gibt auch noch andere Kurse: Zum Beispiel das Glasblasen, Glasfusing, Glasperlendrehen und Sandstrahlkurse», sagt Steiner. In der Sommerzeit sei weniger los, weil die Leute meist raus gingen. «Wir sind eher für die Winterkollektion zuständig.» Für das erweiterte Kursangebot wollen beide ein Team aufbauen: Interessierten würde es dann ermöglicht werden, alles rund, um das Glas zu lernen.

«Glas ist eines der wenigen Dinge, auf die niemand allergisch ist. Es ist für alle Menschen.»

- Barbara Steiner, Glasmacherin

Was Steiner am meisten fasziniert, ist die Tatsache, dass niemand glaslos lebe. «Wir sind umgeben von Glas. Es ist eines der wenigen Dinge, auf die niemand allergisch ist. Glas ist für alle Menschen», sagt Steiner.

Grabmale aus Stein und Glas

«Wir versuchen, unsere Firma voranzubringen. Wir machen auch Reparaturen von Gegenständen aus Glas, wie zum Beispiel Lampen oder Vasen», so Steiner. Teufer stimmt zu: «Wir möchten mehr auf die Wünsche unserer Kunden eingehen.» Beide beabsichtigen, mehr mit Innenarchitekten und Steinbildhauern zu arbeiten. Dann könne man unterschiedliche Materialien mit Glas kombinieren, wie Grabmale aus Stein und Glas.

Das Atelier bedeutet den beiden Frauen viel. Teufer geniesst die künstlerische Freiheit: «Es ist für mich ein Raum, in dem meine kreative Seite aufgehen kann. Hier kann man experimentieren und lernen. Es ist ein Ort der Freude, der guttut.»