Dietikon
Ein Anteil von 15 Prozent ist «wenig realistisch»

Jede vierte Wohnung in der Stadt Zürich wird gemeinnützig vermietet. Bis 2050 wird der Anteil auf ein Drittel erhöht. In Dietikon lobt der Stadtrat zwar die Vorzüge des gemeinnützigen Wohnungsbaus. Der Anteil zu erhöhen, ist ihm aber zu umständlich.

Sophie Rüesch
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Gemeinnützige Wohnungen im Limmattal (Symbolbild).

Gemeinnützige Wohnungen im Limmattal (Symbolbild).

Keystone

Der Stadtrat lobt zwar die Vorzüge des gemeinnützigen Wohnungsbaus – dessen Anteil aktiv zu erhöhen, ist ihm aber zu umständlich.

Jede vierte Wohnung in der Stadt Zürich wird gemeinnützig vermietet. 2011 entschied das Stadtzürcher Stimmvolk gar mit grosser Mehrheit, dass dieser Anteil bis 2050 auf ein Drittel erhöht werden soll.

Ganz so viel wagt sich SP-Gemeinderat Sven Koller für Dietikon zwar nicht zu erträumen. Doch 15 Prozent, das sollte doch möglich sein, dachte er sich und gelangte mit einem Postulat an den Stadtrat, der die Machbarkeit einer solchen Quote prüfen solle.

600 genossenschaftliche Wohnungen

5,1 Prozent beträgt der Anteil genossenschaftlicher Wohnungen in Dietikon. Insgesamt gibt es zurzeit rund 600 solcher Wohnungen. 382 weitere sind in den Quartieren Schachenmatt, Limmatfeld und Guggenbühl geplant oder im Bau, womit sich deren Anteil laut Stadtrat auf 8 bis 9 Prozent erhöhen wird. Im Kanton beträgt der Anteil gemeinnütziger Wohnungen 13 Prozent, Spitzenreiter ist die Stadt Zürich mit rund 25 Prozent.

Mit nur rund 5 Prozent genossenschaftlicher Wohnungen hat Dietikon nämlich noch grossen Nachholbedarf, findet Koller – nicht nur im Vergleich zur Stadt Zürich, sondern auch zum kantonalen Durchschnitt, der 13 Prozent beträgt.

Die Kantonshauptstadt sei für Dietikon aber ohnehin keine angemessene Vergleichsgrösse, erwidert der Stadtrat in seiner Antwort: «In der Stadt Zürich hat der genossenschaftliche Wohnungsbau eine längere Tradition als in den Agglomerations- oder Landgemeinden, weshalb der Anteil genossenschaftlicher Wohnungen dort deutlich höher liegt als im kantonalen Mittel.»

Zwar lobt auch die Dietiker Exekutive die Vorzüge genossenschaftlicher Wohnungen: Sie würden sich positiv auf die Durchmischung der Bevölkerung und den sozialen Zusammenhalt auswirken. Trotzdem erachtet sie eine Erhöhung des Anteils auf 15 Prozent als «wenig realistisch». Denn im grösstenteils bereits bebauten Gebiet habe man «nur beschränkte Einflussmöglichkeiten».

Stadt will Abstimmung abwarten

So erachtet die Stadt von den drei Massnahmen, die Koller zum Erreichen der 15-Prozent-Latte vorschlägt, denn auch nur eine als prüfenswert, und auch diese nur unter Vorbehalt.

Dabei handelt es sich um die Gründung eines städtischen Bodenfonds, bei dem gemeinnützige Wohnbauträger beim Kauf von Land und Liegenschaften mittels zinsgünstigen Darlehen oder Beiträgen aus einem noch zu schaffenden Fonds unterstützt werden sollen.

Ob ein solcher für Dietikon infrage kommt, will der Stadtrat aber nur dann prüfen, falls die Volksinitiative «Bezahlbar Wohnen im Kanton Zürich» oder deren Gegenvorschlag angenommen wird. Darüber entscheidet das Zürcher Stimmvolk am 28.September.

Die weiteren Vorschläge – ein Vorverkaufsrecht für Gemeinden und Gemeinnützige oder die Ausscheidung für Zonen oder Mindestanteilen für den gemeinnützigen Wohnungsbau – erachtet die Stadt nicht als praktikabel. Ersteres komme schon nur deshalb nicht infrage, weil die Stadt zurzeit gar kein Land habe, das zum Verkauf stehe.

So entkräftet der Stadtrat auch Kollers Bedenken, dass Dietikon solches einfach «dem Meistbietenden» verkaufe. Zudem will die Stadt «die bewährte Praxis weiterverfolgen», Genossenschaften Land im Baurecht abzugeben. Dies habe sich bereits in den Quartieren Schachenmatt, Limmatfeld und Guggenbühl bewährt.

Die entstehenden und geplanten Genossenschaftswohnungen in diesen Gebieten werden laut Stadtrat zu einer Erhöhung des Anteils von aktuell 5,1 auf «8 bis 9 Prozent» führen. Auch im Entwicklungsgebiet Niderfeld, wo die Stadt Land besitzt, soll an dieser Praxis festgehalten werden.

Nötige Kontrollen zu umständlich

Im Niderfeld Zonen für den gemeinnützigen Wohnungsbau auszuscheiden, erlaubt das kantonale Bau- und Planungsgesetz hingegen gar nicht, so der Stadtrat.

Auch eine Festsetzung von Mindestanteilen, die im Rahmen des Gestaltungsplanverfahrens möglich wäre, schliesst er aus: Solche «dürften technisch und organisatorisch schwierig umsetzbar» sein. Zudem müsste die Stadt dann auch «dauerhaft» kontrollieren, dass die Wohnungen den Vorgaben entsprechend vermietet würden – und das ist ihr zu «umständlich».