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Ein Abenteuerurlaub im Kopf: Ein Philosoph antwortet auf die Frage nach dem Sinn des Lebens

Albert Hoffmann zum Sinn des Lebens: «Was meinen Sie mit Sinn? Was mit Leben?»

Albert Hoffmann zum Sinn des Lebens: «Was meinen Sie mit Sinn? Was mit Leben?»

Er liest, denkt und diskutiert. Albert Hoffmann ist Philosoph. Und das von Beruf. Seit seiner Jugend beschäftigt er sich mit Fragen zu Gott und der Welt.

Er liest, denkt und diskutiert. Albert Hoffmann ist Philosoph. Und das von Beruf. Seit seiner Jugend beschäftigt er sich mit Fragen zu Gott und der Welt. Der gebürtige Tscheche zog als Kleinkind mit seinen Eltern kurz nach dem Prager Frühling 1968 in die Schweiz. «Ich habe Philosophie als Freifach in der Kanti gewählt und schnell gemerkt, dass es mir gefällt», sagt der 51-Jährige heute.

Daraufhin nahm er sein Studium der Philosophie auf. «Ich wollte nach dem Abschluss weiterhin auf diesem Gebiet arbeiten», sagt Hoffmann. Seine Leidenschaft zum Beruf zu machen, war jedoch eine Herausforderung. Aus diesem Grund arbeitete er 17 Jahre lang beim Sicherheitsdienst des Flughafens. «Ich konnte mir so ein wenig Geld auf die Seite legen, sodass ich meinen Traum umsetzen kann», sagt der Dietiker. Hoffmann hat vor fünf Jahren eine philosophische Praxis aufgebaut. «Ich habe schon früher parallel zu meinem Beruf philosophische Diskussionen geleitet.» Man könne von dieser Tätigkeit jedoch ohne Erspartes nicht leben.

«Es ist keine Lebenshilfe»

Hoffmann macht heute auch Hausbesuche, wenn die Kunden nicht bei ihm in die Praxis vorbeikommen wollen. «Die Diskussion ermöglicht es, sich mit anderen Leuten auszutauschen und einen neuen Blick auf die eigenen Ansichten zu erhalten.» Das Ziel der Debatte sei es nicht, die Meinung zu ändern. Vielmehr würden die Gesprächspartner lernen, wie sie ihre Gedanken verteidigen können.

«Es ist keine Lebenshilfe», sagt Hoffmann. Philosophie sei nicht für unglückliche Menschen: «Es ist genau für die, die zu glücklich sind und sich irritieren lassen wollen.» Meist bringt der Denker Textausschnitte zu den Diskussionen. So könne man sich anregen. Zudem sei es einfacher, nicht abzuschweifen und nahe am Thema zu bleiben. Dies falle besonders bei grossen, abstrakten Begriffen wie «Gerechtigkeit» nicht leicht.

«Bei politischen Themen kann es im Gruppengespräch vorkommen, dass die Teilnehmenden aggressiver werden und beginnen, sich zu beleidigen», sagt Hoffmann. Er versuche, solche Kommentare und Sticheleien zu ignorieren: «Es gibt Situationen, in denen Personen sich nicht ertragen. Eigentlich sollten wir lernen, andere Ansichten zu ertragen, auch wenn sie uns nicht passen.»

Die Angst vor der Philosophie

Seine Privatkunden sind überwiegend ältere Personen. Bei öffentlichen Diskussionsgruppen sei das Alter der Teilnehmenden durchmischter. «Das Wort Philosophie erzeugt eine Schwellenangst», sagt Hoffmann, «viele merken gar nicht, dass man sich mit Fragen auseinandersetzt, mit denen man sich ohnehin beschäftigen würde.»

Ein Thema, das die Gesellschaft im Moment zu beschäftigen scheine, sei die Digitalisierung. Hoffmann kann das Bedürfnis nach Austausch nachvollziehen. Die Digitalisierung verändert alle Bereiche des Lebens. Die Gesellschaft befindet sich in einem Wandel: «Man weiss nicht, wohin es geht. Man ist wieder auf der Suche nach dem Sinn.» Zu reflektieren und philosophieren gehöre zum Wesen des Menschen. «Man trifft auf Fragen, die man nicht zu beantworten weiss. Man kommt an die Grenzen des eigenen Denkens. Wir sind alle in der gleichen Situation», so Hoffmann, «manchmal muss man zurücktreten und sehen, wie verrückt, wahnsinnig und geheimnisvoll die Welt ist.»

Hoffmann liebt Philosophie und geniesst das Gefühl, seine Leidenschaft zum Beruf gemacht zu haben: «Man kommt auf neue, originelle Gedanken. Es ist ein Abenteuerurlaub im Kopf.»

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