Die Band, die am Samstagabend in der Zino Platinum Lounge in Dietikon spielte, würde es ohne die Lounge und ihre Inhaberin nicht in dieser Zusammensetzung geben. Maria Grippi war daher schon ein wenig stolz, die Band Morillon aus Wil an einem der offenen Jams auf ihrer Bühne begrüssen zu dürfen, die jeweils am ersten Samstag des Montags stattfinden. Meist eröffnet eine Band den Abend und gibt die Bühne dann frei für alle, die spontan oder vorbereitet zum Soundtrack des Abends beitragen wollen.

«Keine Angst», lässt Markus Dudli, der Gitarrist und Songschreiber von Morillon, in einer Ansprache verlauten, «wir kommen nicht alle aus Wil. Eines unserer Mitglieder stammt ganz aus der Nähe, aus Neuenhof.» Hier kommt Maria Grippi ins Spiel, die dafür verantwortlich ist, dass Morillon nun mit einer Sängerin aus dem Aargau auf der Bühne steht. Die Geschichte beginnt an einem ebendieser Jams in der Zino Lounge, an dem auch die Sängerin Aline Studer ihr Können zeigte. Maria Grippi, die ebenfalls Sängerin ist, war begeistert.

«Das ist mir zu anspruchsvoll»

Kurz darauf wird sie selbst, die sich auf der Bühne Rebel Wind nennt, von Morillon angefragt, den Posten der abtretenden Sängerin einzunehmen. Da das für sie keine Option war, zählte Maria Grippi eins und eins zusammen und formte in Gedanken eine neue Band. Aline Studer hörte sich auf ihren Rat Morillons Songs einmal an und dachte sofort: «Das ist mir zu anspruchsvoll». Nachdem Bassist Francesco Diomaiuta aber nachhakte, kam eine gemeinsame Bandprobe zusammen. Die Sache war geritzt.

Eingängige Pop-Rock-Melodien

Dass Aline Studer aus einer etwas anderen Welt kommt, sieht man auf den ersten Blick: Die junge Dame fällt schon etwas auf inmitten dieser von chic bis skurril gekleideten älteren Herren. Doch nach den ersten Minuten des Konzerts folgt ihre Stimme den eingängigen Pop-Rock-Melodien als würde sie seit Jahren nichts anderes tun. Die meisten Songs von Morillon kennt nur das Live-Publikum der Band, lediglich «Water Runs Free» wird auch auf iTunes angeboten.

Nach etwa einer halben Stunde ist die Bühne frei. Nur Keyboarder Gerd Bingemann, der Hemd, Sonnenbrille und Krawatte im Piano-Tastatur-Look trägt, bleibt an seinem Instrument sitzen und begleitet nun ein Pärchen, das zusammen, sie singend und er an der Gitarre, ein paar gefühlvolle Balladen vorträgt. Nach einer Weile setzt sich ein Teenager im grünen
T-Shirt an die Drums und gibt einen sanften Groove dazu. Der Teenager bleibt auch noch sitzen, als plötzliche eine ganze Heerschar von Musikern die Bühne betritt und eine langsame Blues-Nummer mit heulender Gitarre anstösst.

So wechselt auf der Bühne zwar ständig der Stil, musikalische Schrecken werden dem Publikum aber erspart. Denn das Treiben auf der Bühne ist auch Hintergrund fürs gemütliche Beisammensitzen in den Polstergruppen der Lounge. Für die einen gehört dazu eine Zigarre. Auch in dieser Hinsicht sind sie bei Maria Grippi gut aufgehoben.