Das sind weniger als eineinhalb Jahre – eine kurze Zeitspanne, um ein öffentliches Bauprojekt politisch absegnen zu lassen, zu planen und umzusetzen.

Entsprechend eng ist der Fahrplan für die Planung und Umsetzung des Provisoriums getaktet, wie der kürzlich vom Stadtrat verabschiedete Kreditantrag zeigt.

Dieser soll der Gemeinderat in diesem Frühling behandeln. Bewilligt er den Baukredit von rund 5 Millionen Franken, kommt das Projekt voraussichtlich im September an die Urne.

Soll der Pavillon tatsächlich aufs Schuljahr 2017/18 bezugsbereit sein, muss laut Stadtrat aber bis dahin die weitere Planung stark vorangetrieben werden.

Deshalb beantragt er zusammen mit dem Baukredit zusätzliche 360 000 Franken. Mit diesem soll gleichzeitig mit dem «politischen Entscheidungsprozess sowohl das Baubewilligungsverfahren, die Erarbeitung des Bauprojekts und die Ausschreibungsvorbereitung durchgeführt werden können», schreibt der Stadtrat in seinem Kreditbegehren.

Dieses Vorgehen ermögliche es, nach einem positiven Volksentscheid den Auftrag für den Pavillon «unverzüglich» auszuschreiben.

Für Unterricht und Kinderhort

Mit diesen «planerischen Vorleistungen» ist der geplante Bezug des neuen Pavillons in den Augen der Stadtregierung «ambitioniert, aber realistisch».

Läuft alles wie von der Stadt geplant, soll ab Frühling 2017 mit dem Bau des Provisoriums begonnen werden.

War bislang stets die Rede von zwei Pavillons gewesen, handelt es sich beim nun vom Stadtrat präsentierten Projekt um einen einzigen Holzbau ohne Kellergeschoss, 33 Meter lang, 21 Meter breit und 8 Meter hoch.

Das Gebäude soll im südwestlichen Teil des Schulareals im Übergangsbereich zwischen Hartplatz und Spielwiese zu stehen kommen.

Die bestehende Struktur der Schulanlage werde durch den Neubau «überzeugend ergänzt», so der Stadtrat. Ausserdem schaffe der Pavillon im Zusammenspiel mit den beiden Turnhallen einen zusätzlichen Pausenplatz.

Neben sechs regulären und einem Kleinklassenzimmer sollen in dem zweigeschossigen Pavillon ein flexibler Multifunktionsraum, diverse Räume für einen Kinderhort, Gruppenräume und ein Lehrerzimmer untergebracht werden.

Während das Obergeschoss mit vier Klassenzimmern und Gruppenräumen sowie dem Lehrervorbereitungszimmer dem Schulunterricht vorbehalten bleibt, ist ein Teil des Erdgeschosses für den Hort vorgesehen, der nach den Plänen der Stadt 68 Kindern Platz bieten soll.

Im ersten Schuljahr nach Inbetriebnahme sollen in den beiden Klassenzimmer im Parterre ausserdem zwei Kindergartenklassen einquartiert werden.

In dieser Zeit, von August 2017 bis August 2018, will die Stadt den baufälligen Doppelkindergarten Steinmürli I+II sanieren.

Gemäss Kreditantrag orientiert sich die Raumplanung an den kantonalen Richtlinien für die Erstellung von Schulraum.

Ausserdem erfülle das Provisorium die energetischen Standards der Stadt für Neubauten und sei mit einem schwellenlosen Zugang, einem zentral gelegenen Lift sowie zwei entsprechenden Toiletten behindertengerecht.

Mit Blick auf den vorgesehenen Nutzungshorizont von zwanzig Jahren bezeichnet der Stadtrat diese Standards als sinnvoll.

Providurium statt Provisorium?

Die gesamten Kosten, inklusive bereits getätigter Ausgaben für die bisherige Planung, sollen sich am Ende auf rund 5,7 Millionen Franken belaufen.

Damit ist das Projekt für die Stadt finanziell mit temporären Lösungen anderer Städte, etwa jenen der Stadt Zürich, vergleichbar.

Ein Provisorium ähnlichen Umfangs würde dort 5,4 Millionen kosten, rechnet der Stadtrat im Antrag vor.

Im Gegensatz zu den «Züri Modular»-Pavillons beherberge der geplante Bau auf dem Steinmürli-Areal aber ein zusätzliches Kleinklassenzimmer, ein Lehrerzimmer und eine Hortküche, sei behindertengerecht gebaut, erfülle höhere energetische Standards und sei auf eine längere Nutzungsdauer ausgelegt.

Gar noch vorteilhafter fällt für den Stadtrat der Baukostenvergleich aufgrund einer Benchmarkstudie aus, welche die Basler und Hofmann AG 2011 für die Stadt Zürich erstellt hat.

Auch wenn die Studie zum Schluss komme, dass die Baukosten für neuen Schulraum nur schwer vergleichbar seien, liefere sie Orientierungswerte, so der Stadtrat: So gehe sie pro Schulklasse von Kosten von 1,1 Millionen Franken pro Schulklasse aus.

Der Steinmürli Pavillon koste dagegen lediglich 520 000 Franken pro Klasse. Allerdings hinkt der Vergleich: In der Studie werden hauptsächlich Neu- und Ergänzungsbauten sowie einige Sanierungen untersucht, aber keine Provisorien.

Nicht zuletzt wegen der Kosten dürfte das geplante Provisorium im Gemeinderat umstritten sein.

Schon im vergangenen Jahr hatte das Projekt im Zusammenhang mit der städtischen Schulraumplanung zu Diskussionen geführt.

Vonseiten der SVP wurde etwa kritisiert, dass mit dem Pavillon für viel Geld kein Provisorium, sondern ein Providurium gebaut werde.