Schlieren
Ehemaliger Schlieremer Energie-Liebling wird zum Lückenbüsser

Gemäss Energieplan wird die Gasversorgung in zwei Geschäftsbereiche aufgeteilt. Ausserdem setzt die Stadt immer stärker auf erneuerbare Energie.

Florian Niedermann
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Einst war Schlieren für die Gasproduktion ein wichtiger Standort –heute wird fossile Heizenergie immer mehr aus der Stadt verdrängt.

Einst war Schlieren für die Gasproduktion ein wichtiger Standort –heute wird fossile Heizenergie immer mehr aus der Stadt verdrängt.

Jürg Krebs

Die ehemalige «Gasstadt» Schlieren kehrt sich immer mehr von ihrem einstigen Aushängeschild ab: Nachdem die Stadt jahrzehntelang Gas als sauberen Energieträger propagiert und die Gasversorgung gar kommunalisiert hat, setzt man in Zukunft auf erneuerbare Energiequellen und Abwärme. Der Stadtrat und die Energiekommission wollen fossile Brennstoffe wie Erdöl und Gas weiter zurückdrängen – Gas soll langfristig vor allem als Ergänzung zu den ökologischeren Energien zur Verwendung kommen.

Die Behörden beantragen dem Stadtparlament deshalb, die Revision des Energieplans von 2004 zu genehmigen und damit eine Handhabe zur Erreichung dieser Ziele zu schaffen. Um einen Kompromiss zwischen den wirtschaftlichen Anliegen der Gasversorgung und den Zielen für eine nachhaltige Wärmeversorgung zu erzielen, erarbeitete die Stadt eine ergänzende, längerfristige Gas-Strategie.

Als «Energiestadt» orientiert sich Schlieren an den Zielsetzungen der 2000-Watt-Gesellschaft und des Programms «EnergieSchweiz». Konkret bedeutet dies unter anderem, dass der Anteil der erneuerbaren Energien an der Schlieremer Wärmeproduktion bis im Jahr 2035 von 12 Prozent auf 60 Prozent steigen soll. Damit verbunden ist eine Reduktion des Verbrauchs an Heizöl um den Faktor 10 und an Erdgas um rund die Hälfte. Um diese Ziele erreichen zu können, will der Stadtrat in naher Zukunft eine Fachstelle «Nachhaltigkeit» schaffen.

Seit 2005 steht Gas unter Druck

Der Wandel der Schlieremer Energiepolitik begann im Jahr 2005. Damals willigte die Stadt Zürich ein, Abwärme aus dem Werdhölzli nicht nur bis zum Postbetriebszentrum Mülligen, sondern bis nach Schlieren zu liefern. Die Schlieremer Behörden legten schliesslich das Prioritätsgebiet des Energieverbunds Mülligen-Rietbach fest. Die städtische Gasversorgung verlor damit etwa die Hälfte ihres Versorgungsgebiets, der Absatz sank um rund 20 Prozent. 2009 plante der Stadtrat gar, das Gasnetz zu verkaufen. Angesichts der entrüsteten Reaktionen in der Bevölkerung zog er den Antrag an das Parlament jedoch wieder zurück.

Mit dem aktuellen Energieplan wird das Anschlussgebietweiter eingeschränkt: So ist darin das Spitalquartier neu als Optionsgebiet definiert. Dies, weil die Limeco in Dietikon plant, parallel zum Trasseebau der Limmattalbahn das Spital an ihr Abwärmenetz anzuschliessen. Daraus ergäbe sich eine Anschlussmöglichkeit auch für private Gebäude in diesem Bereich. Ein Vertrag zwischen Spital und Limeco besteht laut Stadtrat Christian Meier (SVP) bereits – unabhängig vom Ausgang der Volksabstimmung zur Limmattalbahn.

Ausserdem wird die zuvor strikte eingehaltene Grenze zwischen dem Prioritätsgebiet des Energieverbundes entlang der Badener/-Zürcherstrasse aufgeweicht: Auch Liegenschaftseigentümer südlich dieser Grenze sollen künftig einen Abwärmeanschluss erhalten. Allerdings müssen sie erst ein Gesuch stellen, das die Exekutive bewilligen muss.

Gas spielt künftig andere Rolle

Werden Abwärme und erneuerbare Energieträger das Gas also bald verdrängen? «Nein», sagt Stadtrat Meier, der die Entstehung des vorliegenden Energieplans als ehemaliger Werksvorstand stark mitprägte. Es sei nicht davon auszugehen, dass der grössere Teil der Gasbezüger in absehbarer Zukunft auf Heizsysteme mit erneuerbaren Energieträgern umsteigen werde. «Ich kann mir nicht vorstellen, dass das Gas in den nächsten 20 Jahren abgestellt wird», sagt Meier. Zumindest in den als Eignungsgebiet definierten Arealen sichert die Gasversorgung den Abnehmern einen «langfristigen Betrieb über das Jahr 2035 hinaus» zu.

Um die Wirtschaftlichkeit der Gasversorgung zu gewährleisten und dennoch die energetischen Zielsetzungen der Stadt verfolgen zu können, haben die Behörden Gas-Strategie erarbeitet. Die sich anbahnende Gasmarktliberalisierung zwingt die Stadt laut Werkvorstand Stefano Kunz (CVP) dazu, die Geschäftsbereiche Gashandel und Netzbetrieb zu trennen. So können Netznutzungstarife zur Deckung der betrieblichen Kosten auch dann erhoben werden, wenn Abnehmer das Gas nicht mehr von der städtischen Versorgung beziehen. Damit wird der Gastarif voraussichtlich um rund 10 % steigen.

Die Strategie sieht vor, dass Gas in der Schlieremer Energieversorgung weiterhin eine Rolle spielen soll. Zum einen als kurzfristig umsetzbare Alternative zu Heizöl – wobei Erdgas zunehmend durch Biogas ersetzt wird – oder als Treibstoff. Und zum andern als Ergänzung zu erneuerbaren Energien; so etwa als Lückenbüsser in Spitzenzeiten des Verbrauchs oder in thermischen Solar- und Wärmepumpen.