Dietikon
Ehemalige SVP-Politikerin Rosmarie Frehsner: «Die Limmattalbahn bringt einen positiven Schub»

Die ehemalige SVP-Politikerin Rosmarie Frehsner ist an vielen Fronten im Unruhestand. Seit ihrem Rückzug aus der Politik vor sieben Jahren steht sie ihrer Partei mit Rat und Tat zur Seite, wenn sie gefragt wird.

Franziska Schädel
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Lebt mit ihrem Mann seit 50 Jahren im Zentrum von Dietikon – und es gefällt ihr: Rosmarie Frehsner.

Lebt mit ihrem Mann seit 50 Jahren im Zentrum von Dietikon – und es gefällt ihr: Rosmarie Frehsner.

15 Jahre Dietiker Gemeinderat, 12 Jahre Zürcher Kantonsrat, 14 Jahre Präsidentin der SVP Dietikon — Rosmarie Frehsner weiss, worum es in der Politik geht: «Es braucht eine eigene Meinung und man muss sie auch vertreten können.» Seit ihrem Rückzug aus der Politik vor sieben Jahren steht sie ihrer Partei mit Rat und Tat zur Seite, wenn sie gefragt wird.

So auch bei den letzten kommunalen Wahlen, die der SVP Sitzverluste brachten. Rosmarie Frehsner will dies nicht kommentieren, meint aber mit einem Achselzucken und dem ihr eigenen trockenen Humor: «Ob es an meiner Beratung in der Wahlkommission oder an sonst was gelegen hat, das kann ich nicht sagen.»

Heute engagiert sich die Dietikerin an verschiedenen Fronten. Obwohl sie sowohl beruflich wie auch politisch während Jahren stark gefordert war, habe sie nach ihrem Rücktritt keine Leere verspürt. «Ich habe es genossen, mehr Zeit für Sport zu haben und nicht immer abends an Sitzungen gehen zu müssen», sagt sie. Dem Nichtstun frönen ist der Alt-Politikerin und Rennvelofahrerin aber fremd. Längere Zeit vertrat sie nach ihrem Rücktritt von den politischen Ämtern den Bezirk Dietikon als Delegierte an der Bezirkshauptversammlung der SVP.

Und sie wird auch dieses Jahr wieder dafür besorgt sein, dass die 70-jährigen Dietikerinnen und Dietiker ihren runden Geburtstag mit einer Kutschenfahrt feiern können. Sie sprang in die Bresche, als sich die Reitgesellschaft an der Limmat (RGL) finanziell nicht mehr in der Lage sah, diesen Anlass durchzuführen, und überzeugte ihre Partei davon, als Veranstalterin einzuspringen. Jedes Jahr sucht Frehsner nun aufs Neue Sponsoren und sorgt zusammen mit der RGL dafür, dass die Ausfahrt mit Pferd und Wagen noch länger bestehen bleibt.

Lebt gerne im Zentrum

Ihr Engagement für eine lebenswerte Stadt zeigt Rosmarie Frehsner, die seit 50 Jahren mitten im Zentrum von Dietikon wohnt, auch mit ihrer Mitarbeit bei der Zentrumsvereinigung Dietikon. Seit fünf Jahren ist sie Vorstandsmitglied und erlebt heute, dass die jungen Neuzuzüger Dietikon mit ganz anderen Augen sehen.

«Eine kleine Umfrage bei den Kolleginnen und Kollegen unseres jüngsten Vorstandsmitglieds hat ergeben, dass die Jungen Dietikon recht ‹geil› finden», erzählt Frehsner. Sie ist überzeugt: Gäbe es im Zentrum einen McDonald’s, würden noch mehr Junge nach Dietikon pilgern. Selber hatten Rosmarie Frehsner und ihr Mann nie das Bedürfnis, aus Dietikon wegzuziehen: «Wir haben hier alles für den täglichen Bedarf, sind nahe an der Autobahn, nahe beim Bahnhof und schnell in Zürich.» Die künftige Entwicklung der Stadt beurteilt die SVP-Politikerin positiv. «Mit dem Bau der Limmattalbahn wird es einen Entwicklungsschub geben und ich gehe davon aus, dass sich dieser positiv auswirken wird.»

Etwas Sorgen bereiten ihr hingegen die leeren Ladenflächen im Löwenzentrum. «Das hängt wohl mit den Mietzinsen zusammen und der fehlenden Bereitschaft, auch kleinere Ladeneinheiten, zum Beispiel für Pop-up-Stores, zu vermieten.»

Frehsner setzt sich im Vorstand der Zentrumsvereinigung auch für eine bessere Integration des neuen Stadtteils Limmatfeld ein. Sie verweist auf den geplanten Feierabend-Markt auf dem Rapidplatz, mit dem ab Mai versucht wird, die Bewohnerinnen und Bewohner auf den Platz zu locken.

SVP-Treffen der Ehemaligen

Politik, wenn auch von der eher nostalgischen Sorte, beschäftigt Rosmarie Frehsner, wenn sie dieses Jahr zum siebten Mal das traditionelle Treffen der ehemaligen SVP-Behördenmitglieder des Kantons Zürich organisiert. «Zu diesem Engagement bin ich ohne Vorwarnung gekommen», lacht sie. Nach ihrem Rücktritt aus dem Kantonsrat nahm sie zum ersten Mal am Treffen teil und wurde sofort mit diesem Amt betraut. Ihr ist es geschuldet, dass viele der ehemaligen Nationalräte, Ständeräte, Regierungsräte und Kantonsräte des Kantons vor kurzem wohl zum ersten Mal einen Fuss in den jüngsten Bezirk setzten.

Eine Anekdote ist Frehsner hierbei besonders in Erinnerung geblieben: Die Besichtigung des Gerichtssaals im Dietiker Bezirksgebäude habe einen Teilnehmer zur launigen Bemerkung veranlasst: «Da sind wir ja jetzt beim jüngsten Gericht.»

«Die Männer machten es doch gut»

Für Rosmarie Frehsner hat sich die Politik seit ihrem Einstieg 1994 wenig verändert: «Wir haben immer noch eine direkte Demokratie und wir können über Initiativen und Referenden abstimmen.»

Nachdenklich fügt sie aber an: «Die Digitalisierung hat alles frisch aufgemischt. Es ist mitunter krass, was da auch in der Politik abgeht.» Es bekümmert sie hingegen nicht allzu sehr, dass im Dietiker Stadtrat die nächsten vier Jahre keine Frau vertreten sein wird.

«Wir wurden während Jahrzehnten und Jahrhunderten nur von Männern regiert, und das war doch auch gut», meint sie und ergänzt: «Politik hat auch etwas mit Arbeit zu tun und viele Frauen können oder wollen das offenbar nicht auf sich nehmen. Und dann gibt es sicher auch jene Frauen, die sich nicht so sehr exponieren wollen.»

Frehsner selber möchte die Politik nicht missen. «Es war eine interessante Zeit, ich konnte viele Kontakte knüpfen.» Der Start in die Kommunalpolitik ist Frehsner damals allerdings gründlich missglückt: «Ich wurde beim ersten Anlauf 1990 grandios nicht gewählt», erinnert sie sich mit einem Schmunzeln.

Die Partei habe sie dann aber getröstet, sie sei wenigstens nicht nach hinten gerutscht. «Verlieren können gehört dazu», sagt Frehsner heute und ist überzeugt: «Das ist so im Leben.»