Schlieren

Ehemalige NZZ-Druckerei schafft es auf die Gastro-Landkarte

Dine&shine-Geschäftsführer Nicolai Squarra hat in der ehemaligen NZZ-Druckerei nicht nur mit den Deko-Elementen Grosses vor.

Dine&shine-Geschäftsführer Nicolai Squarra hat in der ehemaligen NZZ-Druckerei nicht nur mit den Deko-Elementen Grosses vor.

Mit «Only Temporary», dem zeitlich befristeten Restaurant in der ehemaligen NZZ-Druckerei, will der Uitiker Nicolai Squarra zwar kein Geld machen, aber die Erlebnisgastronomie neu erfinden.

Einige Kronleuchter hängen bereits, Monteure installieren die Küchenelemente im hinteren Teil des Raums und eine ausrangierte Druckmaschine steht noch ziemlich verloren herum. So sieht es derzeit in der ehemaligen NZZ-Druckerei aus. Noch nichts ist fertiggestellt. Skizziert Nicolai Squarra das künftige Ambiente des Pop-up-Restaurants Only Temporary, scheint es fast unmöglich, dies in den bis zur Eröffnung verbleibenden zwei Wochen zu bewerkstelligen. Dort komme die Bar hin, hier die Garderobe, ganz hinten eine mobile Bühne und in den kleinen Nischen rechts werden Pop-up-Stores ihre Ware feilbieten. Das Ganze sei in eine Atmosphäre der 1920-er-Jahre getaucht, erklärt er.

Herr Squarra, Sie versprechen in der ehemaligen NZZ-Lagerhalle «vagabundierendes Restaurant-Theater» mit Unterhaltungsprogramm, verschiedenen Pop-up-Stores und thematischer Einrichtung. Sieht so die Gastronomie der Zukunft aus?

Nicolai Squarra: Das Kerngeschäft von «Dine&shine» ist das Event-Catering, wir wollen mit diesem Projekt unseren Ruf als Pioniere in der Event-Gastronomie unterstreichen. Wir versprechen unseren Gästen, dass wir über die Grenzen des Tellers hinausgehen und einen Mehrwert bieten. Im Event-Bereich ist dieser Ansatz sicher die Zukunft. Das klassische Pop-up-Restaurant hingegen wird derzeit in der Gastro-Szene heiss diskutiert. Viele glauben, dass es seinen Zenit überschritten hat.

Warum eröffnen Sie dann eines?

Uns – wie auch den beteiligten Unternehmen – geht es darum, dass wir eine gute Visitenkarte abgeben können. Üblicherweise sind wir in einem Auftragsverhältnis und richten die Anlässe unserer Kunden nach deren Vorstellungen aus. Hier in der NZZ-Druckerei können wir selber bestimmen, wie wir was haben wollen.

Sie betreiben sehr viel Aufwand für eine Visitenkarte. Wie viel Geld geben Sie aus?

Dieser Aufwand ist nur mit zahlreichen Partnern und Sponsoren zu bewerkstelligen, die sich mit ihren Dienstleistungen oder finanziell beteiligen. Nur so viel: Allein das Material des Dekorationsunternehmens, das derzeit in der alten Druckereihalle aufgebaut wird, hat einen Wert von über 250 000 Franken.

Besteht denn die Chance, dass Sie Gewinn erzielen?

Uns geht es nicht um den Gewinn, sondern darum, unseren Gästen zu zeigen, was in der Event-Gastronomie alles möglich ist.

Dies ist klar ein Vorteil gegenüber den klassischen Gastronomen. Fühlen sich diese manchmal von Ihnen oder der Pop-up-Szene im Generellen bedroht?

Womöglich. Ich möchte die alteingesessenen Gastronomen des Limmattals aber gerne dazu auffordern, bei uns vorbeizuschauen und sich inspirieren zu lassen. Gut möglich, dass sie das eine oder andere in den eigenen Betrieb einfliessen lassen können.

Zum Beispiel?

Die Mehrdimensionalität unserer Dienstleistung etwa. Was auf den Teller kommt, ist und bleibt zentral, es müssen jedoch alle Aspekte des Erlebnisses bedacht werden. Von der Tellerwahl über die Gläser bis hin zum Service, dem Ambiente und Unterhaltungsangebot.

Langjährige «Beizer» erarbeiten sich teils über Jahrzehnte einen Ruf, scharen Stammgäste um sich. Kaum ist ein Pop-up-Restaurant aber bekannt, schliesst es schon wieder. Wie füllen Sie in diesen zwei Monaten das Haus?

Das ist die grösste Herausforderung, die nur mithilfe eines starken Netzwerkes und als Gemeinschaftswerk all unserer Partner und Sponsoren zu schaffen ist. Zudem setzen wir stark auf Social Media und veranstalten am 3. November einen grossen Eröffnungsanlass, zu dem Food-Blogger und Meinungsmacher eingeladen sind.

Von diesem Anlass hängt wohl viel ab. Sind Sie nervös?

Zwar ist das «Only Temporary» nach dem «Cocoon» im Seefeld von vergangenem Winter erst unser zweites Pop-up, beteiligt an diesem Projekt sind aber nur Gastro-, Event-, und Marketing-Profis. Daher bin ich äusserst zuversichtlich.

Das «Cocoon» lag im noblen Zürcher Seefeld. Mit dem Standort Schlieren in der Agglomeration wagen Sie den Bruch?

Das ist uns bewusst. Die interne Diskussion vor dem definitiven Entscheid war recht hitzig. Ich sehe diesbezüglich aber kein Problem, da Schlieren sehr gut mit dem öV erschlossen ist. Ausschlaggebend war aber letztlich das Gebäude und dessen Geschichte – einfach einmalig.

Wird Schlieren nun hip?

Wir erhoffen uns, das Stadtbild ein wenig zu verändern und Schlieren auf die kulinarische Landkarte zu bringen. Bezüglich der Gäste erhoffe ich mir eine Durchmischung. Es sollen Menschen zu uns kommen, die gutes Essen mögen und etwas erleben wollen. Im Idealfall sitzen Hipster neben Bauarbeitern.

Worin liegen die Vorteile für den Liegenschaftsbesitzer bei einer Pop-up-Nutzung?

Mit einer Zwischennutzung wie unserer bringt man eine Liegenschaft wieder ins Gespräch, da die mediale Aufmerksamkeit recht gross ausfallen kann. Auch können sich die Besitzer als innovativ präsentieren und verdienen noch etwas dabei.

Dient die Zwischennutzung auch als Schutz vor Besetzungen?

Für die Besitzer ist dies auch ein Aspekt. Für mich ist jedoch fraglich, wie effektiv eine zweimonatige Nutzung durch uns ein Gebäude vor Besetzern schützt.

Was geschieht mit dem grossen Lagerraum im kommenden Januar, wenn das Only Temporary Geschichte ist?

Das ganze Interieur wird verschwinden. Danach ist die Halle für Corporate-Events für bis zu 1100 Personen buchbar. Da die Auftraggeber bei dieser Art von Event gerne auf einen möglichst neutralen, leeren Raum zurückgreifen, können wir die aufwändige Deko nicht stehenlassen. Bislang sind rund 30 Anfragen bis Ende 2017 bei uns eingegangen.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1