Am Stadtrand von Dietikon, in der Ecke von Staffelackerstrasse und Chrebserweg, reckt sich ein Wohnblock in den grauen Winterhimmel. Daneben, ennet des Chrebserwegs, ist sattes, feuchtes Grün zu sehen. Unscheinbar tritt hier seit der teilweisen Offenlegung im Jahr 2000 der Innere Fondlibach aus dem Beton ans Tageslicht, von Bäumchen gesäumt. Hündeler spazieren vorbei, Kinder sind auf dem Heimweg vom Fondli. Nur etwas stört die Stadtrand-Idylle – der Gedanke daran, was sich hier 60 Zentimeter unter dem Boden verbirgt. 2000 Kubikmeter Abfälle sind es laut dem kantonalen Kataster der belasteten Standorte. Auch Öl, Kunststoffe, Metalle und Hauskehricht.

Das Material stammt noch aus der Zeit, als dieser Standort beidseits des heutigen Chrebserwegs als Deponie genutzt wurde, Deponie Schoppen genannt.

Altlastvoruntersuchung läuft

Eine direkte Gefahr geht gemäss heutigem Kenntnisstand nicht aus von ihr. Aber seit 2004 ist der Standort im Kataster der belasteten Standorte als untersuchungsbedürftig eingetragen. Nun tut sich etwas: Die Altlastvoruntersuchung ist in Bearbeitung. 2019 soll der Abschlussbericht vorliegen, heisst es in der Stadtratsantwort auf eine Interpellation von Gemeinderat Peter Metzinger (FDP). Er hatte dem Stadtrat Fragen zur Altlastensituation in Dietikon gestellt.

Zuvor hatte er in dieser Zeitung von der bevorstehenden Sanierung des ehemaligen Madag-Areals bei der Poststrasse gelesen, wo Tetrachlorethen ins Grundwasser gelangt. Dieses verdünnt sich bis zur Trinkwasserfassung Langacker aber so weit, dass die Grenzwerte eingehalten werden, sodass das Dietiker Trinkwasser nach wie vor unbedenklich ist.

«Vollständig erfasst»

«Als FDP-Fraktion fragen wir uns, wie es in anderen Gebieten Dietikons mit Altlasten aussieht», schrieb Metzinger in der von seinen Parteikollegen Olivier Barthe und Michael Segrada mitunterzeichneten Interpellation. Metzinger wollte insbesondere wissen, ob alle Dietiker Altlasten im kantonalen Kataster erfasst sind. «Es kann davon ausgegangen werden, dass die Altlasten in Dietikon im Zuge des systematischen Aufbaus des Katasters vollständig erfasst wurden. Dem Stadtrat und dem kantonalen Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (Awel) sind keine weiteren Gebiete mit einem möglichen Verdacht auf Altlasten bekannt», schreibt der Stadtrat in seiner Antwort.

Metzinger wollte weiter wissen, wo es sonst noch Sanierungsbedarf mit entsprechenden Folgekosten geben könnte. Der Stadtrat nennt neben dem Madag-Areal die Deponie Müsli, die mindestens bis ins Jahr 2036 überwacht werden muss und wo das Grundwasser jährlich untersucht wird. Sanierungsbedarf bestehe weiter bei den Reppischwerken aufgrund des dortigen ehemaligen Entfettungsbads. Diese Sanierung werde privat ausgeführt und finanziert. Bei der Deponie Müsli ist die Stadt Eigentümerin des Grundstücks. Beim Madag-Areal sind drei Parzellen der Stadt teilweise von der Altlast betroffen: der Garten des Ortsmuseums, die Strassenparzelle Poststrasse und die Strassenparzelle Widmenhalde.

Weiterer Sanierungsbedarf bei Grundstücken, die ganz oder teilweise im Eigentum der Stadt Dietikon liegen, könnte sich bei vier weiteren Standorten ergeben. Einer davon ist die eingangs erwähnte Deponie Schoppen, wo wie gesagt bis 2019 der Abschlussbericht zur Altlastvoruntersuchung vorliegen soll. Gleich verhält es sich bei zwei weiteren Standorten, die in der Silbern nahe der Moosmattstrasse liegen. Erst wenn die Abschlussberichte vorliegen, könnten Angaben zu den Folgekosten gemacht werden, hält der Stadtrat fest. Anders sieht es unter dem heutigen Kulturhaus Gleis 21, einer ehemaligen Farbenfabrik, aus. Diesen Standort hat das Awel laut Stadtrat 2017 aus dem Kataster entlassen. Der Kanton habe der Stadt die Untersuchungskosten zurückerstattet. Im Kataster ist der Standort nach wie vor noch als untersuchungsbedürftig gekennzeichnet.

Die gängige Kosten-Praxis

Metzinger fragte zudem, wer bei welchen Altlasten die Schäden beheben muss und wer die Kosten zu tragen hat. Grundsätzlich ist für die Schadenbehebung der Standortinhaber zuständig, das Awel kann aber auch Dritte verpflichten oder die Massnahmen selber durchführen. Bei den Kosten sei es gängige Praxis, dass die Standortinhaber rund 20 Prozent der Kosten zahlen und die Belastungsverursacher 80 Prozent.

Peter Metzinger hat die Antwort des Stadtrats zur Kenntnis genommen. «Ich war erstaunt, wie viele belastete Gebiete es gibt. Damit hätte ich wirklich nicht gerechnet», sagt er. Mit seiner Interpellation wolle er letztlich die Ämter anregen, kritisch zu hinterfragen, ob sie bisher alles richtig gemacht hätten. «Die Sache mit dem Madag-Areal schien ziemlich überraschend zu kommen», sagt Metzinger. Er wolle aber niemandem Vorwürfe machen: «Wichtig ist, dass die Prozesse überprüft werden. Auch muss der Informationsfluss sichergestellt werden, damit Grundeigentümer stets alle nötigen Infos haben. Denn wir sollten wissen, was sich in den Böden befindet, auf denen wir leben und auf denen wir unsere Häuser bauen. Schliesslich geht es hier auch um den Schutz des Privateigentums.»

Metzinger sagt, er werde nun weiter das Gespräch mit der Stadt suchen und dann zusammen mit der Fraktion entscheiden, wie diese weiter vorgehen soll.