Bezirksgericht Dietikon
Ehefrau konnte Vergewaltigung nicht beweisen

Laut Anklage hat ein Limmattaler Lagerist aus Nordafrika seine Ehefrau wiederholt vergewaltigt und sollte für viereinhalb Jahre ins Gefängnis. Die Richter sprachen den Beschuldigten frei.

Attila Szenogrady
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Bezirksgericht in Dietikon (Archiv)

Bezirksgericht in Dietikon (Archiv)

Limmattaler Zeitung

Es war im vergangenen November, als eine heute 28-jährige Frau aus Nordafrika gegen ihren Ehemann Anzeige bei der Polizei erstattete. Mit der Folge, dass die Fahnder den heute 41-jährigen Mann festnahmen und er sich danach bis zum Strafprozess vom letzten Dienstag im Gefängnis aufhielt.

Vor dem Bezirksgericht Dietikon wogen die Vorwürfe schwer. So soll der Limmattaler Beschuldigte seine 2013 geheiratete Landsfrau nicht nur in der gemeinsamen Wohnung eingesperrt, sondern auch bedroht, geschlagen und drei Mal vergewaltigt haben. Dementsprechend streng fielen die Anträge der Anklage aus. So forderte die zuständige Staatsanwältin Claudia Kasper wegen mehrfacher Vergewaltigung, Körperverletzung, Drohungen sowie Freiheitsberaubung eine hohe Freiheitsstrafe von viereinhalb Jahren. Zudem sollte der Nordafrikaner seiner Noch-Ehefrau ein Schmerzensgeld von 20 0000 Franken bezahlen.

Aussage gegen Aussage

Die attraktive und modisch elegant gekleidete Geschädigte trat am Dienstag als Zeugin vor Gericht und führte aus, dass sie in der Schweiz bleiben wolle. So fürchte sie in ihrer Heimat die Rache der Verwandtschaft ihres Mannes, erklärte sie.

Vor den Schranken stand allerdings Aussage gegen Aussage. So warf der Lagerist seiner Frau Lügen vor und beteuerte seine Unschuld. Der Geschädigten gehe es nur um einen gesicherten Aufenthalt in der Schweiz. Sie habe ihn nur wegen der Papiere geheiratet, zeigte er sich überzeugt und liess seinen Rechtsanwalt auf einen vollen Freispruch plädieren.

Da das Dietiker Gericht den Entscheid am Freitag lediglich in einem Dispositiv eröffnete, liegt eine Urteilsbegründung nicht vor. Fest steht aber, dass die Richter den Beschuldigten umfassend freigesprochen haben. Er wird nun auch aus der Haft entlassen. Klar ist auch, dass das Gericht mehr dem Mann als den Darstellungen der Frau geglaubt hat. Für Schuldsprüche reichte es jedenfalls nicht aus.

Mann erhält Schadenersatz

Mit dem Freispruch erhält der Nordafrikaner neben einem Schadenersatz von 48 300 Franken für die zu Unrecht erlittene Haft ein Schmerzensgeld von weiteren 25 000 Franken. Zudem eine Prozessentschädigung von 2000 Franken. Insgesamt bekommt er also über 75 000 Franken. Allerdings ist der Entscheid noch nicht rechtskräftig. Sowohl die Staatsanwaltschaft als auch die Anwältin der unterlegenen Frau, die wegen des Freispruchs leer ausgeht, könnten den Fall noch an das Obergericht weiterziehen.

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