Eishockey
EHC Urdorf erzwingt Entscheidungsspiel

Die Urdorfer Eishockeyaner drehen ein intensives Spiel gegen Engelberg-Titlis. Das 4:3 in der Verlängerung fällt in Unterzahl.

Ruedi Burkart
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Urdorfer Glückseligkeit. Andri Zala (links) und Keegan Evangelista feiern den Sieg.

Urdorfer Glückseligkeit. Andri Zala (links) und Keegan Evangelista feiern den Sieg.

Ruedi Burkart

Und dann gab es kein Halten mehr. Knapp zwei Minuten nach Beginn der Overtime netzte Urdorfs Doppeltorschütze Thierry Gotti zum siegbringenden vierten Treffer der «Stiere» ein. Die Emotionen kochten über, die knapp 200 Zuschauer auf der Stehrampe der Urdorfer Eishalle liessen ihren Gefühlen freien Lauf. Die einheimischen Fans jubelten ihren Helden auf dem Eis zu. Die zahlreich aus dem Kanton Obwalden angereisten Schlachtenbummler versuchten ohne grossen Erfolg, ihre Verlierer zu trösten.

Überschwängliche Freude herrschte selbstredend beim Trainerstab des EHC Urdorf. Chefcoach Patrick Stach und Konsorten spendeten ihrem Team kurz entschlossen vor dem Gang in die Kabine eine Standing Ovation. «Dass wir ein Spiel mit diesem Verlauf noch gewinnen, das ist schon sehr stark», bilanzierte Stach. Und damit meinte der Urdorfer Übungsleiter nicht nur die Tatsache, dass das entscheidende Tor in der Verlängerung zum 4:3-Endstand in einem äusserst intensiven Spiel in numerischer Unterzahl gefallen war.

Wenig deutete im ersten Drittel auf die Wiedergeburt des EHC Urdorf nach der so bitteren Niederlage im Hinspiel hin (die Limmattaler Zeitung berichtete). Wieder kassierten die «Stiere» eine Strafe nach der anderen – deren vier bis zur zwölften Minute – und wieder haderten sie mit den Entscheidungen der Unparteiischen. Dass das Skore nach dem ersten Drittel 1:1 ausgeglichen stand, war lediglich der Nonchalance der Engelberger im Abschluss zuzuschreiben. «In der Kabine habe ich dem Team klarzumachen versucht, dass es so nicht geht», sagte EHC-Trainer Stach, «wir müssen weniger diskutieren und das Tempo des Gegners annehmen.» Seine Worte fruchteten, die «Stiere» kassierten bis zum Ende der regulären Spielzeit keine einzige Strafe mehr.

Und auch tempomässig fanden die Limmattaler immer besser in die Partie. Sie erspielten sich Chancen, hielten den Gegner auf Distanz – eigentlich lief alles nach Plan. Und doch lagen sie nach 40 Minuten mit 1:3 im Rückstand.

Es ging im dritten Abschnitt nur noch um den Willen, um zu zeigen, dass wir noch nicht fertig sind.

(Quelle: Patrick Stach Chefcoach EHC Urdorf)

Wegen zwei fürchterlicher Blackouts im Überzahlspiel servierten sie den Engelbergern beste Torchancen quasi auf dem Silbertablett. Schuler (26.) und Ambauen (37.) sagten danke und brachten ihre Farben in Unterzahl in Führung. War damit das Feuer bei den Urdorfern erloschen? Fügten sie sich ihrem Schicksal und freuten sich bereits auf das Ende der kräftezehrenden Saison? «Es ging im dritten Abschnitt nur noch um den Willen, um zu zeigen, dass wir noch nicht fertig sind», sagte Stach.

EHCU spektakulär vom 1:3 zum 4:3

Und so kam es. Angeführt vom 36-jährigen Routinier Sebastian Hauser zogen die Limmattaler in die letzten 20 Minuten der regulären Spielzeit. 96 Sekunden nach Wiederanspiel war es bezeichnenderweise der furchtlose Verteidiger mit der Nummer 7, der im Powerplay den Anschlusstreffer realisierte.

In der Folge entwickelte sich ein unglaublich spannender Abnützungskampf erster Güte, im intensiven Schlagabtausch kämpften beide Teams mit offenem Visier. Als den «Stieren» in der Schlussphase die Zeit davonzulaufen drohte, beorderte EHCU-Trainer Stach Goalie Florian Wassmer aus dem Kasten zugunsten eines sechsten Feldspielers. Der Poker ging auf, Thierry Gotti rettete seine Farben mit einem Treffer zum 3:3 in die Verlängerung. Dort machten die «Stiere» kurzen Prozess. Nach knapp zwei Minuten schoss erneut Gotti seinen Verein in Unterzahl ins Glück.

Und so nahm der Urdorfer «Dienstagabendkrimi» doch noch die Wende zum Guten. Ob die Saison noch weiter andauert, wird man am kommenden Sonntagabend wissen. Um 19 Uhr steht die dritte und letzte Begegnung in dieser Best-of-3-Serie an.

Service

EHC Urdorf - EHC Engelberg-Titlis 4:3 (1:1, 0:2, 2:0, 1:0) n. Verl.

Weihermatt. – 190 Zuschauer. – SR: Rentsch, Frautschi.

Tore: 3. Hess 0:1. 6. Fischer (Leimgruber) 1:1. 26. Schuler (Kuster/Ausschluss Ambauen!) 1:2. 37. Ambauen (Eberli/Ausschluss Krummenacher!) 1:3. 42. Hauser (Blaser, Evangelista/Ausschluss Eberli) 2:3. 59. Gotti (Urdorf ohne Goalie) 3:3. 62. Gotti (Ausschluss Walter!) 4:3.

Urdorf: Wassmer; Hauser, Blaser; Schwarzenbach, Wiederkehr; Fee, Leimgruber; Karpf; Evangelista, V. Kiser, Gotti; Kubli, Zala, Walter; Kuoni, Uebersax, Fischer; Schwendener.

Strafen: 5 x 2 Minuten gegen Urdorf; 8 x 2 Minuten gegen Engelberg.

Bemerkung: Urdorf von 58:19 bis 58:45 ohne Torhüter.

Akademiker sind durch
Urdorf und Engelberg-Titlis treffen sich am Sonntag zum entscheidenden Spiel um den Einzug in den Playoff-Final (19 Uhr, Sportpark Engelberg). Bereits entschieden ist die Serie zwischen den Akademikern und Wetzikon II. Dank zwei Siegen (6:2 und 5:3) stehen die Stadtzürcher im Endspiel.