Oberengstringen
«Egoistisch, brutal und qualvoll»: Schwiegertochter des 84-jährigen Opfers muss sich vor Gericht wegen Mordes verantworten

Vor dem Bezirksgericht Dietikon muss sich morgen Freitag eine 35-jährige Frau wegen Mordes verantworten. Sie soll Anfang 2016 in Oberengstringen ihre 84-jährige Schwiegermutter getötet haben. Die Beschuldigte bestreitet die Vorwürfe.

David Egger
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Vom Strassenstrich in Lanzarote an die Glärnischstrasse in Oberengstringen: In diesem Gebäude geschah die Höllentat.

Vom Strassenstrich in Lanzarote an die Glärnischstrasse in Oberengstringen: In diesem Gebäude geschah die Höllentat.

David Egger

Nun wird klar, zu welchen Ergebnissen die Ermittler im Fall der getöteten Oberengstringer Rentnerin gekommen sind. Die 84-Jährige wurde von ihrem Sohn am Mittwoch, dem 27. Januar 2016 tot aufgefunden. Der Limmattaler Zeitung liegt die Anklageschrift der kantonalen Staatsanwaltschaft für Gewaltdelikte vor. Der Straftatbestand: Mord.
Beschuldigt wird die nigerianische Schwiegertochter des Opfers. Die Mittdreissigerin verbringt heute ihren 576. Tag hinter Gittern. Es handelt sich um Sicherheitshaft, da Fluchtgefahr besteht. Ihr Schweizer Ehemann, der zunächst drei Monate im Untersuchungsgefängnis einsass, ist heute auf freiem Fuss. Der ursprüngliche Tatverdacht gegen ihn hatte sich nicht erhärtet.

Auf Strassenstrich kennengelernt

Eine wichtige Rolle spielt der heute etwas über 50 Jahre alte Mann gleichwohl. Nicht nur brachte er die Ermittlungen mit seinem Notruf ins Laufen. Sondern da ist auch noch die Vorgeschichte, die in der Anklageschrift erzählt wird. Zusammengefasst: Als der Mann im April 2014 auf der kanarischen Insel Lanzarote Ferien machte, lernte er die Englisch sprechende Nigerianerin als Freier auf dem Strassenstrich kennen. Aus dem Sexgeschäft auf der warmen Vulkaninsel wurde eine Beziehung, die für die Ewigkeit gedacht war. Sie kulminierte im November 2015 in der standesamtlichen Heirat in Dietikon.

Es ist ein Muster: Schon 2008 entkam die Frau der Prostitution, damals dank einer Heirat im norditalienischen Monza. Doch endete die Beziehung mit dem Italiener bereits nach zwei Jahren. Daraufhin kehrte die Nigerianerin ins horizontale Gewerbe zurück. Die Schuld daran gab sie der italienischen Schwiegermutter.

Auch die Schweizer Schwiegermutter erschien ihr bedrohlich, wie die Staatsanwaltschaft schreibt. Die beiden Frauen hatten mehrmals Differenzen, bei denen es laut Anklageschrift auch um die Kinderfrage des Ehepaars ging. Diese und weitere Spannungen führten dazu, dass sie Angst bekam, ihren Schweizer Mann zu verlieren – und damit in letzter Konsequenz auch den höheren Lebensstandard und ihre Aufenthaltsbewilligung (B-Ausweis).

So gedieh der Entschluss, die Rentnerin zu exekutieren. Gelegenheit dazu bot sich genug. Die Beschuldigte, ihr Gatte und das Opfer wohnten zusammen in einer Wohnung an der Glärnischstrasse in Oberengstringen, die sich die Rentnerin zuvor mit ihrem Mann geteilt hatte, der vor wenigen Jahren verstorben war.

Technik eines Serienmörders

Als sich die Frau dann am 27. Januar 2016 auf die Rentnerin stürzte, wandte sie gemäss Anklageschrift eine spezielle Erstickungsmethode an, deren Name und Details die Limmattaler Zeitung hier nicht nennt. Die Technik wurde im 19. Jahrhundert von einem irisch-schottischen Serienmörder entwickelt. Nach der Tat legte die Nigerianerin die Leiche in das Bett der Rentnerin und deckte sie zu. Alle zwölf Rippenpaare des Opfers waren gebrochen.

«Massiv und hilflos unterlegen»

Um 19 Uhr meldete sich der Sohn bei der Einsatzzentrale der Kantonspolizei: Der Mutter würde es nicht gut gehen. Das teilte die Kantonspolizei zwei Tage später mit, nachdem sie das Ehepaar verhaftet und die Obduktion ergeben hatte, dass es sich um einen gewaltsamen Tod gehandelt haben muss.

Damit eine Tötung als Mord eingestuft wird, muss die Tat besonders skrupellos und verwerflich sein. Die Staatsanwaltschaft ist zum Schluss gekommen, dass das in Oberengstringen der Fall war.

Konkret schreibt sie, die Beschuldigte habe die Rentnerin in krass egoistischer Weise aus insgesamt nichtigem Anlass zwecks einer eigentlichen Elimination getötet. Und dies alles, um ihren Besitz- und Beziehungsstand mit ihrem Ehemann zu wahren. Weiter sei die Tat auch deswegen besonders skrupellos, weil die alte und gebrechliche Rentnerin der jungen und kräftigen Beschuldigten körperlich massiv und hilflos unterlegen war. Die Rentnerin sei gegenüber der Nigerianerin arglos gewesen und von ihr mit äusserst brutaler Körpergewalt in qualvoller Art und Weise umgebracht worden.

So weit also die Anklageschrift. Das geforderte Strafmass wird Staatsanwalt Michael Scherrer an der Gerichtsverhandlung bekanntgeben. Die Mindeststrafe für Mord beträgt zehn Jahre. Das Bezirksgericht Dietikon verhandelt den Fall am Freitag, dem 29. September.

Hinweis: Dieser Text erschien bereits am 24. August ein erstes Mal in der Limmattaler Zeitung. Im Hinblick auf den bevorstehenden Prozess morgen Freitag wurde er nochmals online gestellt.