Aesch
Egloffs Sessions-Bilanz: Ameisen, Bauchpinsler und das organisierte Geläuf

Neo-Nationalrat Hans Egloff (SVP) aus Aesch zieht Bilanz nach seiner erster Session. Fazit: Selbst für den Parlamentsroutinier – nach 16 Jahren im Zürcher Kantonsrat – hielt das Bundeshaus einige Überraschungen bereit.

Katja Landolt
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Hans Egloff vor dem Bundeshaus in Bern.

Hans Egloff vor dem Bundeshaus in Bern.

Nicole Button

Der neu gewählte SVP-Nationalrat Hans Egloff hat die ersten Wochen im Parlament hinter sich. «Sehr beeindruckende, aber auch anstrengende Wochen», wie der 52-Jährige sie selbst bezeichnet – die Wintersession mit der Vereidigung und der vorgängigen Vorbereitung, die Bundesratswahlen, die Fraktionssitzungen, die vielen neuen Bekanntschaften, die Wahl und das Einarbeiten in die Rechtskommission des Nationalrats, das Einleben in den Parlamentsbetrieb ganz allgemein.

«Ich bin beeindruckt von alldem, vom Haus, vom Betrieb, von den Abläufen», sagt Egloff. Selbst für den Parlamentsroutinier – nach 16 Jahren im Zürcher Kantonsrat – hielt das Bundeshaus aber einige Überraschungen bereit. «Es ist viel betriebsamer, viel ‹ameisiger›», sagt Egloff und erklärt: Den Wortmeldungen zuhören, dann Besprechungen in der Wandelhalle, für die Abstimmung rasch zurück in den Saal, wieder raus zu einem Medienschaffenden. Es sei aber ein durch und durch organisiertes Geläuf, sagt Egloff und lacht, er habe sich rasch daran gewöhnt. «Die Traktandenliste ist sehr genau, und wenn man sie lesen kann, sind die Zeitpunkte für die Abstimmungen gut voraussehbar.»

Bundesratswahlen – voraussehbar

Egloffs Erlebnis schlechthin während der Wintersession war bereits vor deren Beginn gesetzt: die Bundesratswahlen. «Die Aufregung hat sich in den Stunden vorher immer mehr zugespitzt», sagt er. Beeindruckt habe ihn die «Nacht der langen Messer»; der Menschenauflauf rund um das Hotel Bellevue sei bis in die Morgenstunden gewaltig gewesen.

«Die Nacht war kurz», sagt Egloff. Trotzdem sei er früh am Morgen voller Erwartungen im Bundeshaus eingetroffen – wo schliesslich die böse Überraschung folgte? Egloff verneint. «Bei nüchterner Betrachtung war es voraussehbar», sagt er, überrascht hätten ihn die Wahlresultate nicht. Enttäuscht habe ihn lediglich, wie reibungslos die Wiederwahl von Eveline Widmer-Schlumpf über die Bühne gegangen sei.

Die Bundesratswahlen hat Egloff wortwörtlich an vorderster Front miterlebt; er sitzt auf dem «Streberplätzchen» in der vordersten Reihe. «Der Platz ist perfekt, hier bekomme ich von der Debatte am meisten mit», sagt Egloff. Zwar habe er so keinen Überblick über die anderen Nationalräte, aber wer wie stimme, sehe er ja auf den Anzeigetafeln. «Und sonst drehe ich mich einfach um.» Die Platzwahl sei nichts Aussergewöhnliches, schliesslich habe er auch all die Jahre im Kantonsrat in der vordersten Reihe gesessen. Ausserdem habe er mit dem Aargauer Hans Killer einen angenehmen Sitznachbarn, der ihm als «Götti» unter die Arme greife.

Leichte Beute – von wegen

Frisch gewählte Nationalräte sind ein gefundenes Fressen für all jene, die ihre Interessen in Bern vertreten lassen möchten. Einen zentimeterdicken Stapel Briefe hat der Weibel täglich auf sein Pult gelegt; Einladungen zu Parlamentarieranlässen, Informationsveranstaltungen und Apéros, Mandatsanfragen für Verwaltungsräte und Vorstände, Schreiben von Privaten. Gebauchpinselt fühle er sich wegen der vielen Aufmerksamkeit nicht. Er sei keine leichte Beute, im Gegenteil: «Ich bin eher skeptisch und werde jedes Angebot sehr genau prüfen.»

Um der Papierflut Herr zu werden, braucht Egloff die Unterstützung seiner Mitarbeiter. «Die Erfahrung und Routine, die Unterlagen schnell zu sichten, Unwichtiges gleich auszusortieren und Wichtiges zu bearbeiten, geht mir noch ab.» Die Stapel bestehen aber nicht nur aus externer Post, sondern auch aus ratsinterner sowie den Geschäften – alleine der Stapel mit den zu behandelnden Ratsgeschäften, den Egloff vor der Session zugestellt bekommen hatte, mass beträchtliche 30 Zentimeter.

Kräfte bedacht einsetzen

Inzwischen hat sich Egloff von den Strapazen der Wintersession erholt, ist für einige Tage verreist, um Freunde zu besuchen. «Für mich ist Abwechslung Erholung, nicht stundenlanges Ausschlafen», sagt er. Trotzdem müsse er mit seinen Kräften sparsam umgehen – gerade auch, weil das Parlamentsmandat deutlich mehr Zeit beanspruche als im Vorfeld gedacht. Man habe ihm gesagt, er müsse mit einem Aufwand von einem 50-Prozent-Pensum rechnen, sagt Egloff. «Wenn man die Sache aber engagiert und beherzt angeht, beläuft sich das Pensum auf mindestens 70 Prozent.» Er müsse jetzt abwiegen, wie er seine Tätigkeit in seiner eigenen Anwaltskanzlei, das Präsidium des Zürcher Hauseigentümerverbands und das Parlamentsmandat unter einen Hut bekomme.

Eines steht für Egloff jedoch fest: «Die Kanzlei werde ich auf keinen Fall aufgeben.» Sie sei sein Broterwerb, sein zweites Standbein, seine Sicherheit. Die Kanzlei gewähre ihm die Unabhängigkeit, die Egloff sich auch als Bundespolitiker nicht nehmen lassen will. «Ich will mich nicht verbiegen, bloss um meinen Nationalratssitz behalten zu können. Meine Art zu politisieren werde ich nicht auf die Wiederwahl ausrichten.»