Auch mit einer perfekten Organisation ist man im Sessionsbetrieb in Bundesbern nicht vor Überraschungen gefeit. Dies mussten jene 40 Frauen und Männer feststellen, die am Ausflug des Frauenvereins Birmensdorf teilnahmen.
Die Exkursion wurde anlässlich des 125-Jahr-Jubiläums des Vereins geplant und führte die Reisegruppe ins Bundeshaus. Ein erster wichtiger Programmpunkt der Reise war ein Gespräch mit der Ständerätin Verena Diener. Doch bereits nach der Eingangskontrolle teilte die Bundeshausführerin Ursula Pfister der Gruppe mit, dass sich die Pläne geändert hatten: Statt der Zürcher Grünliberalen erwartete die Birmensdorfer die Aargauer FDP-Ständerätin Christine Egerszegi.
Diener sei verhindert, weil sie in ein wichtiges Geschäft involviert sei, erklärte Egerszegi. «Das kann während der Session schon mal vorkommen.» Rund eine Stunde lang plauderte die Aargauerin aus dem Nähkästchen über den Parlamentsbetrieb und beantwortete Fragen der Birmensdorfer Reisegruppe.

Als Ständerätin erhalte man oft böse Post, erklärte Egerszegi. «Man braucht als Parlamentarierin eine harte Schale, damit der Kern weich bleiben kann.»

«Saubriefe» nett beantwortet

Sie habe sich angewöhnt, die schlimmsten «Saubriefe» besonders freundlich zu beantworten, was oft missverstanden worden sei. So geschehen etwa im Zusammenhang mit den Krankenkassenprämien, die einige Kantone zu viel und andere zu wenig einbezahlt hatten. Ein Mann schrieb ihr per Mail: «Wir wollen unser Geld zurück, du Sauschlampe.» Worauf sie ihm geantwortet habe: «Sie sind einfach ein Schatz.» Von dieser Reaktion offenbar irritiert, schrieb der vormals so unhöfliche Kritiker, sie habe ihn falsch verstanden - er sei verheiratet und nicht an ihr interessiert.

Nach der Gesprächsrunde mit der FDP-Ständerätin wollten die Teilnehmenden auch den Sitzungen von Stände- und Nationalrat beiwohnen. Allerdings war die Zeit während der Ausführungen Egerszegis so weit fortgeschritten, dass die Parlamentarier bereits im Aufbruch zum Mittagessen begriffen waren. Dafür wartete Führerin Ursula Pfister mit einigen überraschenden Informationen zum Parlamentssaal auf.

«Blochertaste» sorgte für Lacher

Für Gelächter sorgten vor allem ihre Ausführungen zu einem technischen Detail des elektronischen Abstimmungsprozederes - dem sogenannten «Blocherknopf». An jedem Parlamentarierpult sind insgesamt vier Knöpfe angebracht. Einer steht für Zustimmung, einer für Ablehnung und einer für Enthaltung. Um ihre Stimme abzugeben, müssen die Parlamentarier und Parlamentarierinnen gleichzeitig immer einen vierten Knopf drücken.

Diesen Knopf habe man eingeführt, weil einige Nationalräte jeweils für den Nachbarn mit abgestimmt hätten, wenn sie nicht anwesend gewesen seien, sagte Pfister. Wenn beide Hände beschäftigt sind, sei diese Wahlverfälschung unmöglich. «Ich will hier keine Täter nennen. Der Name der Taste sagt aber bereits viel.» Im Anschluss konnten die Birmensdorferinnen der Bundeshaus-Kennerin Fragen stellen. Ob es auch eine Simultanübersetzung in Rumantsch gebe, wollte jemand wissen. «Nein», antwortete ihr Pfister, «das Rätoromanisch ist zwar eine Landes- aber keine Amtssprache.»

Auf die Führung folgte das Essen

Den Abschluss des Ausflugs bildete ein gemeinsames Mittagessen. Dabei sprach die Birmensdorfer Reisegesellschaft über die Eindrücke, die sie aus dem Bundeshaus mitgenommen haben. Ein älterer Herr sagte, er sei bereits zum dritten Mal während einer Session nach Bern gereist. «Ich habe aber auch diesmal wieder viel erfahren, das mich überraschte.» Monika Auer, die Präsidentin des Frauenvereins, äusserte sich sehr zufrieden. «Wir waren schon früh ausgebucht und die Organisation war perfekt. Es war ein spannender Tag.»