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E-Book und Soziale Medien: Was es heutzutage bedeutet, zu lesen

Bücher oder E Book Reader?

Bücher oder E Book Reader?

Bibliothekswissenschaftler Rudolf Mumenthaler über das Lesen in unserer Gesellschaft und die Entwicklungen von Bibliotheken und Buchhandel.

Was für einen Status hat das Lesen heutzutage?

Rudolf Mumenthaler: Lesen ist vielseitiger geworden. Es gibt neue Formen des Lesens mit eher kürzeren Texten, etwa in den sozialen Medien. Die Aufmerksamkeitsspanne junger Menschen nimmt tendenziell ab, deshalb lesen sie lieber in kürzeren Einheiten.

Wieso haben junge Menschen mehr Mühe, beim Lesen länger am Stück aufmerksam zu sein?

Die Hektik der heutigen Medien mit mobiler Nutzung auf dem Smartphone führt dazu, dass wir vieles gleichzeitig erledigen und weniger auf eine Tätigkeit konzentriert sind.

Es werden immer weniger Bücher gelesen. Wie sehen Sie diese Entwicklung?

Ich fände es nicht gut, wenn unsere Lesekompetenz abnimmt. Um aktiv an einer Gesellschaft teilzunehmen, muss man lesen können. Nur schon zum Verstehen von Abstimmungsunterlagen muss man komplizierte Texte entschlüsseln können. Auch als Kulturgut bereichert das Lesen extrem. Mit Büchern können Kinder etwa ihren Wortschatz stark erweitern, denn im Alltag brauchen wir meist nur wenige tausend Worte.

Rudolf Mumenthaler.

Rudolf Mumenthaler.

Wie kann man junge Menschen wieder vermehrt fürs Lesen begeistern?

Gute Bücher sind das beste Rezept, um neue Leser zu erreichen und zu begeistern. Durch die Harry-Potter-Reihe hat das Lesen etwa bei Kindern und Jugendlichen einen grossen Schub erhalten.

Schulbücher werden grösstenteils immer noch auf Papier gedruckt. Sollte dies geändert werden?

Ich denke, es braucht beides und es ist wichtig, beides zu unterstützen. Ein Vorteil vom elektronischen Lesen ist, dass man viel weniger mit sich herumschleppen muss. Um schnell etwas nachzuschauen, bevorzugen viele Schüler und Studierende elektronische Medien. Aber zum Lernen wollen die meisten lieber gedruckte Bücher, um auch Sachen anstreichen und sich Notizen machen zu können.

Im Limmattal haben viele Gemeinden noch eine eigene Bibliothek. Wie schätzen Sie ihre Aussichten ein?

Bibliotheken verzeichnen vielfach einen Rückgang der Ausleihzahlen, der zum Teil mit elektronischer Ausleihe und der Erweiterung des Angebots wettgemacht wird. Bibliotheken, die sich bewegen und aktiv auf ihre Nutzer zugehen, werden auch weiter gute Aussichten haben. In der Bibliothekswelt werden vermehrt neue Funktionen des Raums diskutiert, um attraktiv zu bleiben. So werden etwa Lesungen oder lesefördernde Veranstaltungen für Kinder und Jugendliche organisiert. Damit bringt man das Buch auf andere Wege an die Nutzer.

Wie sieht es mit dem Buchhandel aus? Gibt es Unterschiede zu den
Bibliotheken?

Der Buchhandel ist stärker dem kommerziellen Druck unterworfen – gerade auch durch internationale Konkurrenten wie Amazon. Buchhandlungen werden schneller zugemacht, wenn sie nicht mehr rentieren, weil sie nicht den gleichen kulturellen und bildungstechnischen Auftrag wie Bibliotheken haben und auch keine Unterstützung der öffentlichen Hand erhalten.

Wie stosse ich als Leser auf neue, spannende Bücher?

Mundpropaganda funktioniert bei der Suche nach neuen Büchern immer noch am besten. Lesezirkel, wo in Gruppen gemeinsam Bücher gelesen werden, sind auch eine Möglichkeit. Oder gehen Sie doch mal in der lokalen Bibliothek vorbei, dort bekommt man viele Tipps. Online haben viele Plattformen Empfehlungsfunktionen.

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