Rechtes Limmattal
Durch die Quartiere – das sind die 18 Fakten zur Grossumleitung

Die flankierenden Massnahmen zur dritten Gubrist-Röhre bringen dem rechten Limmattal unter anderem Millionen-Investitionen, neue Kreisel, lärmarme Beläge, Fahrbahnhaltestellen und eine grosse Umleitung. Wir beantworten die 18 drängendsten Fragen.

David Egger
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Die Umleitung während der Bauzeit führt durch die Quartiere
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Wegen der Sanierung von Werkleitungen wird in Unterengstringen an der Hauptverkehrsachse gebaut
In den Gemeinden Oetwil, Geroldswil, Weiningen und Unterengstringen wird bis ins nächste Jahrzehnt die Hauptverkehrsachse saniert. Je nach Dorf heisst sie Limmattalstrasse, Badenerstrasse oder Zürcherstrasse.
Diese Woche wurde das Umleitungskonzept vorgestellt, während mindestens eines Jahres wird der Verkehr in Richtung Westen durch Gemeindestrassen von Weiningen, Geroldswil und Oetwil geführt.
Von der Umleitung ist auch das linke Limmattal betroffen: Der Schwerverkehr wird über Dietikon geleitet, über die Niederholzstrasse, die Überlandstrasse und die Mutschellenstrasse. Das Dietiker Gebiet Silbern soll also von zusätzlichen LKWs verschont bleiben.
In Unterengstringen ist nun die erste Baustelle losgegangen. Vorerst geht es um die Sanierung der Werkleitungen. Ab April geht es dann richtig mit dem Strassenbauprojekt los.
Die letzte Baustelle wird voraussichtlich 2021 starten. Dannzumal geht es um die Kreuzung von Zürcherstrasse und Umfahrungsstrasse in Weiningen beim Gubrist-Portal.

Die Umleitung während der Bauzeit führt durch die Quartiere

Mario Heller

Er ist gefallen, der Startschuss zur Sanierung und Umgestaltung der Verkehrsachse des rechten Limmattals. Vom östlichsten Rand von Weiningen bis nach Unterengstringen hinein sind nun Teile des Strassenraums der Zürcherstrasse bereits aufgerissen, um die Werkleitungen zu sanieren. Viele weitere Baustellen werden die Region noch bis ins nächste Jahrzehnt begleiten.

Dieses Jahr trifft es neben der Zürcherstrasse auch noch den westlichen Teil der Umfahrungsstrasse in Weiningen sowie die Limmattalstrasse in Geroldswil und Oetwil. Ein Grossprojekt, das Umleitungen nötig macht. Diese Woche stellte das Zürcher Tiefbauamt nun das mit Spannung erwartete Verkehrsführungskonzept vor. Wir beantworten die wichtigsten Fragen. Ein Teil davon wurde auch an den drei Infoabenden in den betroffenen Gemeinden gestellt.

Geroldswil: So sieht das Verkehrsführungskonzept für Autos und Velos aus
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Oetwil: So sieht das Verkehrsführungskonzept für Autos und Velos aus
Das ist die Umleitung für den Schwerverkehr in Richtung Westen
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Weiningen/Geroldswil Ost: Das sind die Umleitungen für den öffentlichen Verkehr
Geroldswil/Oetwil: Das sind die Umleitungen für den öffentlichen Verkehr

Geroldswil: So sieht das Verkehrsführungskonzept für Autos und Velos aus

Kanton Zürich/Baudirektion Tiefbauamt

1. Was passiert jetzt genau auf der Zürcherstrasse in Unterengstringen?

Im April startet das eigentliche Strassenbauprojekt. Dieses sieht zusätzlich zur Sanierung insbesondere einen grünen Mittelstreifen mit Bäumen vor sowie behindertengerechte Fahrbahn-Bushaltestellen. Im Oktober endet die Bauzeit. Wegen der sehr breiten Strasse braucht es keine Umleitung. Ausnahme: An den zwei Wochenenden des Belagseinbaus gilt ein Einbahnregime Richtung Ost.

2. Was ist bei der Umfahrungsstrasse in Weiningen geplant?

Vom Bereich Dietikonerstrasse bis zur Fahrweidstrasse in Geroldswil wird ganz normal die Strasse instand gesetzt. Geplante Bauzeit: April bis August 2017.

3. Die Limmattalstrasse in Geroldswil erhält einen Kreisel – und sonst?

Zusätzlich zum Kreisel bei der Gemeindehausstrasse gibt es neue Fussgängerstreifen mit Schutzinsel bei der Stettenstrasse, beim neuen Kreisel, beim Gmeindhüsliweg und beim Spitzacherweg. Zudem werden die Bushaltestellen behindertengerecht, die Haltestellen Dorfstrasse werden neu zu Fahrbahnhaltestellen. Geplante Bauzeit: April 2017 bis April 2018.

4. Und was gibt es in Oetwil zum Kreisel bei der Dorfstrasse dazu?

Die Trottoirs werden neu zwei Meter breit. Die Bushaltestelle wird behindertengerecht. Zudem gibt es neue Fussgängerübergänge mit Schutzinseln bei der Bohnäckerstrasse und bei der Poststrasse. Bauzeit: Juni bis Dezember 2017.

5. Das Grenzgebiet Oetwil-Geroldswil ist ein eigenes Teilprojekt. Was passiert dort?

Beim Grenzweg entsteht ein neuer Fussgängerstreifen mit Schutzinsel und die neuen, behindertengerechten Bushaltestellen (die Haltestelle Geroldswil Schweizäcker ist schon heute eine Fahrbahnhaltestelle). Bauzeit: April bis November 2017.

Der Bau-Zeitplan im Kurz-Überblick

04.2017.-08.2017.

6. Wo gibt es einen lärmarmen Belag und warum eigentlich?

Der lärmarme Belag zieht sich vom Spitzacherweg in Geroldswil bis nach Oetwil, kurz nach der Garage Dittli. Es handelt sich um einen Test. Darum gibt es den lärmarmen Belag nicht auf der ganzen Strecke – nur so haben die Messfahrzeuge die nötigen Vergleichswerte. Sollte der Belag den Lärm dereinst nicht mehr wie vorgegeben reduzieren, wird ein Ersatz oder andere Lärmschutzmassnahmen nötig, um die Vorgaben des Bundes hinsichtlich Lärm zu erfüllen.

7. Wann beginnen die Umleitungen?

Im April – dann starten die Projekte im Grenzgebiet Oetwil-Geroldswil, in Geroldswil selbst, in Unterengstringen und bei der Weininger Umfahrungsstrasse.

8. Die Umleitung ist doch einfach ein Umweg – ist die echt nötig?

Es ginge auch ohne: Dann würden die Baustellen nacheinander abgefertigt, mit durch Rotlichter geregelten Einbahnverkehr bei der Baustelle. Dann würden sich die genannten Projekte aber auf mindestens vier Sommer verteilen.

9. Die Umleitung geht an Schulen vorbei – ist das nicht gefährlich?

Das kommt natürlich immer darauf an, wie besonnen die Autofahrer sind. Das Tiefbauamt verspricht jedenfalls, die Lage bei Kindergärten, Schulen und bei Schulwegkreuzungen besonders im Auge zu behalten. In Oetwil werden an vier neuralgischen Punkten private Verkehrsdienstler zum Rechten schauen – «solange wie nötig.» Bei anderen Projekten hiess das eine bis zwei Wochen, da sich Kinder und Verkehrsteilnehmer schnell an die neue Situation gewöhnt hatten.

10. Wie viel Verkehr wird es auf der Umleitungsachse haben?

Weniger als heute auf der Limmattalstrasse. Denn Lastwagen, die nach Westen unterwegs sind, müssen über Dietikon fahren und lassen Geroldswil und Oetwil rechts liegen. Auf der nördlichen Umleitungsachse sind LKWs nur als Zubringerdienst erlaubt, zum Beispiel der LKW für die Züglete eines Anwohners. Auch Autos soll es auf der Umleitung weniger haben als heute auf der Limmattalstrasse. Laut Tiefbauamt nimmt bei Umleitungen die Fahrzeugzahl innert Tagen um bis zu 20 Prozent ab. Angesichts der Tempo-30-Zone auf der Badenerstrasse in Weiningen sowie engen Platzverhältnissen in Geroldswil und Oetwil könnte dieser Wert hier erreicht werden. Denn die Umleitung ist unattraktiv für Auswärtige, die zum Beispiel von Oberengstringen nach Wettingen fahren wollen. Aber: Die Anwohner spüren während der Umleitung eine ungewohnte Verkehrsbelastung – daran gibt es nichts zu rütteln.

Weiningen Gubrist Kahlschlag
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Die Abholz-Arbeiten begannen am 10. Oktober und dauerten gut eine Woche. Für den Zeitpunkt gab es einen speziellen Grund...
Während der Vogelbrutzeit von März bis September sind nämlich keine Holzschlagarbeiten erlaubt.
Die abgeholzten Stellen wirkten zwar etwas trist...
...aber entlang der Autobahn zeigten die Bäume weiterhin ihr herbstliches Farbenspiel.
Und das grüne Weininger Grüezi-Schild kam jetzt besonders gut zur Geltung, da es von viel Braun umgeben ist.
Beim Tunnel-Portal zeigte sich eindrücklich der Übergang von der abgeholzten zur weiterhin bewachsenen Fläche. Und hier soll es dank des Gubrist-Ausbaus künftig keinen Stau mehr geben.

Weiningen Gubrist Kahlschlag

deg

11. Wie fährt der öffentliche Verkehr während der Bauzeit?

Die Buschauffeure halten sich im Prinzip ans gleiche Verkehrskonzept wie die Autos. Für die Buslinien 302 und 304 ändert sich insbesondere, dass sie auf dem Rückweg nach Weiningen über die Umfahrungs- und die Dietikonerstrasse fahren statt über die Badenerstrasse. Auf der Dietikonerstrasse gibt es eine provisorische Haltestelle. Der 301er nach Oetwil fährt neu in Westrichtung über die Gemeindestrassen und in Ostrichtung über die Limmattalstrasse, also genau umgekehrt wie heute. In Geroldswil und Oetwil sind insgesamt acht provisorische Haltestellen nötig. Auch für den Nachtbus N30 gilt das Umleitungsregime.

12. Wieso wird die Schweizäckerstrasse in Oetwil geöffnet?

Die heutigen Betonblumentöpfe werden für die Umleitungszeit entfernt, sonst wäre die Umleitung unmöglich. Der Oetwiler Gemeinderat hat versprochen, dass die Durchfahrtssperre nachher wieder installiert wird. Ein Buebetrickli ist daher nicht zu befürchten.

13. Weichen die Autofahrer auf die Oetwiler Rebackerstrasse aus?

In Richtung Osten sicher nicht, auf der Limmattalstrasse kommt man schneller vorwärts. Sollte die Strasse zur Ausweichroute Richtung Westen werden, will der Kanton während der Bauzeit entsprechende Massnahmen ergreifen.

14. Werden die Parkplätze beim Beck in Geroldswil aufgelöst?

Nein. Die Geroldswiler sollen auch künftig komfortabel mit dem Auto ihr Brot holen können. Darum gilt dort ein Einbahnregime, so kommen Parkierende und Vorbeifahrende aneinander vorbei. Auf der ganzen Strecke werden nur zwei bis drei eingezeichnete Parkplätze während der Bauzeit aufgelöst.

15. Welche Frage zum Thema wird am häufigsten gestellt?

Warum werden heute Fahrbahnhaltestellen statt Busbuchten gebaut? Laut Bus-Experten sichern Fahrbahnhaltestellen den Taktfahrplan, beruhigen den Verkehr, behindern ihn aber nicht allzu sehr, da grundsätzlich jeweils nach zwei Fahrbahnhaltestellen eine Busbucht kommt. Dort können Autofahrer überholen.

16. Welches Projekt kommt als nächstes?

Dietikoner-, Badener-, Zürcher- und Regensdorferstrasse in Weiningen werden von Juli 2018 bis Juli 2020 rundumerneuert. Hier steht das Umleitungskonzept noch nicht definitiv fest. Voraussichtlich ab 2020 kommen die Fahrweidstrasse sowie die Verlegung der Niederholzstrasse dran, ab 2021 dann die Kreuzung von Umfahrungs- und Zürcherstrasse in Weiningen. Ob es dort einen Kreisel gibt oder nicht, ist ebenfalls noch offen.

17. Ich habe alle drei Informationsabende verpasst - wo finde ich die Powerpoint-Präsentation?

Auf der Website der Gemeinden, des Kantons und direkt hier:

Kanton Zürich/Baudirektion Tiefbauamt

18. Gab es an den Informationsabenden auch etwas zu lachen?

Aber sicher doch - hier finden Sie die Randnotizen des Redaktors:

Glosse: Die vielen Wanderprediger und die verflixte Postleitzahl

Die Fahrweid ging vergessen

Dumm gelaufen: Die Fahrweid erhielt zuerst keine Einladungen für die drei Informationsabende in Geroldswil, Weiningen und Oetwil. Das Tiefbauamt hatte das Grossquartier vergessen, da es eine eigene Postleitzahl hat. Als das auffiel, durfte sich die Post dann über einen Express-Versand-Auftrag freuen.

Auch während der Bauzeit will das Tiefbauamt die Bevölkerung gut informieren, auch mit Flugblättern. «Achten Sie sich also gut, wenn Sie in den nächsten Monaten den Briefkasten leeren. Die Werbung und die Rechnungen können sie weiterhin entsorgen, nicht aber unsere Flugblätter», betonte Baudirektionssprecher Thomas Maag.

Duschen mit Machiavelli - oder lieber Grönemeyer?

Der schöne neue Strassenbelag wird eine Freude sein, nicht aber die grossen Baustellen und Umleitungen. «Sie müssen sich das so vorstellen: Wenn Sie zu Hause das Badezimmer renovieren, können Sie darin auch nicht duschen», meinte dazu der Geroldswiler Gemeindepräsident Michael Deplazes. Und zitierte Niccolò Machiavelli: «Eine Veränderung bewirkt stets eine weitere Veränderung.» Woraufhin Thomas Maag vom Kanton meinte, er halte es da mehr mit Herbert Grönemeyer:
«Alles bleibt anders.»

Wer die Beamten zu Pilgern machte

Maag und die anderen Tiefbauämtler hatten diese Woche gleich vier Informationsabende zu bestreiten: Neben Geroldswil, Weiningen und Oetwil auch noch einen in Volketswil. «Die Herren Wanderprediger und Pilger sind heute da, um Ihre Fragen zu beantworten», meinte daher Gemeindepräsident Hanspeter Haug zur Begrüssung beim Weininger Informationsabend. «Diese Bezeichnung ist gar nicht so falsch», stimmte Maag zu.

Im rechten Limmattal zu Gast - und Wein getrunken?

Nach getaner Arbeit hatten sich die Pilger und die Einwohner etwas Verköstigung verdient. Die Apéros wurden diese Woche vom Tiefbauamt offeriert. Den Limmattaler Wein liessen die Kantonsbeamten links liegen – standesgemäss waren die Strassenbauer mit dem Auto ins Limmattal gekommen.

Als Autofahrer wissen sie also, von was sie reden. Gleichwohl passieren aber auch den Strassenexperten verkehrliche Missgeschicke: «Ich bin auch schon im Stau von Baustellen gelandet, die ich selber kommunizierte habe», offenbarte Maag. Der Mann weiss: Mit Humor lässt sich eine Umleitung schon viel besser verkaufen.

Mal schnell den «Pneukiller»-Randstein markiert

Und weil der Teufel oft im Detail steckt, kümmert sich der Kanton nicht nur mit Humor und Grossinvestitionen um das schöne Limmattal. Auch mit weisser Farbe ist das Tiefbauamt bewaffnet. Nachdem die Limmattaler Zeitung Anfang Woche berichtet hat, dass in Geroldswil diverse Autofahrer ihre liebe Mühe mit einem Randstein hatten – sie zerstörten daran ihre Pneus –, dauerte es nicht mehr als einen Tag und das im Artikel zitierte Versprechen, den Randstein weiss zu markieren, wurde eingelöst.

Ja, die Fahrweid will auch

Aus der Fahrweid wurde auch die Frage gestellt, was denn dort geplant sei. Hat man sie etwa gleich zweimal vergessen? Zum Glück nicht. Nur die Planung ist noch nicht so weit. Umgestaltung der Fahrweidstrasse und Verlegung der Niederholzstrasse sind für 2020 geplant. Wir halten Sie weiter auf dem Laufenden. (deg.)