«Wir sind wie zwei keifende Waschweiber auf den Boden gefallen und haben uns im Rollen gegenseitig an den Haaren gerissen», erinnerte sich eine heute 42-jährige Mutter gestern vor dem Bezirksgericht Dietikon an den 23. April 2013. Damals hielt sich die Spanierin im Treppenhaus ihrer Dietiker Liegenschaft auf und sprach mit einer Schweizer Anwohnerin. Plötzlich tauchte eine mazedonische Nachbarin im unteren Stock auf und beschwerte sich bei der Ibererin, dass diese erneut ihren Kinderwagen umgestellt habe.

Schimpfwort «Nutte» als Auslöser

Als ihr die 28-jährige Frau vom Balkan verbot, künftig ihren Kinderwagen anzufassen, reagierte die Spanierin sogleich: Sie beschimpfte ihre Nachbarin ausgerechnet auf jugoslawisch als «Kurva», was nichts anderes als «Nutte» bedeutet. Nach der rhetorischen Frage der Mazedonierin, wer hier eigentlich die «Nutte» sei, ging es zur Sache. Die beiden Hausfrauen gingen laut Anklage aufeinander los.

Fest steht, dass sich die beiden aufgebrachten Damen nicht nur gegenseitig kratzten, sondern auch schlugen und sich an den Haaren rissen. Zum Schluss folgte ein Ringkampf auf dem Boden. Bis ein italienischer Nachbar eingriff und die beiden Frauen für kurze Zeit auseinanderbrachte. Daraufhin flüchtete die Spanierin in ihre Wohnung und alarmierte die Polizei. Ein Anruf mit rechtlichen Folgen. So erhob die Staatsanwaltschaft im letzten Februar gegen beide Frauen Anklage. Wegen Beschimpfungen und Tätlichkeiten. Bezeichnenderweise stellte die zuständige Staatsanwältin bei beiden Beschuldigten die gleichen Strafanträge: bedingte Geldstrafen von 30 Tagessätzen zu 30 Franken sowie Bussen von je 300 Franken Busse. Verbunden mit einer hälftigen Kostenauflage.

Beide sprechen von Notwehr

Vor Gericht sprachen beide Mütter von Notwehr: «Sie hat sich wie eine Irre auf mich gestürzt», sagte die Mazedonierin und sprach auch von Mobbing. Man habe ihrer Familie inzwischen die Wohnung gekündigt, beschwerte sie sich. Anders sah es die Spanierin: «Sie ist mit ihren Armen rudernd wie ein Propeller auf mich losgegangen.»

Dann kamen die Anwälte an die Reihe. Sie verlangten jeweils Freisprüche für ihre Klientinnen und andererseits die Verurteilung der Gegenseite. Der Vertreter der Mazedonierin verlangte ein Schmerzensgeld von 500 Franken. Der Gegenanwalt forderte einen Schuldspruch wegen Körperverletzung.

Das Gericht wird das Urteil voraussichtliche heute eröffnen. Einen möglichen Vergleich soll die Mazedonierin ausgeschlagen haben. (ATT)