Umgangsformen
«Du, Chef»: In Limmattaler Firmen wird auf das Siezen häufig verzichtet

Ganz nach amerikanischem Duzen sich auch hierzulande Angestellte und Vorgesetzte immer mehr. Auch Unternehmen in der Region kennen die Duz-Kultur. Die Gründe dafür sind aber unterschiedlich.

Anina Gepp
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Kritiker befürchten, dass durch das Duzen am Arbeitsplatz die nötige Distanz und der Respekt zwischen Mitarbeitern und Vorgesetzten verloren geht.Keystone

Kritiker befürchten, dass durch das Duzen am Arbeitsplatz die nötige Distanz und der Respekt zwischen Mitarbeitern und Vorgesetzten verloren geht.Keystone

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Was bei Firmen in den Vereinigten Staaten ganz normal ist, wird auch in der Schweiz immer alltäglicher. Das Duzen auf der Arbeit ist längst keine Seltenheit mehr. Vor allem viele international tätige Firmen mit Sitz in der Schweiz verfolgen diese Philosophie. Mit jedem Mitarbeiter per Du ist man beispielsweise bei Johnson & Johnson, der Ikea oder bei Microsoft. Doch es gibt auch schweizerische Firmen, in denen sich die Duz-Kultur schon etabliert hat. Bei der Swisscom, Sunrise und der Postfinance sprechen sich alle nur mit Vornamen an.

Begeistert von der grassierenden Duz-Kultur sind aber nicht alle Firmeninhaber. Denn nicht immer hat das gegenseitige Du die erhoffte Wirkung. Ein zu schnelles Duzen kann unangebracht und anbiedernd wirken. Kritiker befürchten, dass der Umgang in der Firma zu kumpelhaft werden könnte oder dass die notwendige Distanz zwischen Mitarbeitern und Vorgesetzten verschwinde.

Eine Frage des Respekts

Bei der Sax-Farben AG in Urdorf beispielsweise, sind zwar die Mitarbeiter untereinander per Du, den Chef jedoch sprechen alle – ausgenommen von der Geschäftsleitung – mit Sie an. Ein Reglement, wo das festgehalten werde, gebe es aber nicht, sagt Geschäftsführer André Sax. «Das hat sich über die Jahrzehnte einfach so eingespielt.» Als eingesessene 125-jährige Schweizer Firma habe noch niemand darüber nachgedacht, eine Duz-Kultur nach amerikanischem Vorbild für das gesamte Unternehmen einzuführen. «Ich kann mir vorstellen, dass die Mitarbeiter es gar nicht wünschen, den Geschäftsführer ebenfalls mit dem Vornamen anzusprechen.» Sich Sie zu sagen, wahre einen angemessenen Respekt voreinander.

Wer im Job wem das Du anbietet

Das Du setzt sich in der Arbeitswelt immer stärker durch. Viele Führungskräfte sprechen Kunden oder Teams mittlerweile in der zweiten Person Plural an, um Vertrauen herzustellen. Doch wer darf eigentlich wem das Du anbieten? Nach Knigge ist es so, dass der Ranghöhere das Du anbietet. Unter Gleichrangigen geht die Initiative vom Älteren aus. Das bedeutet in der Berufspraxis: Der junge Vorgesetzte darf dem älteren Mitarbeiter die vertrauliche Anrede anbieten, aber nicht der ältere Mitarbeiter dem jungen Chef. Grundsätzlich darf das Angebot des gegenseitigen Duzens abgelehnt werden, wenn es einen guten Grund dafür gibt. Beispielsweise dann, wenn Kunden das Du anbieten. Dass ein Unternehmen während laufender Projekte lieber per Sie sein will, ist legitim. (gep)

Am Funkgerät ist jeder per Du

Ebenfalls per Du sind die Angestellten der Sicherheitsfirma Outsec AG in Dietikon. Bis zum Firmeninhaber spricht man sich hier nur mit Vornamen an. Einzig bei neuen Mitarbeitern sei es üblich, sich zu Beginn noch zu siezen, sagt Sicherheitsmitarbeiter Daniel Paunovic. Das Du werde nach der bestandenen Probezeit von den Kollegen angeboten.

Nicht per Sie zu sein, sei gerade für ein Sicherheitsunternehmen von Vorteil, da auch Kadermitarbeiter nicht nur im Büro tätig seien, sondern mit vor Ort als Sicherheitsleute im Einsatz stehen. «Die Kommunikation per Funkgerät ist um ein Vielfaches einfacher, wenn man sich mit Du ansprechen kann», so Paunovic. Auch für die Teambindung sei die Duz-Kultur ein klarer Pluspunkt, da es sich positiv auf das Betriebsklima auswirke, wenn der Umgangston freundschaftlicher ist.