Limmattal
Drohender Tram-Engpass: Die Verkehrsbetriebe haben einen Plan B für die Linie 2

Fällt die Beschaffung der neuen Trams ins Wasser, könnte etwa die Arbeitszeit beim Unterhaltsdienst ausgeweitet oder Trams geliehen werden. Derweil wird die Bestellung des Rollmatrials der Limmattalbahn vorbereitet

Alex Rudolf
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Der VBZ droht in den kommenden Jahren ein Engpass: Blick ins Tramdepot an der Elisabethenstrasse (Symbolbild)

Der VBZ droht in den kommenden Jahren ein Engpass: Blick ins Tramdepot an der Elisabethenstrasse (Symbolbild)

Keystone

Wenn ab 2019 das 2-er-Tram nicht mehr beim Zürcher Farbhof wendet, sondern bis in die Schlieremer Geissweid weiterfährt, brauchen die Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ) zwei zusätzliche Tram-Kompositionen dafür. Dies sowie die Verlängerung des 8-er-Trams über die Hardbrücke sind Gründe für die Beschaffung von rund 70 neuen Trams. Am Dienstag gab das Verwaltungsgericht bekannt, dass die Tram-Bestellung vorangetrieben werden darf, obwohl die unterlegenen Anbieter Stadler Rail und Siemens gegen die Vergabe an Bombardier Beschwerde eingereicht hatten. Diese könnten den Entscheid nun bis vor Bundesgericht weiterziehen – eine Verzögerung ist also noch nicht gebannt.

Doch was bedeutet dies für die Tramverlängerung nach Schlieren? Thomas Riesen von den VBZ sagt auf Anfrage, dass man sich für den Fall einer weiteren Verzögerung verschiedene Optionen offenhalte, wie mit dem Fahrzeugmangel umgegangen werde. Dies könne eine Reduktion oder komplette Einstellung von Extrafahrten, die Ausweitung der Arbeitszeiten im Unterhaltsdienst, das Mieten von Trams anderer Betreiber oder – notfalls – die partielle Einstellung von Tramlinien sein, so Riesen. «Wir werden aber alles daransetzen, dass die wichtige Verlängerung der Linie 2 in jedem Fall wie geplant gefahren werden kann.»

Elf Tramkompositionen verkehren derzeit auf der Linie 2, die den Bahnhof Tiefenbrunnen und den Farbhof verbindet. Nach der Verlängerung nach Schlieren werden 13 Kompositionen notwendig sein. Doch heisst dies nicht, dass die neu angeschafften Trams auf diesem Kurs verkehren werden. «Nach der Inbetriebnahme werden diese dort auf dem VBZ-Netz eingesetzt, wo es aufgrund der jeweiligen Kapazitätsnachfrage am sinnvollsten ist», so Riesen. Wo dies sein werde, könne momentan noch nicht festgelegt werden. Derzeit verkehren auf der 2-er-Linie Fahrzeuge der Modelle «Tram 2000» und «Cobra».

BDWM entscheidet im 2018

Nicht nur die VBZ benötigen neues Rollmaterial. Auch für die Limmattalbahn, die 2022 zwischen dem Bahnhof Zürich-Altstetten und Killwangen-Spreitenbach den Betrieb aufnehmen soll, werden neue Stadtbahnfahrzeuge gebraucht. Genauer gesagt acht. «Derzeit erstellen wir das Pflichtenheft, in welchem wir festschreiben, was diese tramähnlichen Fahrzeuge alles können müssen», sagt Severin Rangosch, CEO der BDWM Transport AG (Bremgarten-Dietikon-Wohlen-Meisterschwanden-Bahn). Seit vergangenem Mai ist klar, dass die Kantone Aargau und Zürich sowie das Bundesamt für Verkehr die BDWM Transport AG zum Betreiber der Limmattalbahn wählen. Weiter soll das Pflichtenheft, in dem technische Daten wie Stromsysteme oder Anzahl Türen festgeschrieben sind, Ende Jahr stehen, sodass die Ausschreibung stattfinden kann. Die Züge, welche die BDWM-Bahn aktuell zwischen Dietikon und Bremgarten einsetzt, stammen aus den Werken von Stadler Rail, wie Rangosch sagt. Er rechnet damit, dass neben Stadler Rail mit Siemens und Bombardier die gleichen Unternehmen eine Offerte einreichen, die auch um den VBZ-Auftrag buhlten.

Die Kosten für die acht Fahrzeuge schätzt Rangosch zum heutigen Zeitpunkt auf rund 50 Millionen Franken. Finanziert werde dieser Betrag von den beiden Kantonen. «Gut möglich, dass wir mit anderen Verkehrsunternehmen, die ebenfalls neues Rollmaterial benötigen, eine gemeinsame Bestellung aufgeben», so Rangosch. So ergebe sich wohl ein attraktiverer Preis und mehr interessierte Anbieter. Derzeit würden unter anderem Gespräche mit der Baselland Transport AG geführt.

Zwischen Ausschreibung und Inbetriebnahme des Rollmaterials sollte man mit vier bis fünf Jahren rechnen. «Einsprachen und Probleme beim Bau der Fahrzeuge können den Zeitplan durcheinanderbringen», sagt Rangosch. Beschwerden der unterlegenen Anbieter, wie es bei der Beschaffung der VBZ-Trams geschehen ist, liessen sich kaum verhindern. Denn: «Diese sind das gute Recht, wenn ein unterlegenes Unternehmen sich ungerecht behandelt fühlt und bei der Einsprache eine Chance auf Erfolg sieht.» Zentral sei, dass man das Pflichtenheft so präzise wie möglich ausformuliere, sodass es zu keinen Missverständnissen komme und der Entscheid so gut wie möglich begründet werden könne. Er denkt, dass man bereits 2018 den Lieferanten des Rollmaterials für die Limmattalbahn bestimmen könne.