Nur noch wenige Zentimeter und die über 80 Tonnen schwere Teilschnittmaschine hat ihre Position erreicht. Jetzt wird der Fräskopf in Stellung gebracht. Dann geht es los. Das Gestein wird abgeraspelt, Staub aufgewirbelt. Es ist laut an diesem Mittwochvormittag im Gubrist. Rund 340 Meter haben sich die Arbeiter seit dem Baustart vor sechs Monaten in den Berg vorgearbeitet. Noch knapp 2,7 Kilometer fehlen, ehe sie in Weiningen den Durchbruch feiern können. Nächstes Jahr soll das der Fall sein.

Dafür arbeiten rund 120 Mann von Montag bis Samstag in einem Dreischichtbetrieb, erklärt Roland Hug, Projektleiter für die dritte Gubriströhre beim Bundesamt für Strassen (Astra) bei einem Medienrundgang. Sie stammen grösstenteils aus Österreich, Deutschland, Italien Portugal, der Slowakei und der Schweiz. «Rund 100 von ihnen sind in den Wohn- und Schlafcontainern untergebracht, die sich auf der Baustelle befinden», sagt Hug.

340 Meter in der neuen Gubriströhre: So frisst sich die Teilschnittmaschine durchs Gestein

340 Meter in der neuen Gubriströhre: So frisst sich die Teilschnittmaschine durchs Gestein

Sechs Monate nach dem Baustart sind 120 Tunnelbauer 340 Meter in das Nadelöhr am Gubrist vorgestossen: Die Bevölkerung kann sich am Tag der offenen Tunnelbaustelle am 26. Mai ein Bild machen über die Fortschritte beim 1,55 Milliarden Franken schwerem Nordumfahrungsprojekt.

Sechs Meter pro Tag

Bald dürften die Arbeiter dann auch mit den Sprengungen beginnen. Noch wird auf sie verzichtet. Doch die Abklärungen und Vorbereitungen für den geplanten sogenannten Sprengvortrieb – insgesamt wird mit 6000 Sprengungen gerechnet – seien im Gang, sagt Hug. Und so werden derzeit rund 1,5 Meter Gestein ausgebrochen und abtransportiert, ehe eine Spritzbetonmaschine den Ausbruch sichert sowie die Oberfläche der Tunnelwand mit einer ersten Schicht Spritzbeton fixiert. Nachdem Stahlbögen gesetzt worden sind, werden eine zweite und dritte Schicht Spritzbeton aufgetragen. Pro Tag arbeiten sich die Bergleute so rund sechs Meter weiter in den Berg hinein.

Bislang kommen die Arbeiten zeitlich gut voran, sagt Hug. Für nächste Woche sei der erste Durchbruch zur zweiten Tunnelröhre vorgesehen. Auch finanziell sei man planmässig gut unterwegs. Insgesamt 1,55 Milliarden Franken sind für den Ausbau der Zürcher Nordumfahrung veranschlagt. Davon werden 565 Millionen Franken für den Bau des Herzstücks des Projekts, die dritte Tunnelröhre durch den Gubrist, aufgewendet. Mit einem Durchmesser von 15 Metern ist sie derzeit das grösste Loch der Schweiz. Über den Baufortschritt am Gubrist kann sich die Bevölkerung am Samstag, 26. Mai vor Ort ein Bild verschaffen. Dann führt das Astra den Tag der offenen Tunnelbaustelle durch.

Blick in die dritte Gubriströhre

Blick in die dritte Gubriströhre

Sechs Monate nach dem Baustart sind 120 Tunnelbauer 340 Meter in das Nadelöhr am Gubrist vorgestossen.

1000 Tonnen pro Zug

Zu sehen gibt es an diesem Tag nicht nur die Röhre, sondern auch was mit dem ganzen Ausbruchsmaterial geschieht. Denn dieses hat noch einen langen Weg vor sich. Es wird zerkleinert, sodass es über ein Förderband zum nahe gelegenen, extra für den Bau der dritten Tunnelröhre erstellten Verladebahnhof gebracht werden kann. Dieser hat Anschluss an die SBB-Strecke Affoltern-Regensdorf. Über den Knoten Zürich wird das Aushubmaterial nach Wildegg gebracht. Dort wird es zum Auffüllen eines ehemaligen Kalksteinbruchs verwendet. «Derzeit verlassen zwei bis drei Güterzüge täglich den Verladebahnhof.

Pro Zug kann ziemlich genau 1000 Tonnen Material abtransportiert werden», sagt Hug. Bis zum Ende der Tunnelbauarbeiten werden 1000 Züge den Verladebahnhof verlassen und insgesamt eine Million Tonnen Aushub abtransportiert haben. «Durch den Abtransport des Gesteins per Bahn können wir rund 160'000 Lastwagenfahrten vermeiden», so Hug.

Nicht vermeiden lassen sich derzeit noch die fast täglichen Staus vor dem Gubristtunnel. Rund 115'000 Fahrzeuge passieren ihn pro Tag. Bis der Verkehr wieder flüssig rollt, ist allerdings noch Geduld gefragt. Die dreistreifige dritte Röhre wird ihren Betrieb 2022 aufnehmen und den Verkehr in Richtung Bern und Basel führen. Danach werden die erste und zweite Röhre saniert. Ab 2025 wird die Nordumfahrung dann endgültig durchgehend auf drei Spuren pro Richtung befahrbar sein.