Der Durst ist gross. Doch das Wasser in der PET-Flasche ist trüb und voller Schmutzteilchen. Trinkbar ist es auf keinen Fall. Zu gross ist das Risiko, mit dem verschmutzten Wasser gefährliche Bakterien oder Viren zu sich zu nehmen. Die Lösung des Problems ist rot, kreisförmig und etwa zwölf Zentimeter gross – ein Wasserfilter namens DrinkPure der Schlieremer Firma Novamem. Einzigartig ist dessen Filterleistung, welche durch nanotechnologische Methoden gewährleistet wird. Mit ihrem Produkt will Novamem insbesondere ein junges Zielpublikum erreichen. «Wir hatten vor allem Reisende im Kopf, als wir den Filter entwickelt haben», sagt Michael Loepfe, technischer Leiter bei Novamem. «Nicht überall lässt sich das Wasser aus dem Hahn oder einem Gewässer trinken, unser Wasserfilter ermöglicht das aber.» Statt Geld für Wasserflaschen auszugeben und so auch Abfall zu produzieren, reicht es, eine Flasche mit Wasser zu füllen und den Filter aufzuschrauben. «Dann muss man nur noch trinken», sagt Loepfe. So stillt der Wasserfilter nicht nur den Durst, auch das ökonomische Gewissen ist beruhigt.

DrinkPure 2016 - Vier Filtrationsstufen für die persönliche Trinkerfahrung

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Doch auch in der Schweiz könnte der Filter zum Einsatz kommen, beispielsweise bei Überschwemmungen oder anderen Naturkatastrophen. «Wir sind uns gewohnt, dass wir immer sauberes Trinkwasser zur Verfügung haben. Aber genau in solchen Fällen ist auch unsere Infrastruktur anfällig, plötzlich wird unser Wasser ungeniessbar», sagt Loepfe. Statt dann Lastwagen voller Wasser bereitstellen zu müssen, könnte auf den Wasserfilter ausgewichen werden. «Pro Haushalt würde ein Filter reichen, um bis zu 1000 Liter Wasser zu filtern.»

500 Bestellungen in Eigenregie

Gegründet wurde Novamem von den ETH-Ingenieuren Christoph Kellenberger und Christoph Schumacher mit Unterstützung von Professor Wendelin Stark im Jahr 2013. Zwei Jahre später stiess der Chemieingenieur Michael Loepfe dazu. Seit diesem Jahr wird das Team von Ramona Keller im Bereich Marketing unterstützt.

Ein Prototyp des Wasserfilters bestand bereits 2013, doch für die Produktion fehlte das Geld. Mithilfe eines Crowdfundings wollte die damals noch junge Firma die benötigten 40 000 Franken sammeln. Eine Strategie, die von Erfolg gekrönt war. «Am Schluss hatten wir 74 000 Franken zusammen und 500 Bestellungen aus über 33 Ländern. Das war auch ein kleiner Schock», sagt Loepfe und lacht. Diese erste Ladung hat die Firma selber im Labor hergestellt und dann die Einzelteile zusammengesetzt. Heute wird im Firmensitz in Schlieren vor allem der Herstellungsprozess abgewickelt. «Schlieren ist für uns als Standort ideal. So sind wir auch nahe der ETH», so der technische Leiter.

Für die Montage wurde die Arwo in Wettingen beauftragt, eine Stiftung, welche Menschen mit einer Beeinträchtigung beschäftigt. «Wir freuen uns über diese Kooperation, der humanitäre Aspekt unserer Arbeit ist uns sehr wichtig», sagt Loepfe. Mit einem Spital in Tansania sei das Jungunternehmen bereits eine Partnerschaft eingegangen, dort wird der DrinkPure den Patienten mit nach Hause gegeben, damit sie in ihrer Genesungsphase sauberes Wasser geniessen können. «Solche Aktionen würden wir gerne im grösseren Stil durchführen, dafür müssen wir aber als Firma noch wachsen», sagt Loepfe. Derzeit gäbe es jedoch die Möglichkeit, beim Kauf eines Filters etwas mehr zu zahlen und einen zweiten Filter für wohltätige Zwecke zu spenden.

Von Blau zu Rot

Letztes Jahr konnte die junge Firma auch an der Expo teilnehmen. Bis dahin wurde der Filter in Blau produziert, für den Auftritt im Schweizer Pavillon an Expo Mailand 2015 folgte der Wechsel zur Signalfarbe Rot. «So ist auch klar, dass es sich um ein Schweizer Produkt handelt», sagt Loepfe. Derzeit knüpft die Firma weltweit Kontakte und nimmt an verschiedenen Outdoormessen teil, um das Produkt zu präsentieren. Ziel ist es, dass DrinkPure in ganz Europa, Asien und den USA erhältlich sein wird. Kernelement des Filters ist eine im Durchmesser etwa 12 Zentimeter grosse Kunststofffolie. Durch den Einsatz von Nanotechnik wird die Folie mit mikroskopisch kleinen Löchern versehen, sodass sie am Ende des Herstellungsprozesses über 6,3 Milliarden Poren aufweist. «Wir sind weltweit die erste Firma, die mit Nanotechnologie Wasserfilter herstellt», sagt Loepfe. Dank der grossen Anzahl Poren kann durch eine kleine Fläche viel Wasser mit wenig Druck gefiltert werden. Beim Trinken aus der PET-Flasche genügt dann ein leichtes Zusammenpressen der Flasche. Diese Pionierleistung der Schlieremer Firma ermöglicht es, Wasser noch effizienter von Bakterien und Viren zu befreien. Auch Verfärbungen und unangenehme Gerüchen wie Chlorgeruch werden aus dem Wasser gefiltert. Allfällige gröbere Verschmutzungen hält ein Aktivkohlefilter zurück. Laut Novamem filtert DrinkPure bis zu 99 Prozent der Krankheitserreger. So wird nicht nur der Durst gelöscht, auch die Gesundheit bleibt erhalten.