Oetwil
Drei Jahre später: Das CEVI-Unglück ist noch immer nicht geklärt

Drei Jahre ist es her, seit ein Kind im Cevi-Lager tödlich verunfallte. Gegen drei Personen laufen Verfahren. Was genau geschehen ist, bleibt weiterhin unklar - ein Untersuchungsergebnis liegt bis heute nicht vor.

Sophie Rüesch
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Kerzen und Plüschtiere gemahnen an die Tragödie, die sich an dieser Stelle im Oetwiler Wald zwei Tage zuvor ereignet hatte. Was hier 2011 genau passierte, ist nach wie vor unklar.

Kerzen und Plüschtiere gemahnen an die Tragödie, die sich an dieser Stelle im Oetwiler Wald zwei Tage zuvor ereignet hatte. Was hier 2011 genau passierte, ist nach wie vor unklar.

NEM

Der 12. Juni 2011 war ein schwarzer Tag für den Cevi Weiningen-Geroldswil. Das Pfingstlager der christlichen Kinder- und Jugendorganisation im Wald oberhalb Oetwils sollte eigentlich ein Wochenende voller Spiel und Spass werden. Doch dieses Jahr sollten die Eltern am Pfingstmontag keine Kinder in Empfang nehmen können, die mit leuchtenden Augen von den gemeinsamen Abenteuern der letzten Tage erzählen.

An diesem 12. Juni war es niemandem zum Lachen zumute. Denn am Tag zuvor hatten die Kinder bei einem tragischen Seilbahnunfall eine Freundin verloren.
Das Mädchen, das heute 11 Jahre alt wäre, starb, weil die Bremsvorrichtung einer zwischen zwei Bäumen angebrachten Seilbahnkonstruktion versagte.

Es sauste mit solchem Tempo auf den weiter unten gelegenen Baum zu, dass es noch am selben Abend im Spital seinen schweren Verletzungen erlag. Seilbahnexperten kritisierten in den folgenden Tagen, dass das laut Angaben der Kantonspolizei 100 Meter lange Seil mit seinen 30 bis 40 Metern Höhenunterschied zu steil aufgezogen worden sei.

Doch was an diesem Sonntag genau passierte, ob es schlicht ein unverhinderbarer tragischer Unfall war oder ob jemanden der Beteiligten eine Schuld am Tod der damals 8-Jährigen trifft, das ist auch drei Jahre später noch nicht abschliessend geklärt.

Verfahren gegen drei Personen

Die Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis nahm gemäss damaliger Stellungnahme zwar noch in der Woche nach dem Unfall die Untersuchungen auf. Spuren an Seil und Seilbahn seien gesichert, Beteiligte befragt worden. Bis heute jedoch offenbar ohne Ergebnis. «Die Einholung aufwendiger Gutachten sowie die Erhebung umfangreicher Beweismittel zur sorgfältigen Klärung der erhobenen Vorwürfe» würden längere Zeit in Anspruch nehmen, heisst es vonseiten der Staatsanwaltschaft noch heute.

Der Fall liegt aufgrund Personalmigrationen mittlerweile bei der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland. Da das Verfahren noch läuft, lässt diese auf Anfrage lediglich verlauten, dass bisher keine Anklagen erhoben worden seien, jedoch sei ein Verfahren gegen drei beschuldigte Personen eröffnet worden. Ein zeitlicher Abschlusstermin könne derzeit jedoch nicht abgeschätzt werden.

Sicherheitsvorgaben verschärft

Auch am kommenden Wochenende dürften wieder mehr als 10 000 Kinder und Jugendliche in die Pfingstlager der verschiedenen Jugendverbände wie Cevi, Pfadi oder Blauring pilgern - und viele von ihnen dürften sich auch dieses Jahr wieder an den beliebten selbst gebastelten Seilbahnen von Baum zu Baum hangeln.

Der Cevi erliess für sich selbst zwar unmittelbar nach dem Unfall ein landesweites Moratorium für Seilbahnkonstruktionen und gelobte, dieses erst wieder aufzuheben, wenn die Ergebnisse der Untersuchungsbehörden vorliegen und der genaue Unfallhergang geklärt ist. Im November 2012 hob er es auf Anraten seiner nach dem Unfall eigens gegründeten Sicherheitskommission jedoch bereits wieder auf. Dafür dürfen nur noch Personen Seilbahnen aufbauen, die in einem Seiltechnikkurs nach verschärften Sicherheitsstandards geschult wurden.

Nach dem Unfall wurde jedoch auch der Bund tätig: 2012 hat Jugend und Sport (J+S), das grösste Sportförderwerk des Bundes, erneut die Sicherheitsmerkblätter überprüft, die angehenden und aktiven Lagerleitern im Rahmen ihrer J+S-Aus- und Weiterbildung abgegeben werden. Denn die meisten Pfingstlager, so auch das des Cevi, sind J+S-Lager - maximale Sicherheitsvorschriften, die jedem verhinderbaren Unfall vorbeugen sollen, sind also auch im Interesse des Bundes.

Ein Restrisiko bleibt

Unter anderem wurde im Laufe dieser Überprüfung auch das «Merkblatt Seilbahnen» aktualisiert, das seit 2013 eine Verdoppelung der sicherheitsrelevanten Elemente von selbst konstruierten Seilbahnen verlangt. «Insgesamt lässt sich aber sagen, dass nicht viel angepasst werden musste. Die Sicherheitsvorkehrungen waren bereits vor der Überprüfung sehr hoch», sagt Angela Meschenmoser, Mediensprecherin des Bundesamts für Sport, auf Anfrage.

Ein gewisses Restrisiko sei jedoch schwer zu eliminieren, so Meschenmoser - zumal es zum Lagerleben ja gerade dazugehöre, «sich in der Natur zu bewegen, anstatt vor dem Fernseher zu sitzen».