Gericht

Drei Hanfplantagen in Unterengstringen ausgehoben – «die Idee war extrem dumm»

Die Indoor-Hanfplantage in Unterengstringen wurde professionell betrieben.

Die Indoor-Hanfplantage in Unterengstringen wurde professionell betrieben.

In Unterengstringen wurden drei Hanfplantagen ausgehoben. Nun stand einer der Betreiber vor Gericht. Der Angeklagte wollte Marihuana verkaufen, doch dazu ist es gar nie gekommen.

«Ich bin so blöd gewesen», meinte der Angeklagte auf die Frage von Einzelrichter Bruno Amacker nach dem Motiv für den Betrieb der Indoor-Plantage. «Ich wollte Marihuana verkaufen. Aber dazu ist es gar nie gekommen.» Zuvorgekommen war ihm die Polizei. Bei einer Razzia hatte sie in einem Gewerbegebäude in Unterengstringen gleich drei Indoor-Hanfplantagen mit insgesamt 8000 Pflanzen ausgehoben und vier Männer – darunter den Angeklagten – festgenommen.

Eine der Anlagen hatte der Beschuldigte in einem Raum betrieben, den er über eine GmbH gemietet hatte. Gemäss Anklage hatte er in seiner Plantage 1000 Hanfpflanzen gehegt und rund 440 Gramm Marihuana aus der ersten Ernte aufbewahrt. Wegen Vergehen gegen das Bundesgesetz über Betäubungsmittel und wegen Übertretung dieses Gesetzes – der Angeklagte hatte über einen Zeitraum von zwei Jahren «in unregelmässigen Abständen, aber mindestens einmal pro Monat» Marihuana geraucht – beantragte die Staatsanwaltschaft eine bedingte Freiheitsstrafe von vier Monaten sowie eine Busse von 600 Franken.

Sie forderte zudem den Widerruf des bedingten Erlasses einer Geldstrafe von insgesamt 12000 Franken, zu der der Beschuldigte 2015 verurteilt worden war, weil er bei einer signalisierten Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h mit 164 Sachen über die Autobahn gebrettert war. Schliesslich verlangte die Anklägerin die Anordnung einer DNA-Probe und eines DNA-Profils sowie die Übernahme von Kosten von rund 24000 Franken für die Räumung der Plantage.

Anleitung aus dem Internet

Er sei vernünftig geworden, erklärte der Angeklagte, ein junger Schweizer, vor dem Bezirksgericht Dietikon. Auf die Frage von Richter Amacker woher er denn das Know-how für die Installation und den Betrieb der Plantage gehabt hätte, meinte der Angeklagte, der eine Ausbildung als Landschaftsgärtner hat: «Aus dem Internet und von You Tube. Da gibt es richtige Tutorials.» Und auf die Frage nach den Vorstellungen zum Verkauf des Stoffes sagte er: «Grundsätzlich habe ich mir nicht gross Gedanken gemacht. Ich dachte: Wenn ich’s habe, ergibt sich das.» Der Verteidiger betonte: «Der Angeklagte anerkennt die Vorwürfe, er sieht ein, dass er einen riesigen Fehler gemacht hat.»

Er beantragte eine bedingte Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu je 50 Franken sowie eine Busse von 300 Franken. Zudem forderte er den Verzicht auf den Widerruf des bedingten Vollzuges der Geldstrafe für die Widerhandlung gegen das Strassenverkehrsgesetz, weil sich die Prognose über das Verhalten des Angeklagten «nicht verschlechtert» habe und die neuen Delikte – die Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz – in keinem Zusammenhang mit dem SVG-Delikt stehen würden.

Da die Delikte «nicht als besonders schwer zu qualifizieren» seien, sei zudem auf DNA-Probe und DNA-Profil zu verzichten, weil die Voraussetzungen dafür «klar nicht erfüllt» seien, sagte der Verteidiger. Schliesslich seien die Räumungskosten teilweise durch die Staatskasse zu übernehmen. «Diese Kosten sind viel zu hoch», stellte der Verteidiger fest. «Sie sind gelinde gesagt, grosszügig berechnet worden und können meinem Mandanten nicht aufs Auge gedrückt werden.» In seinem letzten Wort erklärte der Angeklagte: «Ich bereue extrem. Die Idee mit der Hanf-Plantage war extrem dumm.»

Die Indoor-Hanfplantage in Unterengstringen wurde professionell betrieben.

Die Indoor-Hanfplantage in Unterengstringen wurde professionell betrieben.

Das Geständnis wurde berücksichtigt

Das Gericht sprach den Angeklagten im Sinne der Anklage schuldig. Es verurteilte ihn zu einer Freiheitsstrafe von vier Monaten und einer Busse von 400 Franken. Für die Freiheitsstrafe wurde ihm der bedingte Vollzug gewährt. Der bedingte Vollzug der Geldstrafe aus dem Jahre 2015 dagegen wurde widerrufen; der Antrag auf DNA-Probe und DNA-Profil dagegen abgewiesen. Die Räumungskosten wurden dem Angeklagten zur Hälfte auferlegt. Die 24000 Franken für die Entsorgung von 538 Kilo Hanfpflanzen, 32 Liter Flüssigdünger sowie 171 Kilo Elektroschrott schienen dem Gericht doch sehr hoch.

«Man muss feststellen, dass die Plantage über dasjenige einer Hobby-Anlage für den Eigenbedarf hinausging», erklärte Amacker. «Die Anlage war professionell. Auch bestand die Absicht, das Marihuana zu verkaufen. Ein ernster Punkt dabei ist das grosse Schädigungspotenzial von Marihuana aus Indoor-Anlagen. Bei der Zumessung der Strafe hat das Gericht jedoch berücksichtigt, dass der Angeklagte geständig ist. Er hat auch den Eindruck hinterlassen, dass er eingesehen hat, einen Blödsinn gemacht zu haben.»

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