Limmattal
Drei Buslinien fallen weg – dennoch soll das Netz attraktiver werden

Die Abschaffung dreier Buslinien sorgt in der Region für Irritation. Die Verantwortlichen erklären, wie sie ersetzt werden und warum dies für die betroffenen Limmattaler ein Gewinn ist.

Alex Rudolf
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Die VBZ will das Busnetz zwischen den Städten Dietikon und Schlieren und dem Bahnhof Altstetten stärken. (Archiv)

Die VBZ will das Busnetz zwischen den Städten Dietikon und Schlieren und dem Bahnhof Altstetten stärken. (Archiv)

Limmattaler Zeitung

Wie die Buslinien im Limmattal ab 2022 verkehren könnten, sorgte in den vergangenen Wochen für einige Aufregung. Neben zahlreichen Leserbriefen trafen im Schlieremer Parlament auch Vorstösse von den Grünen und der GLP ein, in denen die künftige Linienführung thematisiert wurde. Mit der voraussichtlichen Inbetriebnahme der Limmattalbahn zwischen Zürich Altstetten und Killwangen-Spreitenbach müssen auch die Buslinien angepasst werden. In ihrem Magazin «Im Takt» zeigten die Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ), wie dies aussehen könnte. Eine Massnahme, die besonders hohe Wellen schlug, war die beabsichtigte Streichung der Buslinien 304 (von Dietikon via rechtes Limmattal nach Altstetten), 308 (von Altstetten via Ober- und Unterengstringen nach Schlieren und Urdorf) und 311 (zwischen Urdorf Weihermatt und Dietikon).

Kathrin Bürgis-Witzig forderte die Einwohner des rechten Limmattals in einem Leserbrief zur Gegenwehr auf. Denn sie würden benachteiligt. So müssten Buspassagiere aus Oetwil, Geroldswil und Weiningen, die ins Frankental fahren wollen, künftig in Unterengstringen umsteigen – und dies bei Kälte und Nässe, wie sie schreibt. Der Schlieremer Gemeinderat Dominik Ritzmann (Grüne) sorgte sich derweil um die Anbindung des Spitalquartiers, die mit der Linie 302 nicht mehr ausreichend gewährleistet sei. In einer kleinen Anfrage richtete er Fragen bezüglich des öV-Konzepts der Stadt Schlieren an den Stadtrat.

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Post erhielt die Schlieremer Exekutive auch von Songül Viridén. Die GLP-Gemeinderätin will wissen, ob die Streichung der Linien noch aufzuhalten sei oder die entstehenden Lücken auf anderem Weg behoben werden können. Sie verweist darauf, dass – nebst den von Ritzmann genannten Kritikpunkten – auch die älteren Einwohner Schlierens von der Kampstrasse, dem Kalktarren und der Uitikonerstrasse die Linie 308 ins Zentrum nutzen würden. Mit der Streichung der Linie 311 würde zudem das Schönenwerd-Quartier keinen öV-Anschluss mehr haben.

Doppelt so viele Busse zur Hauptzeit

Auch der Urdorfer Gemeinderat veröffentlichte kürzlich eine Mitteilung, wonach bei der Bevölkerung der Eindruck entstanden sei, dass sich die öV-Erschliessung Urdorfs verschlechtere. «Das ist nicht so», schreibt er.

Die wichtigsten Neuerungen

Die mögliche Streichung der Linien 304, 308 und 311 erfolgt ab 2022 nicht ersatzlos. Zahlreiche Verbesserungen sollen im Jahr der Inbetriebnahme der Limmattalbahn die Querverbindungen zwischen links und rechts der Limmat erweitern. So wird die Linie 83 neu von Altstetten bis nach Unterengstringen verlängert und während der Hauptverkehrszeiten im 7,5-Minuten-Takt verkehren. Im selben Takt soll die Linie 302 während der Hauptverkehrszeiten Unterengstringen mit dem Bahnhof Schlieren verbinden. Sie ersetzt mitunter die Linie 308 und verkehrt zur Haltestelle Urdorf Feldegg – von dort aus übernimmt die Linie 302 die Strecke der heutigen Linie 311 zum Bahnhof Urdorf Weihermatt. Der Silbern-Bus 309 soll neu bis nach Oetwil verlängert werden. Die Änderungen sind Teil der öV-Teilstrategie 2030, die die VBZ fürs Limmattal erarbeitet hat.

Jasmin Wiederkehr, VBZ-Gebietsmanagerin, kann die Leserbriefschreibenden und Gemeinderäte jedoch beruhigen. «Die Linien 304, 308 und 311 fallen weg, doch erhalten die Anwohner an den betroffenen Strecken eine attraktivere Lösung», sagt sie. Sie betont, dass die Querverbindungen zwischen dem rechten Limmattal und den Städten Dietikon und Schlieren sowie dem Bahnhof Altstetten gestärkt würden. «Zwischen Unterengstringen und Schlieren hätte man künftig mit der Linie 302 in der Hauptverkehrszeit einen 7,5-Minuten-Takt. Heute fährt lediglich alle 15 Minuten ein Bus», so Wiederkehr.

304 wurde schlecht genutzt

Auch die Linie 83, die dereinst Unterengstringen mit Altstetten verbinden soll, fahre alle 7,5 Minuten in der Hauptverkehrszeit. «Einzig die direkte Verbindung durch die Linie 304 vom Bahnhof Altstetten Nord via Unterengstringen und Geroldswil nach Dietikon entfällt.» Diese durchgehende Direktverbindung würde sehr schlecht genutzt. Vielmehr seien direkte Verbindungen zum nächstgelegenen S-Bahnhof gefragt.

Oberengstringen pendelt ostwärts

Auch monierten Kritiker der VBZ-Pläne, dass die Kantonsschule Limmattal in Urdorf nicht mehr genügend mit dem öV erschlossen werde. «Dem ist nicht so», sagt Wiederkehr. Neben dem Anschluss mit der Limmattalbahn werde die Kantonsschule weiterhin von der Linie 302 angefahren. Schüler aus Geroldswil, Weiningen und Unterengstringen hätten neu alle 15 Minuten eine direkte Verbindung an ihr Gymnasium. Heute fährt ein Bus lediglich alle 30 Minuten. Eine Taktverdichtung also. Einziger Wermutstropfen: «Die Kantonsschüler aus Oberengstringen müssen mit dem neuen Regime in Unterengstringen von der Linie 83 auf die Linie 302 umsteigen.» Erhebungen würden zudem zeigen, dass 71 Prozent der öV-Nutzer aus Oberengstringen Richtung Altstetten pendeln und nicht Richtung Schlieren. Aus diesem Grund werde die Verbindung nach Altstetten gestärkt. Auch wurde vermutet, dass man dereinst von Schlieren nun nicht mehr nach Oberurdorf gelange. Doch mit einer Verlängerung der Linie 307 vom Bahnhof Schlieren Nord über den Bahnhof Glanzenberg nach Oberurdorf wird die Verbindung weiterhin gewährleistet. Zudem: Der Bahnhof Urdorf Weihermatt, der heute von der Linie 311 angefahren wird, soll neu an die Linie 302 angebunden sein.

Das Limmattaler öV-Netz sei sehr komplex und müsse als Ganzes betrachtet werden, sagt Wiederkehr. Zudem: «Entschieden ist noch nichts. Die Planungen werden im ordentlichen Fahrplanverfahren 2022/2023 behandelt», sagt Wiederkehr. Die Umsetzung sei frühestens auf Dezember 2022 mit der Inbetriebnahme der Limmattalbahn möglich, sofern die Gelder für den Ausbau vom ZVV bewilligt würden.