Der Deal war eigentlich klar: Bei schönem Wetter findet der Dietiker Freilufttheatertag unter freiem Himmel statt, wie der Name des Tages ja schon sagt; bei schlechtem Wetter zügeln die Gäste und Künstler ins Innere des Stadthauses. Doch wie es die Präsidentin des Theatervereins Dietikon, Irene Brioschi, bei ihrer Ansprache sagte: «Beim Schweizer Wetter weiss man halt nie.» So mussten die Veranstalter von Auftritt zu Auftritt entscheiden, ob den Gästen eine Freiluft-Erfahrung zuzumuten ist oder nicht.

Die musikalische Darbietung des Tages, die Gruppe Muzicari bez graniçi, hielt sich eine Stunde vor dem Auftritt des Hauptacts Ulan & Bator noch wacker unter dem leicht bewölkten Himmel. Die mazedonische Multi-Instrumentalisten-Familie unterhielt die Leute draussen auf den Festbänken mit traditioneller Volksmusik aus ihrer Kultur. Zur Verpflegung hat der Theaterverein eine Grillmannschaft aufgestellt, die Schnitzelbrot, Fackelspiesse und Vegi-, sowie normale Burger anbot. Für die Kinder gab es sogar einen Spiess, der ausschliesslich aus zuckrigen Süssigkeiten bestand.

Mit einer Viertelstunde Verspätung (wegen Wetter-Uneinigkeiten), öffneten sich um 21.15 Uhr die Türen zum Gemeinderatsaal im Stadthaus und die Leute strömten zum Auftritt von Ulan & Bator ein. Der Vorstand des Theatervereins stellte sich noch kurz vor, die Helfer wurden mit einem sogenannten «Goodie Bag» (Tüte mit kleinen Geschenken) verdankt – und dann wurde endlich den Herren auf den grünen Holzstühlen Platz gemacht.

Die zwei Deutschen lassen sich Zeit. Sie sitzen auf ihren Stühlen, starren das Publikum an, und ab und zu brechen sie in begeistertes Klatschen aus. Doch dann finden sie auf ihren Stühlen zwei Wollmützen, setzen sie auf und beginnen Ulan & Bator zu sein. Das heisst, ein Sketch jagt den anderen, es wird gehüpft, gesprungen, gezittert und gestampft. Ein Sketch mimt eine Telefon-Help-Line: «Ahh, Sie finden keinen Zugang mehr zu Ihrer Freundin. Die Beziehung ist irgendwie von Kälte durchzogen. Seit wann stellen Sie denn das fest?» Antwort: «Also besonders aufgefallen ist es mir seit ihrer Beerdigung.»

Voller Körpereinsatz

Die Schauspieler bestreiten ihren Auftritt mit vollem Körpereinsatz. Sie schreien einander an, rennen von einer Ecke in die nächste, zerkratzen den Bühnenboden mit lautstarkem Stühlerücken. Auch das Mimik-Spiel der beiden ist beispiellos, sie dirigieren das Publikum teils mit wenigen Blicken.

Nach 90 Minuten ist fertig mit Grimassen und Geschrei, die erschöpften Schauspieler bedanken sich beim Publikum und sind Ruck-Zuck in den Gängen und Windungen des Stadthauses verschwunden. Die Zuschauer strömen in die Nacht heraus, und endlich kommt es nicht mehr so drauf an, ob ein Regentropfen fällt oder nicht.