Birmensdorf
Dorfhelferdienst abgeschafft - Bauern mit Alternativen unglücklich

Die Gemeinde schafft den Dorfhelferdienst ab - Dorfhelfer Viktor Meyers Stelle wird nicht wieder besetzt. «Er war einfach nicht mehr zeitgemäss», findet Meyer. Aber nicht alle Landwirte sind darüber glücklich.

Florian Niedermann
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«Das Melken der Kühe am Morgen werde ich vermissen» - der ehemalige Dorfhelfer und neue Leiter des Werkhos, Viktor Meyer.

«Das Melken der Kühe am Morgen werde ich vermissen» - der ehemalige Dorfhelfer und neue Leiter des Werkhos, Viktor Meyer.

Florian Niedermann

Der amtierende Dorfhelfer Viktor Meyer wurde kürzlich zum Leiter des Werkhofs gewählt. Nun wird seine vormalige Stelle nicht mehr besetzt. Vor diesem Entscheid setzte die Gemeinde die Landwirte einem Treffen darüber ins Bild. Der Dorfhelferdienst wurde 1971 von der Gemeindeversammlung geschaffen, um zu garantieren, dass landwirtschaftliche Betriebe auch dann weiter funktionieren, wenn Bauern krank wurden, einen Unfall erlitten oder in die Ferien gingen. Sie wurden jeweils durch einen Werkhof-Mitarbeiter vertreten, der eine Ausbildung als Landwirt hatte.

Schon seit 2009 arbeitete Meyer als Dorfhelfer nur noch zu rund 20 Prozent. Ein Vollzeitpensum machte keinen Sinn mehr: Die Weiterentwicklung landwirtschaftlicher Technologien führt dazu, dass Betriebe auf immer weniger Arbeitskraft angewiesen sind. Zudem werden Höfe heute immer seltener als Familien- oder Einmannbetriebe geführt, was sie unabhängiger von personellen Ausfällen macht.

Neben seiner Anstellung als Dorfhelfer arbeitete Meyer als stellvertretender Leiter des Werkhofs. «Nun, da ich die Leitung übernehme, habe ich keine Zeit mehr, um daneben den Dorfhelferdienst zu übernehmen», sagt Meyer. Er habe seine Arbeit gerne gemacht, weil sie abwechslungsreich sei. «Das Melken der Kühe am Morgen werde ich sicher irgendwann vermissen», erklärt er. «Aber ich freue mich auf meine neue Aufgabe.» Dass der Dorfhelferdienst abgeschafft wird, sei sinnvoll: «Er war einfach nicht mehr zeitgemäss», sagt Meyer.

Fairness gegenüber Unternehmern

Der Birmensdorfer Gemeindeschreiber Angelo Umberg führt ein weiteres Argument ins Feld, das den Gemeinderat zu seiner Entscheidung bewogen hat: Heutzutage sei ein Bauer ein Kleinunternehmer. «Einem selbstständigen Kaminfegermeister stellten wir noch nie personelle Arbeitskraft zur Verfügung, wenn er in die Ferien wollte», so Umberg. Nun soll der Sonderstatus der Landwirte aufgehoben werden.

Als Alternative zum bisherigen System schuf die Gemeinde eine Betriebshelferliste: Vier ausgebildete Landwirte haben sich darauf eingetragen und können nun von den lokalen Bauern als Arbeitskräfte auf Stundenlohnbasis angestellt werden. Findet ein Landwirt unter den vier Eingetragenen niemanden, der ihn vertreten könnte, so steht ihm als weitere Option ein temporärer Angestellter des Maschinenrings Rüti zur Verfügung.

Die Liste mit Betriebshelfern aus der Gemeinde sehen jedoch nicht alle Bauern als gute Lösung, wie Landwirt Remo Stierli sagt: «Die ausgebildeten Bauern auf der Liste sind vollzeitberufstätig. Wir werden sie also höchstens in Notfällen und nur für kurze Zeit einsetzen können.»

Temporäre Arbeitskräfte sind nicht ideal

Auch die temporären Arbeitskräfte des Maschinenrings böten keine echte Alternative, sagt Stierli: «Diese Betriebshelfer muss man erst einarbeiten. So muss man ihnen zum Beispiel zeigen, welche Parzellen zum Hof gehören und wie die Arbeitsabläufe auf dem Betrieb sind.» Ausserdem sei zu befürchten, dass sich diese temporären Arbeitskräfte nur für ganze Arbeitstage anstellen lassen würden. Den Dorfhelfer habe man jeweils auch für einzelne Stunden - so etwa für das Melken der Kühe am Morgen und am Abend - einsetzen können.

Martin Suter vom Zürcher Maschinenring bestätigt Stierlis Befürchtung: «Unsere Angestellten übernehmen nur ganztägige Einsätze. Es lohnt sich für sie schlicht nicht, nur für ein paar wenige Stunden quer durch den Kanton zu reisen.» Auch sei es nicht üblich, dass ein Betriebshelfer immer auf denselben Betrieben aushelfe, sagt Suter.

Die beiden Alternativen kommen die Bauern wohl teurer zu stehen, als der Dorfhelferdienst. Temporäre Betriebshelfer des Maschinenrings kosten gemäss Auskunft Suters 25 bis 35 Franken pro Stunde - je nach Qualifikationsgrad. Mit den Landwirten, die sich auf der Liste der Gemeinde eingetragen haben, besteht gemäss Umberg keine Lohnvereinbarung: «Die landwirtschaftliche Genossenschaft Birmensdorf wird die Einsätze von Betriebshelfern bei Genossenschaftsmitgliedern aber weiterhin mit 7 Franken pro Stunde unterstützen.» Dabei sei es egal, ob sie über die Liste der Gemeinde oder über den Maschinenring gebucht würden.

Ferien sind nicht möglich

Für Stierli steht fest: «Ohne externe Arbeitskraft sind Ferien für mich nicht möglich.» Für welche Alternative zum Dorfhelferdienst er sich entscheide, wisse er noch nicht. «Klar ist es schade, dass Viktor Meyer nicht mehr für uns arbeiten wird. Aber an das neue System werden wir uns gewöhnen.»

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