Der Raum ist funktional eingerichtet. Ausser einer Filmkamera aus den 1980er-Jahren gibt es nicht viel Dekoration. Diese würde Christian Rösch auch nicht brauchen, denn alles, was in seinem Schneidraum in Zürichs Norden zählt, sind die drei Bildschirme. Vor dem Gesicht des bald 50-Jährigen flimmern Sequenzen aus seinem ersten Dokumentarfilm für das Schweizer Fernsehen hin und her. Darin porträtiert er den Kunstschaffenden Hans Knuchel (siehe Kontext). Dass im Film optische Täuschungen eine zentrale Rolle spielen, dürfte die Anstrengung für Röschs Augen nicht gerade reduzieren. Aus 8 Stunden Rohmaterial komponierte er während sechs Wochen das 50-minütige Werk «Optical Illusions.»

Christian Rösch wurde in Dietikon als Sohn eines Monteurs und einer Damenschneiderin geboren. Im damaligen Jugendhaus beim Bahnhof kam er erstmals mit dem Medium Film in Berührung. Der Vater pochte jedoch auf eine «richtige Ausbildung» für den Sprössling. Ohne danach auch nur einen Tag auf dem Beruf zu arbeiten, machte er auf dem Gemeindeingenieurbüro in Geroldswil die Lehre als Tiefbau-Eisenbetonzeichner – dies war keine Herzensangelegenheit. Viel mehr interessierte er sich für die technischen Möglichkeiten der Filmerei. In vielen Projekten – mit dem Gleitschirm über die Schweiz oder auf Tour mit Snowboardern – eignete er sich das Filmhandwerk an, ohne jemals eine Hochschule besucht zu haben. «Heute ist es fast unmöglich, ohne Bachelor- oder Master-Abschluss in dieser Branche Karriere zu machen», so Rösch.

Als Freischaffender zum Chef

Im Gespräch mit dem Regisseur rücken hin und wieder nostalgische Bemerkungen in den Vordergrund. Vor allem in technischer Hinsicht vermisst er das Filmhandwerk der 1980er-Jahre. Sein Blick schweift in die Ecke zur Ariflex BL. Die rund 30 Kilogramm schwere Analogkamera holt ihn zurück in die Zeit, als er noch freischaffender Kameramann war. Er wirkte bei verschiedenen Produktionen wie der «Tatort» oder «Die Direktorin» mit.

Anfang der 1990er «schlidderte» er, wie er es selber formuliert, in die Werbung. Als Freelancer drehte er Werbefilme, mit der Zeit begann er auch, Drehbücher zu schreiben. Vor drei Jahren übernahm er mit seiner Frau Monika Schärer die Filmproduktionsfirma Topicfilm AG. Für ihn und die Kulturjournalistin des Schweizer Fernsehens war der Schritt in die Selbstständigkeit durchaus ein Wagnis. Es könne ja nicht mehr geschehen, als peinlich zu scheitern, sagt Rösch und muss sogleich über diese Aussage lachen, im Wissen darum, dass die beiden heute erfolgreich sind.

Trailer: "Optical Illusions" von Christian Rösch.

Trailer: «Optical Illusions» von Christian Rösch

Es begann mit 5000 Franken

Mit seiner Idee für «Optical Illusions» gewann Rösch im vergangenen Jahr den Dokfilm-Ideenwettbewerb von Sternstunde Kunst. Die 5000 Franken Entwicklungsbudget reichen aber für die Produktion einer Dokumentation bei weitem nicht aus. «Filmprojekte sind teuer. Von der ersten Idee bis zur Abgabe des fertigen Films kann dieser schnell einen sechstelligen Betrag kosten», sagt Rösch und verweist darauf, dass der restliche Betrag teils vom SRF, teils von verschiedenen Kultur-Förderstellen übernommen wurde.

Die Idee, das Schaffen Hans Knuchels filmisch zu porträtieren, sei sehr naheliegend gewesen. Knuchel und die Röschs wohnen seit Jahren nebeneinander. Knuchel, der Gewinner des Zürcher Kulturpreises 2013, hat das Werk über sich noch nicht gesehen. In Röschs Büro in Zürichs Norden soll am Montag eine kleine Vorpremiere mit allen Beteiligten gefeiert werden. Die Frage, ob Knuchel der Film gefallen werde, beantwortet Rösch selbstbewusst: «Ich denke schon.»