Schlieren
DNA-Spur überführt mehrfach vorbestraften «Caquelon-Gauner»

Junger Iraker verurteilt – er war ins Fondue-Chalet in Schlieren eingebrochen

David Egger
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Im November ist es jeweils so weit, das Fondue-Chalet auf dem Schlieremer Stadtplatz entzückt das Limmattal. Doch 2015 störte ein Krimineller das Idyll.

Im November ist es jeweils so weit, das Fondue-Chalet auf dem Schlieremer Stadtplatz entzückt das Limmattal. Doch 2015 störte ein Krimineller das Idyll.

Thomas Beck

Am 8. Dezember 2015, kurz nach 16 Uhr, schritt der Chefkoch über den Schlieremer Stadtplatz, öffnete die Türe zum Fondue-Chalet Limmattal und wollte alles vorbereiten für die angekündigten Gäste. Die Mitarbeiter eines Elektrogeschäfts hatten reserviert. Ihr Weihnachtsessen war angesagt.

In der Küche zeigte sich dem Chefkoch eine Sauerei. Eine Nachlässigkeit vom Vorabend? Der Chefkoch ging weiter durchs Chalet. Und merkte: Das war ein Einbruch.

Dutzende Dinge fehlten, vom Bündnerfleisch über ein Caquelon bis zum TV-Gerät. Der Schaden: Tausende Franken. Die herbeigerufene Polizei kam sofort mit mehreren Ermittlern. Ihre Arbeit wurde gestern am Bezirksgericht Dietikon zum Thema.

Schon 20 Einbrüche verübt

Der angeklagte Iraker hat eine beachtliche Vorgeschichte: Im Frühling 2016 hat er 20 Einbrüche verübt und sich der Hehlerei schuldig gemacht, weshalb ihn das Untersuchungsamt Gossau SG mit 6 Monaten Gefängnis unbedingt bestrafte. Diese Strafe hat er abgesessen. Auch in seiner heutigen Heimat, dem Limmattal, ist der arbeitslose Handwerker den Behörden bekannt: Schon 2015 verurteilte ihn die Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis per Strafbefehl zu einer bedingten Geldstrafe. Gestern forderte die Staatsanwaltschaft 10 Monate unbedingte Freiheitsstrafe.

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Kilogramm Bündnerfleisch hatte der Einbrecher aus dem Fondue-Chalet Limmattal gestohlen. Dazu diverse Alkoholika, elektronische Geräte, Messer und Handschuhe, ein Bohrschrauber, ein Caquelon und mehr. Der Täter weiss, wie sich solcherlei zu Geld machen lässt: Er wurde schon wegen Hehlerei verurteilt.

Verteidiger kritisiert DNA-Beweis

Der Beschuldigte streitet ab, ins Fondue-Chalet eingebrochen zu sein. Verteidiger Linus Jaeggi nahm insbesondere die im Fondue-Chalet gefundene DNA-Spur ins Visier. Diese tauge nicht als Beweis und könne indirekt übertragen worden sein. Denn mit heutigen Messmethoden liessen sich so geringe Mengen DNA nachweisen, dass es keine bloss theoretische Möglichkeit mehr sei, dass DNA durch andere Personen an einen Tatort verschleppt wird.

Nur: Die DNA des Mannes wurde an der zerbrochenen Fensterscheibe und an einer Flasche im Chalet gefunden, wie die Richterin Alexandra Hardegger sagte. Eine indirekte Übertragung auf zwei Gegenstände sei sehr unwahrscheinlich. «Ausserdem ist es nicht persönlichkeitsfremd, dass Sie einbrechen», sagte die Richterin zum Täter.

Er erhält einen Monat unbedingte Freiheitsstrafe. Ins Gefängnis muss er aber nicht: 32 Tage hat er schon in Untersuchungshaft abgesessen. Dass die Strafe für sich gesehen relativ tief ist, hat damit zu tun, dass sie vor den Taten in der Ostschweiz stattfand. Der Einbruch ins Fondue-Chalet musste darum so bestraft werden, wie wenn sie der Gossauer Staatsanwalt gleichzeitig mit den 20 weiteren Einbrüchen beurteilt hätte. Die Schadenersatz-Forderungen des Chalet-Betreibers und seiner Versicherung verwies die Richterin auf den Weg des Zivilprozesses.

Von einem weiteren Vorwurf sprach sie den Angeklagten frei: Der Chef eines Stadtzürcher Lokals, das schon früher mit Drogen für Schlagzeilen sorgte, hatte bei der Polizei acht Beutel Kokain abgegeben. Er habe sie in seinem Lokal gefunden. Die Polizei fand zwar DNA des Irakers, doch untersuchte sie nicht jeden Beutel einzeln und befragte den Finder nicht. Es blieb daher unklar, wie es zum Fund kam, ob der Iraker jemals das Lokal besucht und wie viele der Beutel er berührt hatte. Wegen Kokain-Konsum wurde der Iraker zudem schon andernorts verurteilt.

Zurück zum Fondue-Chalet: Die Versicherung hatte dem Betreiber spontan Schadenersatz versprochen, falls er das Chalet am Abend nicht öffnen könne. Doch wären die Gäste enttäuscht gewesen. Die Lösung: Während die Polizei im Chalet war, fing das Weihnachtsessen der Elektriker draussen an – mit einem Apéro auf Kosten des Hauses. Bündnerfleisch gab es aber keines.