Dietikon

Diskussion um die Überlandstrasse: Niemand spricht sich für ein Rotlicht aus

Hier auf der Überlandstrasse gilt heute ein Tempolimit von 60 km/h. Künftig soll hier Tempo 50 gelten. Und ein Rotlicht soll die sichere Strassenquerung für den Langsamverkehr ermöglichen.

Hier auf der Überlandstrasse gilt heute ein Tempolimit von 60 km/h. Künftig soll hier Tempo 50 gelten. Und ein Rotlicht soll die sichere Strassenquerung für den Langsamverkehr ermöglichen.

Das Dietiker Parlament rennt gegen das zusätzliche Lichtsignal an, das 2020 bei der Dietiker Überlandstrasse installiert werden soll

Die Situation ist verzwickt bei der Überlandstrasse: Niemand will, dass der motorisierte Verkehr und der Langsamverkehr von einem Rotlicht aufgehalten werden. Aber für mehrere Millionen Franken eine Unterführung zu bauen, die dann vielleicht nicht am richtigen Ort steht, ist per se auch nicht das Wahre.

Die Problematik stellt sich beim Übergang vom Gjuch-Quartier ins künftige Niderfeld-Quartier, das frühestens ab 2028 gebaut wird. Nächstes Jahr wird nun beim Fussgängerstreifen über die Überlandstrasse auf Höhe der Grabackerstrasse ein Lichtsignal installiert. Diese Querung ist bisher als Fussgängerstreifen mit Mittelinsel und ohne Lichtsignal ausgestaltet. Und es gilt Tempo 60.

Neu soll nicht nur ein Lichtsignal hinzukommen. Auch soll das Tempolimit von 60 km/h auf 50 km/h reduziert werden. Weiter soll der motorisierte Individualverkehr auf Höhe der Grabackerstrasse weder ab- noch einbiegen können. Der Wegfall aller Abbiegebeziehungen erhöht zum einen die Sicherheit. Zum anderen gibt es beim geplanten Lichtsignal so dann nur zwei Grünphasen: Einmal ist der motorisierte Verkehr auf der Überlandstrasse an der Reihe, dann der Langsamverkehr, der die Überlandstrasse queren will. Und so geht es dann abwechslungsweise immer weiter. Das sei «eine gute, aber nicht die beste Lösung», schrieb der Stadtrat in seiner Antwort auf ein Postulat von Ernst Joss (AL). Weiter zeigte sich auch der Stadtrat überzeugt, dass eine ebenerdige Überführung für den Fuss- und Veloverkehr bei gleichzeitiger Absenkung der Überlandstrasse die attraktivste Lösung sei. Doch geht dies wegen der Grundwasserschutzzone nicht. Eine Überführung für den Langsamverkehr wäre zudem nicht nutzerfreundlich. Bleibt nur eine Unterführung für den Langsamverkehr – für mindestens 2,3 Millionen Franken. Oder das Rotlicht.

Eine Unterführung forderten zahlreiche Dietiker Gemeinderatsmitglieder, als am Donnerstag die stadträtliche Antwort auf das Postulat Joss diskutiert wurde. Man soll sie möglichst schnell bauen, lautete die Devise mancher. «Wenn man es jetzt nicht macht, wird es nur teurer und dann wird man nie etwas machen», sagte Beat Hess (Grüne) und wiederholte damit den Punkt, den auch Joss in seinem Votum erwähnt hatte. «Ich bin der Meinung, der Stadtrat muss nochmals über die Bücher», hielt Joss zudem fest.

Auch Peter Metzinger (FDP) fürchtet sich vor Massnahmen, die dereinst nachträglich umgesetzt werden müssten. «Man sollte jetzt über die Bücher gehen», hielt auch er fest. Anton Felber (SVP) sagte, dass man der Stadtratsantwort ansehe, dass sich der Stadtrat so einige Gedanken gemacht habe. Mit Tempo 50 sei auch eine Verbesserung der Verkehrssicherheit in Aussicht. Aber dass die Unterführung frühestens in 10 bis 15 Jahren kommen solle, finde er nicht gut.

Der Wunsch ist klar, doch wird er erfüllt werden?

Martin Christen (CVP) hielt fest, dass die Begründungen des Stadtrats sachlich ausgewogen und nachvollziehbar seien. «Da der Quartier- und Gestaltungsplan für das Niderfeld erst 2024 zu erwarten ist, will man nicht heute schon teure Vorinvestitionen tätigen», so Christen. Dass sich der Stadtrat dafür einsetzen wolle, die Möglichkeiten für eine Unterführung offen zu lassen, begrüsst Christen. «Das muss er unbedingt tun. Er muss sich auch das nötige Land für eine solche Unterführung sichern.» Auch Christiane Ilg-Lutz (EVP) lobte den Stadtrat für die «gute und ausführliche Antwort». Sie betonte, dass eine Unterführung sehr gut gestaltet sein müsste. «Die Akzeptanz für Fussgängerunterführungen ist vielerorts nicht da. Mehrere wurden auch schon wieder geschlossen», so Ilg-Lutz. Auch sie hielt fest, dass es wichtig sei, dass sich die Stadt das Land sichert, das man für eine Unterführung brauchen würde.

Manuel Peer (SP) regte in seinem Votum an, dass der Kanton die Überlandstrasse um 1,5 Meter anheben solle, dann müsste man mit der Unterführung nur 1,5 Meter in die Tiefe. «Dann fährt man mit dem Velo auch nicht in ein dunkles Loch, sondern sieht auf die andere Seite.»

Die Unterführung ist also ein grosser Wunsch im Parlament. Und der Stadtrat hatte auch in seiner Antwort auf das Postulat von Joss festgehalten, man werde die Möglichkeit einer Unterführung bei der weiteren Planung des Niderfelds vertieft in Betracht ziehen. Somit ist klar, was beim Übergang über die Überlandstrasse auf Höhe der Grabackerstrasse passieren sollte. Die Frage ist nur, ob es dereinst wirklich passiert.

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