Dietikon
Direkte Gespräche stechen Snapchat aus: Jungpolitiker diskutieren im Stadtkeller

Wie können junge Menschen für Politik begeistert werden? Antworten gab es beim Polit-Talk der CVP Dietikon.

Cynthia Mira
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CVP-Polit-Talk zum Thema Junge und Politik Die Teilnehmer der Runde: Géraldine Füllemann (parteilos), Kreshmeh Jabori (parteilos), Jennifer Peterhans (parteilos), Maya Ritschard (CVP), Nadine Burtscher (EVP), Kaan Bayir (GLP), Beda Felber (CVP), Katharina Kiwic (SP, für die CVP in der Dietiker Schulpflege), Stefan Zihlmann (FDP) und Moderator David Egger, Chefredaktor der Limmattaler Zeitung.
18 Bilder
 Maya Ritschard (CVP, Dietikon)
 Katharina Kivic, SP (für die CVP in der Schulpflege Dietikon)
 Jennifer Peterhans (parteilos, Dietikon)
 Baan Kayir (GLP, Winterthur)
 Stefan Zihlmann (FDP, Weiningen)
 Kreshmeh Jabori (parteilos, Dietikon)
 Beda Felber (CVP, Dietikon)
 Nadine Burtscher (EVP, Dietikon)
 Géraldine Füllemann (parteilos, Dietikon)
 Katharina Kiwic (SP, für die CVP in der Dietiker Schulpflege), Stefan Zihlmann (FDP, Weiningen) und Moderator David Egger, Chefredaktor der Limmattaler Zeitung.
 Jennifer Peterhans (parteilos, Dietikon)
 Nach der Diskussion überreichte die Dietiker CVP-Präsidentin Ottilie Dal Canton den Teilnehmern Dietiker Bsetzi-Stei von Bethis Kafi-Lädeli.
CVP-Polit-Talk vom 29.11.2018
 Nadine Burtscher sagte, dass ihr gerade die vielen Ausbildungswege, die oftmals dafür sorgten, dass man erst mit 30 Jahren ins Berufsleben einsteige, Sorgen bereiten.
 «Um uns abzuholen und unser Interesse zu wecken, helfen uns kürzere Zusammenfassungen politischer Themen. Dafür ist auch eine einfache Sprache, die wir verstehen, wichtig», sagte Kreshmeh Jabori.
 «Es sind kleine Schritte, die das Engagement und das Interesse fördern», sagte Katharina Kiwic. Mit Kollegen zelebriert sie jeweils den Abstimmungssonntag und verankert so die politische Auseinandersetzung.
 Der Polit-Talk zeigte, dass sich Junge durchaus für Politik interessieren. Und dass sich ältere durchaus für jüngere Politikre interessieren.

CVP-Polit-Talk zum Thema Junge und Politik Die Teilnehmer der Runde: Géraldine Füllemann (parteilos), Kreshmeh Jabori (parteilos), Jennifer Peterhans (parteilos), Maya Ritschard (CVP), Nadine Burtscher (EVP), Kaan Bayir (GLP), Beda Felber (CVP), Katharina Kiwic (SP, für die CVP in der Dietiker Schulpflege), Stefan Zihlmann (FDP) und Moderator David Egger, Chefredaktor der Limmattaler Zeitung.

SEVVERIN BIGLER

«Hut ab!», lobte die Aescher CVPGemeinderätin Janine Vannaz die jungen Politiker und Politikerinnen, die sich am Donnerstagabend im gut besuchten Dietiker Stadtkeller auf der Bühne versammelt hatten. Diskutiert wurde über Politik und junge Menschen und die Teilnehmer erzählten auch von ihren eigenen Beweggründen für das politische Engagement. Warum kann Politik begeistern? Was fasziniert daran? Und was könnte hinsichtlich der Stimmbeteiligung und des Politikinteresses bei jungen Menschen verbessert werden?
Neun politisch engagierte Persönlichkeiten aus verschiedenen Parteien waren der Einladung der CVP Dietikon gefolgt, unter anderem die Dietiker Gemeinderatsmitglieder Nadine Burtscher (EVP), Maya Ritschard (CVP) und Beda Felber (CVP) sowie Katharina Kiwic (SP), die für die CVP in der Schulpflege sitzt.

Um die Auseinandersetzung mit politischen Angelegenheiten zu fördern, brauche es ein Gefäss für den Austausch, betonte Maya Ritschard. Sie erlebe öfter, dass grundsätzlich Interesse und Neugier vorhanden seien. Wegen zu hoher Bequemlichkeit bleibe ein konkretes Engagement dann manchmal doch aus.

Katharina Kiwic berichtete von ihrem Ritual mit Freunden, Abstimmungssonntage mit einem kleinen gemeinsamen Anlass zu zelebrieren, um damit die inhaltliche Auseinandersetzung zu verankern. «Es sind kleine Schritte, die das Engagement und das Interesse fördern», sagte sie. Die beiden jüngsten Vertreterinnen der Runde, Géraldine Füllemann (parteilos) und Kreshmeh Jabori (parteilos), sind erst seit kurzem im Jugendrat in Dietikon aktiv und sprachen sich für eine einfache Wissensvermittlung aus. «Um uns abzuholen und unser Interesse zu wecken, helfen uns kürzere Zusammenfassungen politischer Themen. Dafür ist auch eine einfache Sprache, die wir verstehen, wichtig», sagte Jabori.

Skepsis gegenüber E-Voting

Eine stärkere politische Präsenz in den sozialen Medien, etwa auf Instagram oder Snapchat, schätzten die meisten nicht als Priorität ein. Vielmehr brauche es den Austausch mit den Menschen auf persönlicher Ebene. «Für die Lokalpolitik ist noch immer das Plakat und besonders das direkte Gespräch mit den Leuten zentral», sagte Beda Felber (CVP). Auch dem E-Voting standen die Jungpolitiker eher skeptisch gegenüber. Kaan Bayir (GLP) aus Winterthur ortete mehr Gefahren als Chancen und sprach dem E-Voting wenig Potenzial zu, um die Stimmbeteiligung unter jungen Menschen zu erhöhen.

Bei der anschliessenden Diskussion mit dem Publikum wurde die Wichtigkeit der Wissensvermittlung betont: Elias Siegrist aus Dietikon sagte, dass ein politisches Grundverständnis in der Schule gelehrt werden muss, um das Verständnis für die Relevanz der politischen Arbeit zu vermitteln. Es sei wichtig, dass etwa der öffentliche Verkehr nicht als selbstverständlich angesehen werde, sondern als Ergebnis politischer Auseinandersetzungen. Er habe dies in der Schule gut vermittelt bekommen, berichtete Gymnasiast Stefan Zihlmann (FDP) aus Weiningen. Besucherin Simone Solejova aus Dietikon erwiderte, viele ihrer Sek-Kolleginnen seien gar nicht informiert: «Ich habe das politische System in der Sekundarschule überhaupt nur kennen gelernt, weil es einem von unseren Lehrern wichtig war.»

Brennpunkt AHV

Auch zu einem aktuellen politischen Thema äusserten sich die Podiumsteilnehmer. Es werde oft diskutiert, dass die grösste Sorge unter jungen Menschen die AHV ist, sagte Stadtrat Reto Siegrist (CVP). Er wollte wissen, wie die jungen Politiker und Politikerinnen dies denn sehen würden. Nadine Burtscher (EVP) sagte, dass ihr gerade die vielen Ausbildungswege, die oftmals dafür sorgten, dass man erst mit 30 Jahren ins Berufsleben einsteige, Sorgen bereiten. Für die noch jüngere Jennifer Peterhans (parteilos) vom Jugendrat ist die AHV dagegen kein Thema: «Ich kümmere mich zuerst um meine Lehre, weshalb mich die Sorge um die AHV gar nicht beschäftigt.» Bauprojekte wie die Limmattalbahn seien für sie viel relevanter.

Die Moderation des Polit-Talks übernahm David Egger, Chefredaktor der Limmattaler Zeitung. «Der Abend ist ein Beweis dafür, dass das Interesse an der Politik durchaus auch bei jungen Menschen besteht und dass mit gegenseitigem Respekt über politische Themen debattiert werden kann», lautete sein Fazit nach der spannenden Diskussion der jungen Politiker und der Fragerunde mit den Besuchern.