Der Lenggenbach ist ein unscheinbares Gewässer. Das liegt unter anderem daran, dass er auf seinem Weg vom Feuerwehrweiher unterhalb des Winzerhauses über das Weininger Feld bis zu den Geroldswiler Auen gleich zwei Mal unter der Erde verschwindet. Sowohl in Weiningen als auch in der Fahrweid ist der Bach für Passanten nicht sichtbar. Trotzdem ist der Lenggenbach mehr als ein blosser Dorfbach - er ist auch ein Fischereigebiet.

Seit 2010 ist Albert Demut aus der Fahrweid Pächter des Lenggenbachs. Erworben hat er die Fischereipacht vom Kanton Zürich. Dieser vergibt die Pachten alle acht Jahre neu. «Mein Vorgänger wollte aufhören. Weil der Lenggenbach vor meiner Haustüre liegt, habe ich mich um die Pacht beworben», sagt Demut. Bis 2018 haben er und sein Kollege nun das Recht, im Lenggenbach zu fischen. «Wir sind zwei Pächter und zwei Mitfischer, die am Lenggenbach angeln», sagt Demut.

Fast jeden Tag im Revier unterwegs

Schon als Kind ging Demut regelmässig Angeln. «Doch dann war für lange Zeit Schluss», erinnert sich der heute 67-Jährige. Erst als er von seinen Arbeitskollegen bei einer Schweizer Grossbank angefragt wurde, ob er nicht in den betriebseigenen Fischerverein eintreten wolle, sei es wieder losgegangen. «Fischen war immer ein guter Ausgleich zum Job. Man ist draussen in der Natur. Das tut gut», sagt Demut. Zudem esse er auch sehr gerne Fisch. Deshalb sei Angeln ein ideales Hobby für ihn.

Der betriebseigene Fischereiverein war nicht Demuts letzte Station. Es folgten verschiedenste Vorstandsfunktionen im Kantonalen und später im Schweizerischen Fischereiverband. «Ich habe so viel gemacht. Ich weiss gar nicht, wie ich mein Hobby und den Job damals unter einen Hut gebracht habe», sagt Demut.

Mittlerweile ist er pensioniert. Dennoch verbringt Demut fast jeden Tag in seinem Pachtrevier. «Ich brauche eine Beschäftigung. Nichts zu tun, liegt mir nicht», so Demut. Die Arbeit in seinem Revier wird ihm nicht ausgehen. Denn mit dem Erwerb der Pacht sind auch Pflichten verbunden. «Jeder Pächter hat vom Kanton die Auflage, sein Revier zu hegen und zu pflegen», hält Demut fest. Dazu gehöre, dass der Lenggenbach mindestens einmal jährlich geputzt werde. «Zudem gehört es zu meiner Aufgabe, das Gewässer zu überwachen. Letztes Jahr ist Öl in den Bach gelangt. Da musste möglichst schnell die Feuerwehr aufgeboten werden, um eine Ölsperre zu errichten», so Demut.

Naturschutz ist besonders wichtig

Überdies erwartet man von den Pächtern auch eine Mithilfe bei der Wahrung des Fischbestandes durch den Kanton. «Im Lenggenbach leben vor allem Forellen. Früher gab es für die Fische Laichgruben. Das war loses Geröll. Dort konnten die Fische ihre Laiche ablegen», sagt Demut. Mittlerweile seien viele Gewässer begradigt. Auch beim Lenggenbach gebe es begradigte Stellen, die hoffentlich bald renaturiert würden. Weil es dort kaum mehr natürliche Laichplätze gebe, müssten die Fische in den Bach gebracht werden. «Darum setzt der Kanton entweder Jungfische oder befruchteten Laich aus», erklärt er.

Letztes Jahr, so Demut, habe er eine 36 Zentimeter grosse Forelle aus dem Lenggenbach gefischt. «Das ist aussergewöhnlich gross für ein solch kleines Gewässer. Es zeigt aber, dass sich die Tiere wohlfühlen im Bach», hält er fest. Durch die Pflege seines Pachtreviers trage er viel zum Naturschutz bei.

Und der Naturschutz ist ihm besonders wichtig. «Im Weininger Feld und in den Geroldswiler Auen, wo der Bach in die Limmat fliesst, sind viele Velofahrer, Spaziergänger und Hundehalter unterwegs», sagt Demut. Dadurch komme er mit vielen Leuten ins Gespräch. «Das nutze ich dazu, den Passanten zu erklären, was ich mache. Mir ist es wichtig, dass alle Nutzer auf das Gebiet achtgeben und konfliktfrei aneinander vorbeikommen», so Demut. Deshalb sei er vor einem Jahr dem Natur- und Vogelschutzverein Limmattal rechtes Ufer beigetreten. Heute Abend wird er auf Einladung des Vereins einen öffentlichen Vortrag halten. «Ich will den Besuchern erklären, welche Tiere in unseren Gewässern und in den Auen leben. Viele wissen gar nicht, dass im Lenggenbach auch Hechte und Krebse leben.»

Der Vortrag «Leben im Wasser unserer Region» von Albert Demut findet heute Abend um 19 Uhr im Cheminéeraum der reformierten Kirche Geroldswil statt.