Dietikon/Weiningen
Frische Ideen und Mut: Wie sie mit ihrem Laden in der Coronakrise den Neustart schaffte

Manuela Ryf zügelte mit ihrem Geschäft «Kunstfertig» mitten in der Pandemie von Weiningen nach Dietikon. Dank Eigeninitiative, neuer selbst designter Produkte und viel Fröhlichkeit läuft ihre Boutique an der Reppisch heute besser denn je.

Sibylle Egloff
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Von rechts: Inhaberin Manuela Ryf und ihre Mitarbeiterinnen Brigitte Magni und Rebecca Zuurmond in der Boutique Kunstfertig in Dietikon. Seit Oktober 2020 bieten sie auf 100 Quadratmetern Fläche Mode, Schmuck, Parfums und Accessoires an.

Von rechts: Inhaberin Manuela Ryf und ihre Mitarbeiterinnen Brigitte Magni und Rebecca Zuurmond in der Boutique Kunstfertig in Dietikon. Seit Oktober 2020 bieten sie auf 100 Quadratmetern Fläche Mode, Schmuck, Parfums und Accessoires an.

Severin Bigler

Das braune Wasser der Reppisch rauscht das Flussbett hinunter. Manuela Ryf sitzt im Garten und blickt auf das Gewässer. Hier unweit des Kronenplatzes in Dietikon betreibt sie seit Oktober 2020 ihr Mode- und Schmuckgeschäft Kunstfertig. «Meine Mitarbeiterin Brigitte hat das frei stehende Lokal beim Joggen entdeckt und mich darauf aufmerksam gemacht», erzählt Ryf. Eigentlich habe sie gar nicht von Weiningen nach Dietikon ziehen wollen. «Ich hatte Vorurteile gegenüber der Stadt», gibt sie zu. «Doch als ich selbst vorbeikam und sah, wie schön und idyllisch es hier an der Reppisch ist, waren diese schnell verflogen.»

Ihren Laden führt Ryf schon seit 14 Jahren und das bis vor kurzem ausschliesslich an ihrem Wohnort in Weiningen – zuerst an der Badenerstrasse vis-à-vis dem Gemeindehauses und später an der Dietikonerstrasse in einem Bauernhaus. Dort wäre sie mit ihrem Verkaufsteam auch geblieben, wäre nicht direkt vor der Haustüre ein Baudepot errichtet worden. «Den Laden sah man dadurch fast nicht mehr und der Umsatz brach ein», erzählt Ryf.

Und so zog sie mit ihren Mitarbeiterinnen Rebecca Zuurmond, Brigitte Magni und Ulrike Vogel vom Baudepot ins Epizentrum der Limmattalbahn-Baustelle.

«Die Kundschaft musste sich anfangs an den Verkehrsdschungel gewöhnen. Doch wenn die Leute es einmal hierher schaffen, dann kommen sie immer wieder»,

sagt die Geschäftsinhaberin. Mittlerweile hätten sie auch viele neue Stammkundinnen aus Dietikon. «Hier läuft es sogar besser als in Weiningen, wir haben Laufkundschaft und es hat Parkplätze», sagt Ryf.

Sie legte die Kleider zum Probieren in den Briefkasten

Den Schritt mitten in der Pandemie zu wagen und an einem anderen Ort neu anzufangen, hat sich für sie gelohnt. Mitte Januar bis Ende Februar musste Ryf den Laden wegen der Corona-Einschränkungen zwar schliessen. Doch sie wusste sich zu helfen. «In dieser Zeit habe ich mich auf den Onlineshop konzentriert und vielen Kundinnen habe ich zum Probieren die Kleider in den Milchkasten gelegt.»

«Sie hat Mut und ist ein Sonnenschein», sagt Mitarbeiterin Rebecca Zuurmond über ihre Chefin und Freundin. «Es kann nicht mehr als in die Hose gehen», fügt Ryf mit einem Lächeln an. Solange man Freude an seiner Arbeit habe, solle man daran festhalten, findet sie. Ihre positive Lebenseinstellung passt zum Spruch auf ihrem Baumwollarmband. «Chill mal», ist darauf gestickt. «Gewisse Dinge kann man nicht ändern, deshalb sollte man sich auch nicht über diese ärgern.»

Sie unterstützt ein Hilfsprojekt in Nepal

Auf der Verkaufstheke sind weitere Armbänder ausgestellt, in verschiedenen Farben und mit anderen Mundart-Sprüchen. Ryf hat den Schmuck selbst designt. Sie bietet nämlich nicht nur zugekaufte Kleider, Pflegeprodukte oder Wohnaccessoires an, sondern ist auch kreativ tätig. Seit Jahren arbeitet sie mit einem Hilfsprojekt zusammen und lässt über dieses Silberschmuck von einer tibetischen Familie in Nepal herstellen. «Mir ist wichtig, dass ich mit meinem Geschäft andere Menschen unterstützen kann», sagt Ryf. Sie versuche, wenn möglich, nachhaltige Produkte und Hersteller zu finden. «Es gelingt mir aber nicht immer, denn das hat seinen Preis. Und den sind Kundinnen und Kunden nicht immer bereit zu zahlen.»

Das neuste Must-have aus eigener Schöpfung ist eine Handykordel samt Hülle für das Smartphone. Diese ist in fünf verschiedenen Pastellfarben erhältlich. «Wir entdeckten das Accessoire an einer Modemesse in Kopenhagen. Es gab viele Besucherinnen, die damit unterwegs waren», erinnert sich Zuurmond und Ryf fügt an: «Weil du die Kordel zu Beginn so doof fandest, hab ich dir gleich eine gekauft.» Die beiden lachen. Schon bald merkten sie aber, wie praktisch der Artikel ist. «Du kannst dir dein Handy um den Hals hängen und hast es bereit, um Fotos zu schiessen, statt es immer wieder aus der Tasche kramen zu müssen. Das ist vor allem in den Ferien Gold wert», sagt Zuurmond.

Und so entwarf Ryf eine eigene Kordel. «Es gibt viele davon. Doch ich würde sagen, dass sich unser Produkt durch die Liebe zum Detail von anderen abhebt», sagt die Ladeninhaberin und zeigt auf die Quasten und die rosé-goldenen Herzchen an der Handykette.

Ryf ist auch weiterhin auf der Suche nach neuen Ideen und Trends, denen sie ihre eigene Handschrift verpassen kann. Sie sagt:

«Wir sind in Dietikon angekommen und wir wollen hier bleiben, nicht nur um zu verkaufen, sondern auch um mit unserer Kundschaft bei einem Kaffee über Gott und die Welt zu reden.»