Standortanalyse
Dietikons Zentrum: Schwierige Ausgangslage, doch viel Potenzial

Eine neue Standortanalyse zeigt die Herausforderungen für die Gewerbetreibenden im Dietiker Zentrum: Dieses ist von Verkehr geplagt und als Einkaufszone zu wenig attraktiv gestaltet. Doch das Potenzial ist da. Wie auch die Ideen, um dieses besser zu nutzen.

Tobias Hänni
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Das Zentrum Dietikon

Das Zentrum Dietikon

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Störfaktoren im Zentrum Dietikon.

Störfaktoren im Zentrum Dietikon.

Limmattaler Zeitung

Zu verzettelt, ein schlechter Branchenmix, zu viel Verkehr: So wird das Dietiker Zentrum von dessen Besuchern, aber auch von den ansässigen Gewerblern wahrgenommen. Das hat eine umfangreiche Standortanalyse gezeigt, die die Vereinigung Zentrum Dietikon (VZD) zusammen mit der Stadt durchgeführt hat. Vor kurzem wurden die Erkenntnisse dieser Untersuchung im Coworking-Space Bureau D vorgestellt. Hans Naef von der beauftragten Gesellschaft für Standortanalyse und Planungen AG fasste dabei die halbjährige Untersuchung zusammen.

Die Fakten: Täglich wird das Zentrum — ein definierter Perimeter mit 120 Gewerbe- und Gastrobetrieben — von 6200 zahlenden Kunden frequentiert, die im Schnitt 63 Franken ausgeben. «In Orten vergleichbarer Grösse liegt der Umsatz pro Tag und Kunde etwas höher», sagte Naef und erklärte den anwesenden Gewerblern und Politikern, dass dies einerseits am tieferen Haushaltseinkommen der Dietiker Bevölkerung liege, primär aber an der eher ungünstigen Lage der Stadt zwischen Spreitenbacher Zentrum und Zürich.

Nicht grösser, aber schöner

Zusammen mit den schweizweiten Trends des schnell wachsenden Online-Geschäfts und des Einkaufstourismus im Ausland keine vielversprechende Position. Und obendrein eine, an der sich aus eigener Kraft wenig ändern lässt. «Diese Sandwich-Position bringen sie nicht weg», konstatierte Naef.

Doch die Umfragen bei Dietiker Haushalten, Zentrums-Gewerblern, und Auswärtigen, die in der Stadt arbeiten, offenbarte auch Punkte, die durchaus verbessert werden können: Etwa der Verkehr, den viele befragte Haushalte als besonders störend empfinden (siehe Diagramm). Weitere häufig genannte Störfaktoren sind eine mangelnde Ordnung und Sauberkeit so wie zu wenig Sicherheit. Das Sicherheitsempfinden scheint auch bei den Gewerblern tief zu sein: Als eine der vorrangigen «geschäftsfördernden Massnahmen» nannten sie in der Befragung die Erhöhung der Sicherheit im öffentlichen Raum (siehe Interview)

Überschneidungen in der Wahrnehmung des Zentrums zeigen sich in der Befragung von Laden- und Restaurantbesitzern sowie deren Kunden auch in anderen Bereichen: Beide Gruppen wünschen sich eine visuelle Aufwertung des Zentrums. Bei der Frage nach dessen Weiterentwicklung wählten Passanten besonders häufig «Das Zentrum soll nicht grösser, aber schöner und gepflegter werden». Und vom Gewerbe wird eine Aufwertung des öffentlichen Raums durch «Beläge, Beleuchtung, Begrünung» als wichtige geschäftsfördernde Massnahme erachtet. Denn das Zentrum sei als solches nicht erkennbar. Diese Aussage deckt sich mit Naefs Erkenntnis, dass «die Besucherströme wahnsinnig verzettelt sind» — wer nach Dietikon einkaufen kommt, dem fehlt die Orientierung.

Bemängelt wurde in den Umfragen auch das bestehende Einkaufsangebot: Die Kunden vermissen Fachgeschäfte, vor allem für Kleidung, Haushaltsartikel und Unterhaltungselektronik. Das gleiche bei den Gewerblern: Diese wünschen sich mehr Anbieter mit «Magnetfunktion» und mehr zugkräftige Marken. «Leute stehen auf Brands», sagte Naef. «Wenn die nicht vorhanden sind, gilt das Angebot als schlecht.»

Neben einem breiteren Branchenmix rangierten mehr Veranstaltungen weit oben auf der «Wunschliste» der geschäftsfördernden Massnahmen der Gewerbler. Berechtigterweise: Denn ein Mangel an Anlässen ist laut Naef einer der Gründe für den Shopping-Trip ins nahe Ausland: «Einkaufen wird in der Schweiz als langweilig empfunden.»

Kunden sollen länger bleiben

Die Analyse zeigt aber nicht nur die Schwächen, sondern auch die Stärken und das Potenzial des Dietiker Zentrums: Sein Einzugsgebiet erstreckt sich von Geroldswil am rechten Limmatufer bis nach Widen und Bellikon im Westen und umfasst rund 57 000 Personen. «Dieses Einzugsgebiet kann kaum vergrössert werden. Doch sein Potenzial ist noch lange nicht ausgeschöpft», sagte der städtische Standortförderer Michael Seiler. Ziel müsse «eine längere Verweildauer der Kunden» im Zentrum sein.

Als «sehr substanzielle» Massnahme bezeichnete Seiler dabei die optische Aufwertung und Kenntlichmachung des Zentrums. Eine wesentliche Rolle bei der Aufwertung spielten dabei auch die Immobilienbesitzer. «Wir versuchen intensiv, diese für die Zentrumsentwicklung ins Boot zu holen.» Hemmend auf die Zusammenarbeit mit den Immobilienbesitzern wirke sich derzeit die Unsicherheit bezüglich der Limmattalbahn (LTB) aus.

Das Projekt, dass am 22. November kantonal abgestimmt wird, bezeichnete Stadtpräsident Otto Müller am Schluss des Anlasses aber auch als Chance. «Das grösste Problem im Zentrum ist der Durchgangsverkehr, der 25 Prozent ausmacht», sagte er. Mit der LTB als Teil eines Gesamtverkehrskonzepts biete sich die Möglichkeit, den Durchgangsverkehr aus dem Zentrum auf die Überlandstrasse zu verlagern. «Das wird auch Immobilienbesitzer unter Druck setzen, ihre Liegenschaften zu erneuern.»