Dietikon/Geroldswil/Unterengstringen
Digitale Dienste für Rapper, Verliebte und Start-ups: Diese Limmattaler Film-Crew will sich mit ihren Videos einen Namen machen

Emmanuel Chonia aus Unterengstringen will mit seinem Team Vrotown diesen Sommer durchstarten. Skeptiker überzeugen die Limmattaler Jungfilmer mit Professionalität und Ehrgeiz.

Sibylle Egloff
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Emmanuel Chonia aus Unterengstringen (rechts) dreht mit Tuvana Tonbul, (Mitte), Christ Yami aus Dietikon (links) und Adrian Ramaj aus Geroldswil (nicht im Bild) unter dem Namen Vrotown Musikvideos, Werbeclips und Filme.

Emmanuel Chonia aus Unterengstringen (rechts) dreht mit Tuvana Tonbul, (Mitte), Christ Yami aus Dietikon (links) und Adrian Ramaj aus Geroldswil (nicht im Bild) unter dem Namen Vrotown Musikvideos, Werbeclips und Filme.

Severin Bigler

Emmanuel Chonia hat gerade seine Berufsmaturitätsprüfungen hinter sich. An Ferien und Partys denkt der 21-jährige Unterengstringer jedoch nicht. Arbeit hat er im Kopf. «Wir wollen diesen Sommer richtig loslegen», sagt Chonia. Seine Kollegin Tuvana Tonbul aus Merenschwand und sein Freund Christ Yami aus Dietikon nicken eifrig. Die drei bilden das Film-Team Vrotown, zu dem auch der Geroldswiler Adrian Ramaj gehört. «Wir möchten mit unseren Videos und digitalen Lösungen etwas Neues und Spezielles bieten, das es so in der Schweiz noch nicht gibt», sagt Chonia. Damit meine er zum Beispiel verschiedene Effekte, 3D-Elemente oder besondere Perspektiven.

Als Digital Natives liefern sie digitale Lösungen

Vrotown drehte bereits Musikvideos für junge Künstler. «Letztes Wochenende waren wir zum Beispiel mit dem Bieler Rapper Shellsy unterwegs», erzählt Christ Yami. Und auch den Dietiker Anthony Adekoya, der unter dem Künstlernamen T. Tonz rappt und seine eigene Musik produziert, unterstützten sie mit einem Videoclip. «Doch wir fokussieren uns nicht nur auf Musikvideos, sondern auf alles im Bereich Digitalisierung», sagt Chonia, der wie seine Freunde der Generation von Digital Natives angehört.

Heiratsantrag auf dem Üetliberg.

Vrotown

«Wer ein Video von sich beim Fussballspielen oder Aufnahmen für seine Profile in den sozialen Medien wünscht, dem helfen wir gerne», sagt Tuvana Tonbul. Start-ups und Restaurants haben die Limmattaler Filmer ebenso schon beliefert. «Für das Restaurant Meze in Zürich haben wir etwa einen Werbefilm gedreht», sagt die 22-Jährige. Vor kurzem hielten sie zudem einen Hochzeitsantrag auf dem Üetliberg fest. Mit einer Hautarztpraxis haben sie ebenfalls schon zusammengearbeitet.

Nach einem Musikvideodreh war es um ihn geschehen

Chonia, der ghanaische Wurzeln hat, kam vor vier Jahren erstmals mit dem Filmen in Berührung. «Ein Freund von mir, der Musiker ist, lud mich zu einem Videodreh für einen neuen Song ein. Ich beobachtete die Arbeit hinter der Kamera und weil sie mir gefiel, wollte ich es selber ausprobieren», erzählt der Detailhandelsfachmann. Er kaufte sich seine erste Kamera, schoss und filmte drauf los. «Ich merkte schnell, dass das das ist, was ich mein ganzes Leben lang tun möchte.»

Videoclip für einen Musiker.

Vrotown

Zu Beginn kämpfte er jedoch noch mit Startschwierigkeiten. «Ich hatte keine Ahnung von Speicherkarten und arbeitete prompt mit einer kaputten, sodass ich nicht auf das Bild- und Filmmaterial zugreifen konnte. Doch aus Fehlern lernt man.» Im Selbststudium brachte er sich das nötige Wissen bei, testete Programme und lernte, wie man filmt und schneidet.

Während seiner Lehrzeit sparte er, um seine Filmausrüstung zu verbessern und zu vergrössern. Inzwischen verfügt er über ein Arsenal an Equipment: drei verschiedene Kameras, Drohnen, Greenscreen, Beleuchtung für drinnen und draussen, Mikrofone, Gimbals und vieles mehr. «Damals konzentrierte ich mich aber auf meine Ausbildung. In der Schulzeit Videos zu drehen, lag zeitlich nur schlecht drin.» Zudem sei er nicht der Typ, der halbbatzige Sachen mache. «Ich will mich voll auf etwas konzentrieren. Das kann ich nun nach meiner abgeschlossenen Berufsmatura», sagt Chonia.

Ergänzen sich gut: Christ Yami (von links), Emmanuel Chonia und Tuvana Tonbul.

Ergänzen sich gut: Christ Yami (von links), Emmanuel Chonia und Tuvana Tonbul.

Severin Bigler

Mittlerweile hat er auch die richtigen Personen gefunden, die ihn bei seiner Leidenschaft unterstützen und den Traum mit ihm teilen. «Ich wusste, dass ich das nicht alleine schaffen kann. Ich bin froh, dass ich die drei ins Boot holen konnte. Sie sind mit dem Herzen dabei. Wir ergänzen uns gut», sagt Chonia. Tonbul ist für die Kundenakquirierung zuständig. «Ich habe als Kauffrau viele Kontakte, die ich für uns nutzen kann», sagt die junge Frau mit türkischen Vorfahren. «Zudem ist sie sehr kreativ. Sie hat zum Beispiel unser Logo kreiert», ergänzt Chonia und zeigt ein Foto eines zittrigen Smileys auf seinem Handy.

Adrian Ramaj aus Geroldswil ist der Webmaster von Vrotown.

Adrian Ramaj aus Geroldswil ist der Webmaster von Vrotown.

zvg

Yami stiess erst kürzlich zum Team. Der 21-jährige gebürtige Kameruner ist für das Marketing verantwortlich. Zudem hilft er Chonia beim Filmen und Bearbeiten der Videos. Ramaj, mit dem Chonia die Oberstufe in Weiningen besuchte, hat die Aufgabe des Webmasters gefasst und kümmert sich um den Internetauftritt von Vrotown.

Sie investieren lieber in neue Ausrüstung

Das grosse Geld verdienen steht aktuell nicht im Vordergrund der vier jungen Menschen. «Wir investieren lieber in neue Ausrüstung, um noch bessere Qualität zu liefern», sagt Chonia. Und auch bei den Preisen seien sie flexibel. «Wir passen uns dem Budget unserer Kunden an. Junge Künstler oder ein Start-up können nicht gleich viel zahlen wie ein Restaurant oder eine etablierte Firma», sagt Yami. Nichtsdestotrotz wollen sie nicht über den Tisch gezogen werden. «Ich schaue schon, dass es sich für uns lohnt und wir alle etwas davon haben», sagt Chonia.

Werbevideo für das libanesische Restaurant Meze in Zürich.

Vrotown

Dass sie wegen ihres Alters und ihres Multikulti-Hintergrunds teilweise belächelt und nicht ernst genommen werden, stört die Jungfilmer nicht gross. «Die Leute merken schnell, dass wir seriös arbeiten. An den Sets geht nichts ohne Drehbücher und Dossiers. Viele sind beeindruckt von unserer Professionalität», sagt Chonia.

Dank der Coronalockerungen und den abgeschlossenen Berufsmaturitätsprüfungen steht Vrotown nichts mehr im Wege. Die vier wollen sich nun beweisen. Chonia und sein Team haben ihr Ziel vor Augen: «Wir wollen so gross wie möglich werden und uns erstmals in Zürich, dann national und vielleicht irgendwann einmal auch im Ausland etablieren.»