Dietikon/Bergdietikon
Reuss- und Limmattal wollen Druck machen auf die Kantone – damit die Verkehrsplanung besser wird

Die Planungsregionen wollen mehr miteinander reden, um die interkantonale Verkehrsplanung zu verbessern. Diese klappt nicht wunschgemäss – das zeigen die Umleitungspläne zum K412-Ausbau und zur BDB-Doppelspur.

David Egger 1 Kommentar
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Vielleicht finden sie in Zukunft einen besseren gemeinsamen Nenner: Der für das Departement Bau, Verkehr und Umwelt zuständige Aargauer Regierungsrat Stephan Attiger (FDP), der Dietiker Stadtpräsident Roger Bachmann (SVP) und der Zürcher Baudirektor Martin Neukom (Grüne).

Vielleicht finden sie in Zukunft einen besseren gemeinsamen Nenner: Der für das Departement Bau, Verkehr und Umwelt zuständige Aargauer Regierungsrat Stephan Attiger (FDP), der Dietiker Stadtpräsident Roger Bachmann (SVP) und der Zürcher Baudirektor Martin Neukom (Grüne).

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Schon mehrmals haben die Limmattaler Gemeinden moniert, dass sich der Kanton Zürich bei der Verkehrsplanung zu sehr auf die Längsachsen in den Tälern konzentriert und die Querverbindungen dazwischen ausser Acht lässt. Zudem werde der Aargau zu wenig miteinbezogen. Diese Kritik wurde auch an der Delegiertenversammlung der Zürcher Planungsgruppe Limmattal (ZPL) im Mai geäussert. «Der Verkehr kommt von allen Seiten – Zürcher Planungsgruppe Limmattal kritisiert Kanton wegen Tunnelblick», titelte die «Limmattaler Zeitung» damals.

Neustes Beispiel für das Problem: Baustellen blockieren in den nächsten Jahren gleich zwei Strassen, die das Reuss- und das Limmattal verbinden. Die K412 zwischen Widen und Bergdietikon soll von 2024 bis 2026 saniert und ausgebaut werden und auf der Dietiker Bremgartnerstrasse soll die Bremgarten-Dietikon-Bahn (BDB) von 2023 bis 2026 auf Doppelspur ausgebaut werden. Doch die Umleitungskonzepte seien «nicht aufeinander abgestimmt», kritisiert der Dietiker Stadtrat. Er sieht die Gefahr von Verkehrsüberlastungen in Bergdietikon und Mehrverkehr auf der Dietiker Hasenbergstrasse. Dies geht aus seiner Antwort auf eine Interpellation von Mitte-Gemeinderat Gabriele Olivieri und 23 weiteren Dietiker Parlamentsmitgliedern hervor. Die Umleitungen sollen durch die schmale Baltenschwilerstrasse in Bergdietikon führen, wo Tempo 30 gilt.

Brummende Blechlawine statt plätschernde Brunnen-Idylle: die ­Baltenschwilerstrasse in Bergdietikon. Links der Bildmitte zweigt die Industriestrasse nach unten zur Industrie ab.

Brummende Blechlawine statt plätschernde Brunnen-Idylle: die ­Baltenschwilerstrasse in Bergdietikon. Links der Bildmitte zweigt die Industriestrasse nach unten zur Industrie ab.

Britta Gut / Archiv

Der Dietiker Stadtrat fordert nun, dass die beiden Umleitungskonzepte angepasst werden. Aber hören die Kantone darauf? Ändern sie ihre Pläne? Die Zeit wird es zeigen.

Aber nur warten will der Stadtrat nicht. Am 9. August habe sich eine Delegation des Komitees «Vorwärts Limmattal», das von Stadtpräsident Roger Bachmann (SVP) präsidiert wird, mit Vorstandsmitgliedern des Regionalplanungsverbands Mutschellen-Reusstal-Kelleramt (Repla MRK) getroffen, «um mögliche gemeinsame Interessen in der Verkehrsthematik, namentlich im Bereich der Querverbindung Reuss-/Limmattal, zu erörtern», schreibt der Stadtrat in seiner Antwort an das Parlament.

Beim Treffen habe sich gezeigt, dass die Zürcher und die Aargauer Seite mit identischen Problemen konfrontiert seien «und eine Intensivierung und Institutionalisierung der Gespräche von grossem Interesse und Nutzen sein könnte». Der Traum: ein neuer grosser Tunnel.

«Es fehlt eine leistungsfähige Achse durch den Berg»,

sagte kürzlich etwa Kurt Diem, Vorstandsmitglied vom Repla MRK.

Bachmann hat den ZPL-Vorstand über das Treffen informiert. Auch die ZPL wünscht, dass sich Reuss- und Limmattal regelmässig austauschen, etwa um Vorschläge zur Verbesserung der interkantonalen Verkehrsplanung zu diskutieren. «Gemeinsam sollen in der Folge die zuständigen Stellen der Kantone Aargau und Zürich zum Handeln bewogen werden», so der Stadtrat. Es ist offensichtlich: Er findet nicht, dass der Kanton die Dietiker Interessen bisher genügend unterstützt hat.

Lichtsignal als Dosierung: Stadt will nichts überstürzen

Ein weiteres wichtiges Thema für die Stadt Dietikon ist es, den Durchgangsverkehr in der Stadt zu reduzieren. «Um den Bestand, die zukünftigen Bedürfnisse und mögliche Probleme zu erfassen, ist bereits in diesem Jahr ein erstes Gespräch mit Vertretern des Kantons Zürich geplant», schreibt nun der Stadtrat. Für konkrete Massnahmen sei es aber noch zu früh.

Nach dem Gespräch mit dem Kanton will die Stadt weitere Gespräche führen, an denen auch der Aargau und Bergdietikon teilnehmen sollen. Das Ziel: eine grundlegende gemeinsame Strategie, um den Verkehr zwischen Reuss- und Limmattal zu lenken. Dosierungsmassnahmen wie etwa ein Lichtsignal zwischen Bergdietikon und Dietikon sollen interkantonal entwickelt und umgesetzt werden. Der Stadtrat hält fest, dass die Koordination zwischen Bergdietikon und Dietikon sehr gut funktioniere. Die Zusammenarbeit könne den Druck gegenüber den Kantonen erhöhen, «um eine Verbesserung für beide Gemeinden und die ganze Region zu erreichen».

Stadt will eigenes Verkehrskonzept für den Südwesten von Dietikon erstellen

Dietikon plant auch, ab 2023 ein Verkehrskonzept für den Südwesten der Stadt zu erarbeiten. Das Ziel: Die Hasenberg- und die Bremgartnerstrasse entlasten und den Durchgangs­verkehr auf der Bernstrasse kanalisieren, damit Velofahren und zu Fuss gehen im Südwesten attraktiver wird.

1 Kommentar
Heidi King

Baut doch endlich die Mutschellenstrasse zu dem, was der Name andeutet: ein Tunnel vom A1-Anschluss Dietikon direkt unter dem Egelsee durch bis ins Reusstal. Entweder zur oberen Strasse Bellikon-Remtschwil oder gleich bis zur Reuss hinunter!