Dietikon
Zwei Kinder und einen Esel geschändet: Serbe leitete Video weiter – Gericht verweist ihn des Landes

Ein 45-Jähriger aus Dietikon hatte pädophiles und zoophiles Material an andere Personen weitergeleitet. Bezirksrichter Benedikt Hoffmann hält sich an den Volkswillen und schickt den Mann zurück auf den Balkan.

David Egger
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Mit dem Facebook-Messenger verschickte der Serbe kinder- und tierpornografisches Material.

Mit dem Facebook-Messenger verschickte der Serbe kinder- und tierpornografisches Material.

Jenny Kane/AP

Das Dietiker Bezirksgericht hat einen 45-jährigen Serben aus Dietikon wegen mehrfacher Pornografie verurteilt und verweist ihn für fünf Jahre des Landes. Es ist ein harter Schlag für den Handwerker, der seit rund zwei Jahrzehnten in der Schweiz lebt. Hier hat er seine beiden heute erwachsenen Kinder grossgezogen, hier ist er neu verlobt – und hier hat er jetzt keine Zukunft mehr. Denn der Fall ist klar: Pornografie gehört zu den Delikten, für die das Schweizer Recht eine automatische Landesverweisung vorsieht.

Richter erklärte, warum der Serbe kein Härtefall ist

Einzig für schwere persönliche Härtefälle können die Gerichte eine Ausnahme machen – insbesondere wenn es sich um Ausländer handelt, die in der Schweiz geboren und aufgewachsen sind. Der Mann hat aber die ersten rund 25 Jahre und damit mehr als die Hälfte seines bisherigen Lebens im Kosovo verbracht, wo er zur serbischen Minderheit gehörte.

Auch sonst war für Einzelrichter Benedikt Hoffmann klar, dass von einem Härtefall nicht die Rede sein kann.

«Härtefälle müssen die absolute Ausnahme bleiben»,

so Hoffmann. Der Gesetzgeber habe ausdrücklich gesagt, dass eine Landesverweisung unabhängig von der Strafhöhe zu erfolgen hat. Zudem habe der Gesetzgeber ganz bewusst die Rechtsauslegung der Gerichte einschränken wollen.

Weiter führte Hoffmann aus: «Serbien ist kein Kriegsgebiet, sondern ein normal entwickeltes Land. Der Verurteilte spricht die serbische Sprache sogar besser als unsere.» Für die Gerichtsverhandlung war der Mann auf einen Serbisch-Übersetzer angewiesen.

Seinen Beruf – der Mann ist in der Baubranche tätig – könne man «sicher auch in Serbien brauchen», so Hoffmann weiter. Überdies wohnt auch die Mutter des Mannes noch in der Heimat des Mannes.

Auch dass es der Verurteilte in seiner eigentlichen Heimat, die heute zum Kosovo gehört, als Angehöriger der serbischen Minderheit schwer haben könnte, sei kein Grund dafür, von einem Landesverweis abzusehen. Hoffmann:

«Serbien hat eine gewisse Grösse. Er kann auswählen, wohin er gehen will.»

In einem Punkt kam das Gericht dem Mann aber entgegen: Es sieht davon ab, den Landesverweis im Schengener Informationssystem auszuschreiben. «Ihm steht also auch noch der EU-Raum offen», sagte Hoffmann dazu.

Die Tat, für die der Serbe nun vom Bezirksgericht Dietikon verurteilt wurde, beging er wahrscheinlich an seinem Wohnort in Dietikon.

Die Tat, für die der Serbe nun vom Bezirksgericht Dietikon verurteilt wurde, beging er wahrscheinlich an seinem Wohnort in Dietikon.

Severin Bigler (Dietikon, 29. April 2020)

Zurück zu den beiden Taten, die nun den Landesverweis zur Folge haben. Das Corpus Delicti war der Facebook Messenger. Über dieses Chat-Programm hatte der Mann ein verstörendes Video weitergeleitet, in dem zwei minderjährige Knaben sexuelle Handlungen an einem Esel vornahmen. Statt das Video zu löschen oder sich bei der Polizei zu melden, nachdem er es erhalten hatte, leitete er das Video an einen Bekannten weiter. Über einen Monat später verschickte er es zudem an einen weiteren Bekannten.

Täter sagt, er habe vom Verbot nichts gewusst

Heute schämt sich der geständige Serbe zwar für sein Tun – das sagte er mehrmals während der Gerichtsverhandlung, die am Mittwochmorgen stattgefunden hat. Er zeigte sich auch reuig und sagte, dass ihm die Sache sehr leid tue. Er habe nicht gewusst, dass das Weiterleiten des Videos gegen das Gesetz verstösst.

«Es fällt schwer, an einen versehentlichen oder einmaligen Fehltritt zu glauben, wenn er zweimal so etwas verschickt»,

machte Einzelrichter Benedikt Hoffmann schon während der Befragung klar.

«Ich habe mir die Bilder nicht richtig angeschaut. Ich habe sie nur weitergeleitet, um zu zeigen, was es auf dieser Welt alles gibt»,

erklärte der Angeklagte. Der Mann fand das Video selber verstörend oder zumindest überraschend – so sehr, dass er seinen Bekannten mittels Weiterleitung davon erzählte. Das war allerdings keine gute Idee. Wer sich im digitalen Raum bewegt, hinterlässt Spuren. Erst recht, wenn es um kriminelles Material geht. Wie die Behörden dem Serben auf die Schliche gekommen sind, kam an der Gerichtsverhandlung nicht zur Sprache. Es wäre nichts Neues, wenn die Schweizer Justiz einen Tipp von den US-amerikanischen Kollegen erhalten hätte.

Etwas mehr als ein Jahr, nachdem der Mann das Video zum zweiten Mal verschickt hatte, erhob die Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis im Juli 2021 Anklage wegen mehrfacher Pornografie. Sie beantragte beim Bezirksgericht Dietikon, dass der Täter eine Busse von 2000 Franken zahlen muss. Und dass er eine bedingte Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu 90 Franken – also total 10'800 Franken – aufgebrummt erhält. Einen Landesverweis und ein Verbot von Tätigkeiten mit Kindern beantragte aber selbst die Staatsanwältin nicht.

Der Mann sei keine Gefahr für Kinder, erklärte das Gericht

Das Bezirksgericht sprach nun aus den genannten Gründen trotzdem einen Landesverweis aus. Auf ein Tätigkeitsverbot verzichtete das Gericht aber, da der Mann keine Gefahr für Kinder darstelle und auch keine pädophilen Neigungen zeige. Hinsichtlich der bedingten Geldstrafe bestätigte das Gericht den Antrag der Staatsanwaltschaft. Auf die zusätzliche, unbedingte 2000-Franken-Busse verzichtete das Gericht aber. Es verpflichtete den Mann aber dazu, Verfahrenskosten in der Höhe von 3600 Franken zu bezahlen.

Verteidigerin scheiterte mit Antrag auf Freispruch

Die Anwältin des Serben hatte einen Freispruch gefordert, weil der Mann einem Rechtsirrtum erlegen sei. Ihr Argument fruchtete aber nicht. «Er sagte ja selber, dass ihn die Bilder schockiert hatten. Er hätte zumindest auf die Idee kommen müssen, dass sie verboten sind. Von einem unvermeidbaren Irrtum kann hier nicht die Rede sein», so Hoffmann. Für ihn als Richter war klar: Dass der Mann keine sexuellen Motive oder dergleichen hatte, ändert nichts daran, dass er mit der Weiterverbreitung der Videos dazu beigetragen hat, dass eine noch grössere Gefahr für eine noch weitere Verbreitung des Bildmaterials besteht.

In der Tat werden immer wieder solche Videos verbreitet. Unter anderem verurteilte das Bezirksgericht Dietikon letztes Jahr einen damals 43-jährigen Familienvater aus dem Kosovo wegen eines ähnlichen Delikts. Auch dieser wurde vom Gericht des Landes verwiesen.

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