Dietikon/Killwangen
Zum Jubiläum des Kleinstautos: Die Limmattaler Firma Rapid baut ihren legendären «Silberfisch» neu

Am Produktionsstandort in Killwangen hat die Dietiker Firma zum Jubiläum des Kleinstautos einen neuen Prototyp mit E-Antrieb enthüllt.

Hans-Caspar Kellenberger
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Das neue «Rapid Voiturette E» fährt mittels Elektroantrieb. Hinten in Rot der alte «Silberfisch».

Das neue «Rapid Voiturette E» fährt mittels Elektroantrieb. Hinten in Rot der alte «Silberfisch».

zvg

In rund 1000 Arbeitsstunden haben Mitarbeiter der Rapid Technic AG mit Sitz in Killwangen den «Rapid Voiturette E», ein Kleinstauto mit einem rein elektrischen Fahrantrieb, gebaut. Anlass war das 75-Jahre-Jubiläum des «Voiturette R», auch «Silberfisch» genannt. Dieser wurde 1946 in den Produktionshallen der damaligen Rapid Motormäher AG in Dietikon erbaut. Am ehemaligen Dietiker Standort steht heute das Limmatfeld-Quartier mit dem grossen Rapidplatz. Dort befindet sich heute noch der juristische Sitz der Muttergesellschaft Rapid Holding AG.

Die Grundlagen für das Kleinstauto erarbeitete der österreichisch-ungarische Ingenieur Josef Ganz vor dem Zweiten Weltkrieg. Sein Ziel war ein Idealfahrzeug, das sich auch Geringverdiener würden leisten können. «Wir sind stolz darauf, dass in den Werkhallen der Rapid damals ein solches Auto gebaut wurde. Trotz seiner tragischen Geschichte», sagt Lukas Zumsteg, Vertriebsleiter bei Rapid. Ingenieur Josef Ganz war als Jude ab 1933 verfolgt worden, verlor all seine Patente und flüchtete über das Fürstentum Liechtenstein in die Schweiz. Dort nahmen das Zürcher Ar-beitsamt und die Rapid Motormäher AG seine Idee mit dem günstigen Kleinwagen wieder auf.

Das Interesse am mini- malistischen Auto war in der Schweiz damals klein. Denn zur selben Zeit konnten für etwas mehr Geld bereits luxuriösere Kleinwagen wie der VW Käfer erworben werden. Als «Bastard aus Motorrad und Auto» wurde der «Silberfisch» damals bezeichnet, was dazu führte, dass die Produktion nach der 0-Serie mit nur 36 Stück wieder eingestellt wurde. 1951 emigrierte Josef Ganz nach Australien, wo er 1967 einsam und verarmt starb.

Das neue (links) und das alte Modell des «Silberfisch» im Killwangener Hauptsitz der Rapid Technic AG.

Das neue (links) und das alte Modell des «Silberfisch» im Killwangener Hauptsitz der Rapid Technic AG.

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Einfache und günstige Autos sind wieder aktuell

Der im heutigen Killwangener Hauptsitz der Rapid Technic AG hergestellte moderne Nachbau des «Silberfisch» basiert auf den im Betrieb vorhandenen Originalzeichnungen von früher. Anstelle des damaligen Viertakt-Gegenkolbenmotors kommt nun aber modernste Antriebstechnik zum Einsatz: Im neuen Auto wurde der vollelektrische Einachser «Rapid URI» eingesetzt. Die Energie wird durch einen Wechselakku bereitgestellt. Damit sind Fahrten über eine Distanz von rund 180 Kilometern und maximale Fahr­geschwindigkeiten von über 90 km/h möglich.

«Das Bedürfnis, ein einfaches, günstiges Auto zu haben, ist wieder aktuell, insbesondere eines mit Elektroantrieb», sagt Zumsteg. Der Verkaufspreis des neuen Prototyps wird auf rund 12500 Franken geschätzt. Im Mai 2022 sollen weitere Langzeittests mit dem neuen Prototyp folgen.

Neue und alte Modelle von Motormähern (ganz rechts eine Maschine von 1926, ganz links eine von 2021) sowie die minimalistischen Autos im Killwangener Hauptsitz von Rapid.

Neue und alte Modelle von Motormähern (ganz rechts eine Maschine von 1926, ganz links eine von 2021) sowie die minimalistischen Autos im Killwangener Hauptsitz von Rapid.

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2026 wird die Firma Rapid hundert Jahre alt

Bei der Präsentation des neuen Modells mit Elektroantrieb wurde auch ein restauriertes Modell zum Vergleich gezeigt. 1926 entwickelten zwei Ingenieure in Zürich den ersten Motoreinachser weltweit für die damalige Rapid Motormäher AG. Heute stellt das Unternehmen moderne Motormäher sowie Hochleistungskühler für Lastwagen, Autos und Eisenbahnen her. In Killwangen sind rund 120 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt. 2026 wird Rapid 100 Jahre alt. Die Krise im Zusammenhang mit dem Coronavirus sei «eine spannende und gleichzeitig herausfordernde Zeit». Vertriebsleiter Zumsteg:

«Während Corona kamen natürlich zuerst Ängste auf, dass wir nicht mehr zu den Kunden können. Denn unsere Geräte müssen vorgeführt werden.»
Lukas Zumsteg, Vertriebsleiter der Rapid Technic AG, vor einer Maschine in der Produktion.

Lukas Zumsteg, Vertriebsleiter der Rapid Technic AG, vor einer Maschine in der Produktion.

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Rapid leidet auch unter Lieferengpässen

Trotzdem ist das Unter- nehmen bisher gut durch die schwierige Zeit gekommen. ­Innerhalb weniger Wochen nach Pandemiebeginn sei die Nachfrage wieder gestiegen. «Wir legten bei den Auftragseingängen im zweistelligen Prozent­bereich zu. Das Geschäft lief sehr gut», so Zumsteg. Herausfordernd seien aber Unter­brüche in der Lieferkette.

«Das macht es uns im Moment nicht einfach. Es wird auch in Zukunft herausfordernd sein, dass wir die Lieferverfügbarkeit ge­währleisten können», sagt Zumsteg. «Man ist es sich von uns gewohnt, dass wenn man einen Rapid bestellt, ihn innerhalb von zehn Arbeitstagen ­bekommt. Das konnten wir in dieser Zeit nicht immer gewährleisten.»

Mit dem Rapidplatz im Dietiker Limmatfeld, der beim Stadtfest 2018 rappelvoll war, ist die Geschichte der Firma Rapid auch heute noch stark in Dietikon präsent. Zudem befindet sich auch der juristische Sitz der Rapid Holding AG noch heute im Dietiker Limmatfeld.

Mit dem Rapidplatz im Dietiker Limmatfeld, der beim Stadtfest 2018 rappelvoll war, ist die Geschichte der Firma Rapid auch heute noch stark in Dietikon präsent. Zudem befindet sich auch der juristische Sitz der Rapid Holding AG noch heute im Dietiker Limmatfeld.

David Egger (2018)

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